Neues vom Blender:

Springer-Chef lockt mit »Herkules«-Prämie

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, versucht den mutmaßlich anstehenden Personalabbau mit finanziellen Anreizen zu versüßen

Im Krisenverlag »Axel Springer« brennt gut einen Monat vor Weihnachten der Baum: Springer-Chef Mathias Döpfner erhöht den Druck vor allem auf die verlustreiche ›Welt‹.

Deren Redakteure sollen mit finanziellen Anreizen zum »freiwilligen Ausscheiden« bewegt werden. Das Turbo-Programm zum Job-Kahlschlag unter dem verlagsinternen Codenamen »Herkules« stößt in der Belegschaft auf heftigen Widerstand.

150 Jobs allein bei ›Bild‹ gefährdet

Noch ist unklar, wie viele Arbeitsplätze in den Redaktionen von Springer (›Bild‹, ›Welt‹) dem Rotstift zum Opfer fallen. Bei ›Bild‹ ist inoffiziell die Rede von bis zu 150 Stellen, die eingespart werden sollen. In einer mindestens ähnlichen Größenordnung dürfte es die marode ›Welt‹ treffen.

Verlag droht Prozesslawine

Verlagschef Döpfner zündet offenbar wieder eine seiner üblichen Blendgranaten. Unmittelbar vor dem Einstieg des US-Investors KKR will er ganz offensichtlich vermeiden, dass die geplanten Stellenstreichungen in einer Prozesslawine vor den Arbeitsgerichten enden. Das würde nicht nur den angestrebten Job-Kahlschlag verzögern, sondern das ramponierte Image des Berliner Krisenverlages weiter beschädigen.

Döpfner, mit geschätzten acht bis zehn Millionen Euro Jahreseinkommen einer der höchstbezahlten deutschen Manager, habe deshalb ein Programm namens »Herkules« aufgesetzt, um Mitarbeiter mit finanziellen Prämien zum freiwilligen Ausscheiden zu bewegen, berichtet der Branchendienst »Meedia«. Dies gelte zumindest vorerst für die ›Welt‹-Redaktion. Doch unter der Belegschaft stoße die Offerte auf wenig Gegenliebe. »Es ist eine Mogelpackung, da die Mitarbeiter beim Rationalisierungsschutzabkommen mit dem Arbeitgeber eine individuelle Abfindung aushandeln können, die höher als die jetzt offerierte Prämie liegen könnte«, lässt sich ein Springer-Mitarbeiter zitieren.

Ob diese Regelung auch für Mitarbeiter bei ›Bild‹ gelten wird, ist unklar. »Die Verhandlungen für ›Bild‹ laufen noch. Wir hoffen, auch hier für die Mitarbeiter attraktive Vereinbarungen schließen zu können«, so eine Verlagssprecherin. (elf)

Drucken