Perfider Putsch-Plan

Die spitze Feder aus Österreich

Johannes Schüller

Vielen Österreichern sitzt der Schock tief in den Knochen! Die so hoffnungsvoll begonnene Koalition zwischen ÖVP und FPÖ ist innerhalb weniger Stunden in die Geschichte eingegangen. Anders als es Mainstream-Medien und der mittlerweile selbst gestürzte Ex-Kanzler Sebastian Kurz nun verlautbaren lassen, kam es jedoch nicht in erster Linie wegen des »Ibiza-Gates« zum Koalitionsbruch.

Es war vor allem die Abneigung der ÖVP gegenüber dem erfolgreichen und widerborstigen FPÖ-Innenminister Herbert Kickl, die der schwarz-blauen Zusammenarbeit eine klare Frist setzte. Denn vor allem Vertreter der »alten ÖVP«, also einer zutiefst christdemokratischen Partei, deren Lack Kurz eilfertig in Türkis übermalt hatte, haben der FPÖ die Machtübernahme im Innenministerium nie recht verziehen.

Vor Kickl standen zwei bis heute wirkmächtige ÖVPler an der Spitze des Ministeriums – darunter auch die nunmehrige Landeshauptfrau von Niederösterreich Johanna Mikl-Leitner. 2015 ließ sie tausende junger und selbstbewusster »Flüchtlinge« weitestgehend ungehindert einreisen. Rasch durften die Migranten am vom fleißigen Steuerzahler im Schweiße seines Angesichts gedeckten Gabentisch nach Herzenslust schlemmen! Nicht viel anders hielt es später der ebenso tiefschwarze Ex-Innenminister Wolfgang Sobotka, mit dem ich in der niederösterreichischen Stadt Hainburg an der Donau kurz sprechen konnte.

Besonders auffällig: Ausgerechnet jenes »Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung« (BVT), dessen Name nun immer öfter im Zusammenhang mit dem skandalträchtigen Ibiza-Video fällt, gilt als ein Zentrum alter ÖVP-Netzwerke! Auch die überraschend schnelle Reaktion von Kurz auf das Ibiza-Video und die sehr energischen Rücktrittsforderungen gegen den daran völlig unbeteiligten Innenminister Kickl lassen Polit-Insider stutzig werden. Sogar von einem auf perfide Weise von bisher unbekannten Akteuren – mit deutscher Unterstützung – durchgeführten Polit-Putsch ist inzwischen die Rede!

Real profitiert vor allem die ÖVP von der derzeitigen innenpolitischen Krise Österreichs: Laut einer aktuellen Umfrage der ›Kronen-Zeitung‹ erreicht diese aktuell sensationelle 38 Prozent der Wählerstimmen. Innerhalb weniger Tage hat sich Kurz, der auch deutschen Konservativen allzu oft als wohlwollender Hoffnungsträger galt, erneut als langfristig denkender und ideologieferner Machtstratege erwiesen.

Die AfD, die ebenso bald in die gefährliche Versuchung einer schwarz-blauen Koalition kommen könnte, sollte aus dem Schicksal der FPÖ die richtigen Schlüsse ziehen. Denn auch für eine sich vielleicht bald überraschend bürgerlich-konservativ gebärende CDU gilt: Im tiefschwarzen Kern warten lediglich die alten, unaufhörlich nach Macht lechzenden Merkel-Brigaden auf ihren Einsatz.

Johannes Schüller

ist Stellvertretender Chefredakteur der österreichischen Zeitung ›Wochenblick‹.

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