Neues aus dem Leben der Angela M.

Das verbotene Foto und ein Gerücht

Am 21. Mai 2013 erschien in der ›Bild‹-Zeitung ein Bericht unter der Überschrift: »Diese junge Frau in Uniform ist heute unsere Kanzlerin.« ›Bild‹ schrieb damals, das Foto zeige Schülerinnen der 11. Klasse der »Erweiterten Oberschule« (EOS) »Hermann Matern« im brandenburgischen Templin (Uckermark).

Ein Foto von Angela Merkel (erste Reihe, Kreis) aus ihrer Jugendzeit in der DDR. Das Foto, um das es eigentlich geht, kursiert im Internet. Aus urheberrechtlichen Gründen können wir es nicht zeigen

Weiter heißt es in dem noch immer abrufbaren Text: »Sie marschieren … Zentral im Bild: eine junge Frau mit Feldkäppi auf dem Kopf, den Gürtel eng geschnallt. Sie lächelt. Es ist ein Lächeln, das einem bekannt vorkommt … Die junge Frau heißt Angela Kasner, damals 17 Jahre alt.«

Das Foto verbreitete sich mit einer rasenden Geschwindigkeit in den sozialen Netzwerken. Dort ist es noch immer unterwegs. Interessant ist, dass der Text des Artikels in der Onlineausgabe bis heute nicht gelöscht wurde, wohl offenbar aber das dazugehörige Foto, auf das die Schlagzeile seinerzeit Bezug nahm. Hat es vielleicht aus dem Kanzleramt wieder einmal einen Anruf bei Verlegerin und Merkel-Teestundenfreundin Friede Springer gegeben?

Das Foto mit dem roten Kreis um den Kopf des besonders glücklich wirkenden Mädchens zeige nicht Angela Merkel, hieß es immer wieder. In einem bemerkenswerten Beitrag für Tichys Einblick kommt der Historiker Hubertus Knabe, aus dem Amt gemobbter Ex-Direktor der Stasi-Opfer-Stiftung »Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen«, jetzt zu dem Befund: »Das lachende Mädchen in der Uniform der DDR-Zivilverteidigung ist tatsächlich Angela Merkel. Eine ihrer früheren Mitschülerinnen hatte es 2013 der ›Bild‹-Zeitung zur Verfügung gestellt.«

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Von der Vergangenheit zur Gegenwart: In der Union gibt es eine Flüsterkampagne für die Bildung einer Minderheitsregierung, falls die SPD die Chaos-GroKo vorzeitig verlassen sollte. Ein CDU-Minister will beobachtet haben, dass auch bei Merkel die angebliche Abneigung gegen das Regieren mit wechselnden Mehrheiten abgenommen habe, berichtet der Publizist Gabor Steingart in seinem ›Morning Briefing‹. Er sieht vier Vorteile:

► Merkel müsste nicht abrupt im Ruhestand verschwinden.

► Annegret Kramp-Karrenbauer könnte binnen weniger Stunden zur Vizekanzlerin aufsteigen (der Deutschland Kurier berichtete).

► CDU und CSU, die nun alle Kabinettsposten mit eigenen Leuten besetzen könnten, hätten die Chance, die ganze Spannbreite ihres Personalaufgebots zu zeigen. Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer könnte, so wird in der Hauptstadt spekuliert, dann zum Beispiel in Personalunion nicht nur Vizekanzlerin, sondern auch Außenministerin werden.

► Der Bundestag müsste nicht aufgelöst werden, womit die Abgeordneten der Union, mehr noch der SPD, höchst zufrieden wären. Etwa jeder dritte SPD-Parlamentarier und jeder fünfte CDU-Abgeordnete würde im Lichte der aktuellen Umfragen wahrscheinlich nicht wieder in den Bundestag kommen.

Heribert Prantl, Cheftheoretiker der »Alpen-Prawda«, hat die umlaufenden Gerüchte bereits in einem schwungvollen Kommentar verdichtet. Er ist in der ›Süddeutschen Zeitung‹ schon voll der Vorfreude: Merkel könnte als Chefin einer Minderheitsregierung personalpolitisch »ein riesiges Spielfeld besetzen; es wäre von einer Größe, wie es der Union nie zur Verfügung stand«. (oys)

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