Neue Infos aufgetaucht:

Erst als Böhmermann vom Ibiza-Video wusste, nahm Fall Fahrt auf

Wie Medien übereinstimmend berichten, scheint der öffentlich-rechtliche Satiriker Jan Böhmermann frühzeitig über den Inhalt des »Strache-Videos« informiert gewesen zu sein. Böhmermanns Andeutungen zum Ibiza-Video scheinen schwere Folgen für die gesamte Dynamik in der österreichischen Regierungskrise gehabt zu haben.

Jan Böhmermann hat – wenn auch indirekt – wesentlich mehr Beteiligung an der Dynamik, die das »Ibiza-Video« erhalten hat, als bislang behauptet. Das berichtet die Wochenzeitung ›Die Zeit‹. Ohne den öffentlich-rechtlichen Satiriker hätte die Öffentlichkeit mutmaßlich bis heute keinerlei Kenntnis von dem Ibiza-Video.

Recherchen der ›Zeit‹ legen weitere Details offen, wie es zur Veröffentlichung des Skandal-Videos kam. So sollen Zwischenhändler bereits im Frühsommer 2018 unter anderem der ›Süddeutschen Zeitung‹ (SZ) die Videoaufnahmen angeboten haben. Offenbar sollte getestet werden, ob es dafür einen Markt gibt. Hierbei habe es sich um eine Millionensumme gehandelt. Die ›SZ‹ lehnte offenbar ab – ebenso der ›Spiegel‹, dem das Video später ebenfalls angeboten wurde.

Vieles deutet auf ein größeres Geflecht an Personen hin, das in die Entstehung des Videos eingebunden gewesen sein soll. Die ›Zeit‹ gibt an, Kontakt mit den »Verantwortlichen des Videos« zu haben. Die Macher hätten Wert daraufgelegt, dass für das Video »keinerlei Geld geflossen« sei, heißt es in dem Bericht weiter. Unklar ist, ob es sich dabei um den nun ins Visier der Öffentlichkeit geratenen mutmaßlichen Drahtzieher handelt, einen Detektiv mit Münchner Anschrift.

An Ostern habe sich der Videohändler – nachdem die Verhandlungen mit Journalisten zunächst nicht von Erfolg gekrönt waren – dem Bericht zufolge an den Satiriker Jan Böhmermann gewandt. Auch hier mutmaßlich in der Hoffnung, für das Material finanziell entschädigt zu werden.

Fest steht nun: Böhmermann kannte frühzeitig die Inhalte des Videos. Das bestätigte bereits sein Manager. Böhmermann machte sein exklusives Wissen sogar mit Andeutungen am 13. April öffentlich. Zu diesem Datum hatte der Satiriker auf einer Veranstaltung gesagt, dass er »mit ein paar FPÖ-Geschäftsfreunden in einer russischen Oligarchen-Villa auf Ibiza rumhänge«.

Die ›Zeit‹ mutmaßt, dass den Videomachern nach den Andeutungen Böhmermanns nun endgültig klar gewesen sei, mit ihren Aufnahmen kein Geld machen zu können. Zudem seien Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus nun gewarnt gewesen und wussten, dass ihr Ibiza-Aufenthalt für »Nachwehen« sorgen könnte.

Weiter wird berichtet, dass auf einem Twitter-Account angeblich noch vor der »Exklusivnachricht« von ›Spiegel‹ und ›SZ‹ ein Foto veröffentlich wurde, auf dem mutmaßliches Kokain zu sehen war. Die Aufnahmen sollen in der »Ibiza-Villa« aufgenommen worden sein. Eine der ersten Follower: Die link-politisch aktive Aktivistengruppe »Zentrum für Politische Schönheit« (ZPS). Das bedeutet, dass offenbar auch diese politisch Linksaktiven, ähnlich wie Böhmermann, schon von dem Video wussten. Zudem sei über diesen Twitter-Account noch ein Video veröffentlich worden, das in dieser Form nicht vom ›Spiegel‹ oder der ›SZ‹ veröffentlicht worden war, berichtet die ›Zeit‹.

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