Panik:

Wird die AfD die neue »Soldaten-Partei«?

Von den etablierten Parteien nur bedingt wertgeschätzt: Bundeswehr-Rekruten bei der Ausbildung

Eine Katastrophenmeldung jagt die andere und offenbart immer deutlicher den mehr als desolaten Zustand der Bundeswehr. Nun scheint sich Panik bei den Konsensparteien einzustellen, dass die AfD wegen der hausgemachten Bundeswehr-Krise die neue »Soldaten-Partei« werden könnte.

»Verschafft die Bundeswehrkrise der AfD noch mehr Wähler und weitere Mitglieder?« So die bange Frage, die nun auch Ex-Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) umzutreiben scheint. So rief der CDU-Funktionär zur Achtsamkeit beim Thema AfD und Bundeswehr auf. »Man muss da aufpassen – und deswegen muss es auch zu Verbesserungen kommen«, so Jung im ›Bild‹-Talk »Die richtigen Fragen«.

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zeigt sich neuerdings beim Thema Bundeswehr alarmiert: »Wir wollen klarmachen, dass Bundeswehr und Soldaten unseren Respekt verdienen. Wir haben in den letzten Jahren erlebt, dass der eine oder andere Soldat bei der AfD gelandet ist, weil er sich vielleicht nicht wertgeschätzt und unterstützt fühlte«, so Söder ebenfalls gegenüber der ›Bild‹. Deshalb regt Bayerns Ministerpräsident einen »Marshall-Plan für die Bundeswehr« an und entdeckt die Notwendigkeit, dass Deutschland eine einsatzfähige Armee benötige, um das Land zu schützen und die Unabhängigkeit zu sichern.

Kritik an Söders »Marshall-Plan« kommt vom Wehrbeauftragten der SPD, Hans-Peter Bartels. Der 57-Jährige sehe zwar, dass die AfD »Soldatenthemen« aufgreife. Dass es ein »spezielles Bundeswehr-Gen« Richtung AfD gebe, könne er aber nicht feststellen.
Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) stellt ebenfalls fest, dass man jetzt gefordert sei, zu handeln. »Es gibt einen Frust bei den Soldatinnen und Soldaten. Wir müssen handeln und das Vertrauen der Soldatinnen und Soldaten zurückgewinnen, wo es verloren gegangen ist«, so Hans, der allerdings mit seinem abgeleisteten Zivildienst auf keinerlei spezifische Bundeswehrerfahrung zurückgreifen kann.

Der Einfluss auf Soldaten in der AfD sei bereits jetzt enorm, stellt die ›Bild‹-Zeitung fest. Die AfD selbst schätze, dass mindestens 2.100 der 35.000 Parteimitglieder Berufssoldaten seien. Dies entspricht einer Quote von sechs Prozent. Auch wenn es darüber keine Statistiken gebe, diese Verteilung spiegle sich mit 12 Prozent in der AfD-Bundestagsfraktion wieder. Von den 91 AfD-Bundestagsabgeordneten seien elf Abgeordnete frühere Berufs- und Zeitsoldaten. In der SPD gibt es mit Sigmar Gabriel als ehemaliger Zeitsoldat und Fritz Felgentreu gerade einmal zwei Fraktionsmitglieder vom Fach. In der Union wissen zumindest acht Abgeordnete aus eigener Berufs- und Zeitsoldatenerfahrung, wovon beim Thema Bundeswehr die Rede ist.

AfD-Bundesvize Georg Pazderski, selbst Oberst a. D., bemerkt zum auflebenden Aktivismus der Altparteien beim Thema Bundeswehr: »Soldaten sind bereit, für die Sicherheit der Menschen ihr Leben zu geben. Das sehen wir in der AfD – vielleicht als einzige politische Partei – und zollen dem die gebührende Anerkennung. So etwas spüren unsere Soldaten und geben uns möglicherweise vermehrt ihre Stimme.«

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