Peres-Enkelin nennt Ministerpräsidenten »Despot«:

Israelische Botschaft in Berlin sponsert Wahlkampf gegen Netanjahu

Anti-Netanjahu-Wahlkampf: Peres-Enkelin Mika Almog während ihrer Rede im Roten Rathaus, Berlin

Bei der Verleihung des Schimon-Peres-Preises hielt die Enkelin von Peres, Mika Almog, auf Einladung des Botschafters Jeremy Issacharoff eine Rede, die sich zwei Tage vor der Wahl gegen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu richtete – eigentlich Issacharoffs Arbeitgeber.

Die Veranstaltung fand am 15. September im Roten Rathaus in Anwesenheit von Issacharoff und dem deutschen Außenminister Heiko Maas statt, der sich gern auch mal mit dem Terror-Regime in Teheran trifft. Peres‘ Enkelin Mika Almog nannte die derzeitige Regierung in Israel einen »Albtraum-Zirkus«, der von einem »Blender« geführt werde, dessen größtes Talent es sei, Aufmerksamkeit zu erregen. Almog bezichtigte Netanjahu der Korruption, des Rassismus und der Hetze.

Almog kritisierte die lange Amtsdauer der Netanjahu-Regierung und sprach von einer »ganzen Generation, die aufgewachsen ist, ohne jemals einen Regierungswechsel erlebt zu haben«. Die Regierung, die sie eingeladen hatte, beschuldigte sie der »despotischen Zentralisierung«. Benjamin Netanjahu ist seit 2009 Ministerpräsident, vier Jahre weniger lang als Angela Merkel.

Sie nannte den Ministerpräsidenten, der sich am Dienstag einer ganz normalen demokratischen Wahl gestellt hat und unter Umständen abtreten muss, ohne Angabe von Gründen »einen Tyrannen im Entstehen« und die »Dunkelheit, die auf die Erde herabgestiegen ist«. Und diese Dunkelheit »widerspricht nicht nur Schimon Peres‘ Vision, sondern auch der Vision von Herzl, Ben-Gurion, Jabotinsky, Begin und Jitzchak Rabin«, so Almog. »Am 18. September könnten Sie in einer neuen Welt aufwachen,« versprach sie.

Bei der letzten Knesset-Wahl hatte Almog ein ähnliches Hetzvideo gegen Netanjahu in Umlauf gebracht. Die Zeitung Israel Hayom hat die Botschaft in Berlin um Stellungnahme zu dem umstrittenen Auftritt gebeten, aber noch keine Antwort erhalten.

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