Plagiat:

Hamburgs Ex-Innensenator Neumann (SPD) verliert Doktortitel

Hat »sich gern bei fremden Texten bedient«: Der ehemalige Hamburger Innensenator Michael Neumann (SPD) verliert seinen Doktortitel

Der ehemalige Hamburger Innensenator Michael Neumann (SPD) hat seinen Doktortitel verloren. Die Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU/UniBw), an der Neumann 2017 zum Doktor der Politikwissenschaften promoviert worden war, hat ihm den Titel aberkannt. Neumann soll aus zwei anderen Doktorarbeiten abgeschrieben haben, ohne die Quellen zu nennen.

Das berichtet das ›NDR‹-Politikmagazin »Panorama 3« und bezieht sich auf Informationen aus internen Kreisen. Die HSU hat die Aberkennung bisher nicht offiziell bestätigt. Sie bleibe bei ihrer Position, »keine Stellungnahme abzugeben«, teilte ein Sprecher mit.

Vor rund einem Jahr kam ans Licht, dass bei der Promotion des Politikers wohl nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. »Panorama« berichtete damals, dass Neumann seine Doktorarbeit in Teilen abgeschrieben und Quellen seines Textes falsch angegeben haben könnte.

Mitgründer von »VroniPlag« hatte die Arbeit geprüft

Daraufhin hatte der Jurist Prof. Gerhard Dannemann von der Berliner Humboldt-Universität und Mitgründer der Plattform »VroniPlag Wiki« die Arbeit geprüft. Er kam zu dem Schluss, dass der Verfasser anscheinend jemand sei, »der sich gern bei fremden Texten bedient«. Ein Prüfungsausschuss der Bundeswehr-Universität sei nun laut dem ›NDR‹ zu ähnlichen Erkenntnissen gekommen. Demnach soll Neumann umfassend aus zwei anderen Doktorarbeiten abgeschrieben haben, ohne seine Quellen anzugeben.

Michael Neumann war fünf Jahre lang Innensenator der Freien und Hansestadt, bis er am 18. Januar 2016 überraschend von seinem Posten zurücktrat. Er hatte 2016 eine Karriere an der HSU angestrebt. Dort legte er eine 274-seitige Doktorarbeit mit dem Titel »Länderneugliederung im deutschen Föderalismus am Beispiel des Nordstaates« vor, in der er das Für und Wider einer Zusammenlegung der norddeutschen Bundesländer abwägte.

Seiner wissenschaftlichen Karriere jedoch steht die Aberkennung des Doktortitels offenbar nicht im Wege. Er sei auch weiterhin als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der HSU beschäftigt. Im Januar wurde Neumann mit der Bearbeitung eines Forschungsprojektes betraut. Deswegen hält er sich zurzeit in den USA auf. Laut ›NDR‹ reagierte Neumann auf Anfragen nicht.

Plagiatsvorwürfe gegen Bundesfamilienministerin Giffey schwerwiegend

Auch für Neumanns Genossin, die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD), scheinen sich die Chancen erhöht zu haben, dass ihr wegen Plagiats der Doktortitel aberkannt wird (der Deutschland Kurier berichtete). Das abschließende Bild, das sich die Plagiatsprüfer von »VroniPlag Wiki« von Giffeys Doktorarbeit gemacht haben, lässt zumindest darauf schließen. Seit Bekanntwerden der Vorwürfe kamen etliche Belege für Plagiate hinzu, 119 auf 205 Seiten sind es, wie die jetzt auch unter Giffeys Namen veröffentlichte Dokumentation zeigt. Die offizielle Untersuchung durch eine Kommission an der Freien Universität stehe noch aus, jedoch sei – so der ›Tagesspiegel‹ – an der Kompetenz der Ehrenamtlichen, darunter renommierte Hochschullehrende, nicht zu zweifeln. Ihre Urteile seien bislang von Verwaltungsgerichten bestätigt worden.

Zudem werfe »VroniPlag Wiki« in Giffeys Fall nicht nur ihr, sondern auch ihrer Doktormutter und dem 2011 verstorbenen Zweitgutachter vor, nicht sorgfältig gearbeitet zu haben. Beide hätten die massiven Zitierfehler – spätestens – bei Einreichen der Arbeit bemerken und Giffey zum Nachbessern auffordern müssen. Das sei offenbar nicht geschehen – und deshalb müsste Giffey nach dem derzeit bekannten Sachstand der Titel aberkannt werden. Denn sie hätte wissenschaftlich korrekt arbeiten müssen, um des Doktors würdig zu sein.

Giffey promovierte von 2005 bis 2009 im Bereich Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der FU. Ihre Dissertation verfasste sie zum Thema »Europas Weg zum Bürger – Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft«.

In den vergangenen Jahren hatte es in der deutschen Politik mehrere Plagiatsvergehen gegeben. Ob Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), Silvana Koch-Mehrin (FDP), Ursula von der Leyen (CDU) oder Merkel-Freundin Annette Schavan (CDU). All diese Politikprominenz eint eines: Plagiatsvorwürfe. Zu Beginn dieses Jahres kam noch CDU-Bundestagsabgeordneter Frank Steffel hinzu, der ebenfalls auf seinen Doktortitel verzichten musste.

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