Politik und Medien

Die (un)heimliche Macht der Homo-Lobby

Verabredung neulich zum Abendessen mit einem Grandseigneur der Bonner Republik – einer journalistischen Legende aus der vordigitalen Zeit, als die ›Bild‹-Zeitung noch fünf Millionen Auflage hatte und der ›Spiegel‹ noch ein Nachrichtenmagazin war, vor dessen Enthüllungen Politiker sonntags zitterten – sofern sie zum auserwählten Kreis derer zählten, die das damals noch montags erscheinende Heft vorab per Eilboten zugestellt bekamen.

»Wissen Sie noch, wer Heinrich von Brentano war?«, fragte mich mein Gegenüber beim Nobel-Italiener »Caesareo« in Rhöndorf, wo der erste Bundeskanzler, Konrad Adenauer (CDU), auf dem Waldfriedhof seine letzte Ruhe gefunden hat.

»War der nicht mal Außenminister bei Adenauer?«, fragte ich zurück.

»Richtig, Brentano war der erste homosexuelle Nachkriegspolitiker der CDU. Er musste seine Veranlagung noch verschämt verbergen.« Anspielungen der SPD-Opposition im Bundestag habe der Katholik Adenauer allerdings mit dem ihm eigenen rheinischen Humor gekontert: »Bei mir, meine Damen und Herren, hat er’s noch nicht probiert.«

Aber warum er mir dies erzähle, fragte ich meinen Gesprächspartner.

Weil es ihm unheimlich werde, wie die Homo-Lobby (»ein richtiges Netzwerk«) heute in Berlin und anderswo systematisch Schlüsselstellungen in Politik und Medien erobere und so ihren Einfluss immer weiter ausweite. »Beinahe wäre ein Schwuler JU-Chef geworden. Vielleicht kommen wir eines Tages noch dahin, dass wir in den Parteien eine Hetero-Quote brauchen«, scherzte mein Gegenüber.

Mir blieb das getrüffelte Kalbskotelett fast im Hals stecken: Der Mann war mir bislang nie als homophob aufgefallen. Ihn schien wirklich eine ernste Sorge umzutreiben.

Tatsächlich: Wer sich durch schwul-lesbische Internetportale googelt, stößt auf eine lange Liste homosexueller Politiker, von denen nachfolgend nur einige wenige sozusagen stellvertretend Erwähnung finden sollen: Barbara Hendricks (SPD, Ex-Umweltministerin); Michael Hartmann (SPD-MdB); Johannes Kahrs (SPD-MdB); Bernd Fabritius (CSU-MdB); Stefan Kaufmann (CDU-MdB); Gerhard Schick (Grünen-MdB); Kai Gehring (Grünen-MdB); Jens Spahn (CDU-Bundesgesundheitsminister).

Stets im Mittelpunkt der Berliner Polit-Society: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU, re.) und sein »Göttergatte« Daniel Funke, Hauptstadt-Büroleiter der sich ›People Magazin‹ nennenden Klatsch-Illustrierten ›Bunte‹

Letzterer übrigens scheint mit seinem »Gatten«, dem Journalisten Daniel Funke, eine ausgesprochen gute (und einflussreiche?) Partie gemacht zu haben.

Auffällig ist zunächst, dass man über den Hauptstadtkorrespondenten der Klatschillustrierten ›Bunte‹ im Internet so gut wie nichts findet außer einer Homestory über den (schwulen) US-Botschafter Richard Grenell und dessen Lebensgefährten und ein paar Fotos von gemeinsamen Auftritten mit Spahn.

Vielleicht deshalb?

Daniel Funke soll dem gleichnamigen Essener Medien-Clan entstammen. Und auch dort hält ein Schwuler eine Schlüsselstellung: Stephan Holthoff-Pförtner, Minister für Bundesangelegenheiten und Europa des Landes Nordrhein-Westfalen. Der bestens vernetzte Anwalt, CDU-Landesfunktionär und Intimus vieler Politiker (darunter Ex-Kanzler Helmut Kohl) war nicht nur Präsident des »Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger« (VDZ), sondern ist mit 17,6 Prozent auch als Gesellschafter an der »Funke Mediengruppe« beteiligt.

Von den Berliner Junggesellen, bei denen »der liebe Gott nicht wollte«, dass sie heiraten, berichtete der Deutschland Kurier bereits an anderer Stelle. (oys)

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