Organisierte Kriminalität

Chef des Miri-Clans abgeschoben

Erfolg für die Polizei: Bewaffnete Spezialkräfte (Archivbild) nahmen den Chef des Miri-Clans fest

Seit 13 Jahren schon ist der Chef des in Bremen ansässigen Verbrecherclans ausreisepflichtig. In einer monatelang geplanten Operation nahmen bewaffnete Spezialkräfte den 46-jährigen Miri-Clanchef nun fest und schoben ihn in den Libanon ab.

Im Kampf gegen die organisierte arabische Kriminalität in Deutschland haben Bremer und Berliner Behörden den Kopf des Miri-Clans abgeschoben. Das berichten unter anderem die ›Bild‹-Zeitung und die ›Berliner Zeitung‹. »Die besagte Person war ausreisepflichtig und wurde abgeschoben«, so eine Sprecherin der Innenbehörde gegenüber der ›Berliner Zeitung‹. Der libanesische Miri-Clan ist vor allem in Bremen ansässig, hat aber auch Schwerpunkte in Essen und Berlin. Der arabische Clan weist mafiöse Strukturen auf, Familienmitglieder betreiben unter anderem Schutzgelderpressungen, Drogen- und Waffenhandel oder sind im Rotlichtmilieu aktiv.

Laut ›Bild‹-Zeitung wurde Ibrahim Miri, der den Clan führt, um 3.40 Uhr von schwer bewaffneten Spezialkräften in seiner Bremer Unterkunft aus dem Schlaf geholt. Die Spezialkräfte hätten sich nachts förmlich an das Bett des Clan-Bosses herangeschlichen und ihn umstellt. Dann hätten sie ihn geweckt und ihm mitgeteilt, dass er umgehend abgeschoben werden würde. In Polizeikreisen sei die Aktion »Störung der Nachtruhe des Herrn Miri« genannt worden. Miri soll skandalöserweise bereits seit 13 Jahren ausreisepflichtig sein.

Mit einem Hubschrauber sei der Clan-Boss schließlich aus Bremen zum Flughafen in Berlin-Schönefeld gebracht worden. Von dort sei er in Begleitung von Spezialkräften in einen vollgetankten Learjet verfrachtet und außer Landes geschafft worden, berichtet die ›Bild‹ weiter. Die Maschine hob demnach um 6.20 Uhr ab und landete knapp vier Stunden später in Beirut, wo Miri von den libanesischen Behörden in Empfang genommen wurde.

Arabischer Verbrecher-Clan führt den deutschen Staat seit Jahren vor

Der libanesische Clan-Boss sei im Jahr 2014 wegen bandenmäßigen Drogenhandels zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. 2017 soll er Freigang erhalten haben. Damals sei er einer der Anführer der Großfamilie sowie Chef des Rockerclubs Mongols MC Bremen gewesen, dem sich der Clan einige Jahre zuvor angeschlossen habe. Während der Miri-Clan in der Vergangenheit die Bremer Unterwelt kontrolliert habe, soll laut Bericht die Familie ihre Geschäfte mittlerweile auch nach Berlin und Nordrhein-Westfalen ausgedehnt haben.

Die meisten Familienclans, die in Berlin, Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen durch Betrug, Erpressung, Einbrüche, Drogenhandel und andere kriminelle Machenschaften auffallen, sind arabischer oder kurdischer Herkunft. Nach Polizeierkenntnissen sind nur wenige Clanmitglieder gut integriert. In Bremen werden etwa 30 Familien mit 2.600 Angehörigen dem Clan zugeordnet. Sie hatten vor ihrer Einwanderung nach Deutschland vorwiegend im Libanon oder in der Türkei gelebt.

Im Februar 2011 erklärte das Familienmitglied Ahmed Miri zusammen mit einem Familienmitglied der Al-Zain-Familie gegenüber dem ›Tagesspiegel‹ eine »Familien-Union«, die geschätzte 70 Prozent aller Mitglieder beider Familien erreiche und die angeblich zum Ziel habe, vor allem junge Familienmitglieder davon zu überzeugen, dass der Bildungsweg aussichtsreicher als eine kriminelle Laufbahn sei. So wollte die »Familien-Union« eigene Freizeiteinrichtungen in den Berliner Ortsteilen Neukölln, Wedding und Spandau eröffnen. Zugleich betonte die »Union« im Interview eine Kooperationsbereitschaft mit der Polizei. Unter den Mitgliedern befanden sich im Jahr 2011 auch Angehörige weiterer arabischer Großfamilien, wie dem des Remmo-Clans.

Ende 2018 hat die Stadt Essen die mit Steuergeld finanzierte Kooperation mit dem Verein aufgrund nicht erfüllter Hoffnungen eingestellt. Rückblickend muss vermutet werden, dass die »Familien-Union« zum Ziel hatte, Clan-Angehörigen durch höhere Bildungsabschlüsse den Zugang zu Justiz- und weiteren staatlichen Stellen zu ermöglichen. Ebenfalls hatte die Arbeiterwohlfahrt im Jugendbereich die Partnerschaft mit der »Familien-Union« »wegen Unvereinbarkeit der Ziele« abgebrochen. Mitglieder der »Familien-Union« bekamen 2019 von der Essener Polizei eine Gefährderansprache, nachdem der Berliner Migrationsforscher Ralph Ghadban nach der Veröffentlichung des Buches »Arabische Clans – die unterschätzte Gefahr« von diesen bedroht worden war.

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