»Nicht in meinem Namen!«

Islamkritiker Abdel-Samad stellt Steinmeier zur Rede

Hamed Abdel-Samad an die Adresse des Bundespräsidenten: »Sie haben falsche Signale an das Regime im Iran gesendet.«

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) verschickte anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums der Machtübernahme durch das iranische Mullah-Regime Glückwünsche – auch im Namen der deutschen Bundesbürger. Der Islam-Kritiker Hamed Abdel-Samad kritisierte Steinmeier am Dienstag nun öffentlich bei einer Veranstaltung im Schloss Bellevue dafür. Steinmeier verteidigt seine Grußworte nach wie vor.

Frank-Walter Steinmeier hatte zum »Forum Bellevue: Alles Glaubenssache?« eingeladen, um über das alles überlagernde Thema »Islam und Religion in Deutschland« zu diskutieren. Unter den 170 geladenen Gästen im Großen Saal von Bellevue befand sich auch Hamed Abdel-Samad, der klare Worte zu Steinmeiers Glückwunschtelegramm an das iranische Mullah-Regime fand. Steinmeier hatte zum 40. Jahrestag der islamischen Revolution herzlich gratuliert – und das auch im Namen seiner Landsleute (Der Deutschland Kurier berichtete).

»Sie haben falsche Signale an das Regime im Iran gesendet«, so Hamed Abdel-Samad in seiner Rede. Und weiter: »Sie haben im Namen aller Deutschen dem iranischen Regime gratuliert, doch das dürfen Sie nicht tun. Als deutscher Staatsbürger sage ich Ihnen: Nicht in meinem Namen! Sie haben die falschen Signale sowohl an das Regime im Iran, an die demokratische Opposition im Land und im Exil, an die zehntausenden Opfer dieses Regimes und ihre Angehörigen, als auch an die deutsche Bevölkerung gesendet. Ans Regime schickten Sie das Signal ›Weiter so‹, an die Opposition ›Ihre Mühen interessieren mich nicht‹ und an die deutsche Bevölkerung ›Wir nehmen unsere eigenen Werte nicht wirklich ernst‹. Deshalb wiederhole ich: Nicht in meinem Namen!«

Auf seinem ›Facebook‹-Account erklärte sich der wegen seiner Islam-Kritik seit Jahren unter Polizeischutz stehende Autor:

»Heute war ich im Rahmen einer Diskussion zum Thema ›Religion und Demokratie‹ im Schloss Bellevue zum ersten Mal eingeladen. Vermutlich auch zum letzten Mal«, leitet der bekannte Buchautor und Islam-Kritiker Hamed Abdel-Samad sein ›Facebook‹-Posting ein. Er stellt dar, dass er die Gelegenheit, die sich ihm im Rahmen der Veranstaltung bot, auch nutzen konnte, um sich beim Bundespräsidenten zu bedanken, dass er nun doch auch Kritikern wie ihm eine Bühne bietet. »Doch ich bin kein Untertan von Herrn Steinmeier, sondern ein Staatsbürger und ein kritischer Schriftsteller«, stellt der ägyptisch-stämmige Autor fest.

Auch sei es kein Eklat gewesen, wie die Bild-Zeitung titelt, sondern ein Stück gelebte Demokratie. »Ich habe den Bundespräsidenten wegen seiner Glückwünsche an das iranische Regime anlässlich des Jahrestages der iranischen Revolution kritisiert. Ich war nicht das erste das der tat, doch vermutlich der erste der es dem Bundespräsidenten ins Gesicht sagte«.

Steinmeiers Gegenrede bestand darin, dass er Abdel-Samad unterstellte, ihm in seiner Rede nicht zugehört zu haben.

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