Präsident des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts kritisiert Umsetzung von Asylentscheidungen

Das Gebäude des sächsischen Oberverwaltungsgericht

Urteile ohne praktische Konsequenz seien sinnlos, betont der Präsident des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts. Er zeigt sich frustriert über die schleppende Umsetzung von Asylentscheidungen. »Haben das Gefühl, für den Papierkorb zu arbeiten.«

Die Asylverfahren sorgen an Sachsens Verwaltungsgerichten für immer mehr Unmut in der Richterschaft. »Diese Arbeit ist zunehmend frustrierend«, so Erich Künzler, Präsident des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts (OVG) in Bautzen. »Es ist mittlerweile so, dass wir die Asylbewerber schon kennen, wenn sie kommen.«

Die Zahl der Folgeanträge von Menschen, die schon mal ein Asylverfahren durchlaufen haben, dann aber nicht ausgereist sind oder abgeschoben wurden, sei allein in diesem Jahr schon um über sieben Prozent gestiegen. Entscheidungen der Verwaltungsgerichte würden zu einem Großteil nicht umgesetzt, klagt Künzler.

»Wir haben zunehmend das Gefühl, für den Papierkorb zu arbeiten«

»Wir leisten uns ein Asylsystem, was viel Arbeit bindet bei der Verwaltung, der Polizei, den Gerichten und vielen anderen Bereichen, aber es fehlt die praktische Konsequenz.« Dazu kämen die ständigen Änderungen in der Asylgesetzgebung. »Nur was nützt das, wenn die Umsetzung fehlt«, so der OVG-Präsident. Das frustriere viele Richter, die bestmöglich ihren Job machten. Sie hätten zunehmend das Gefühl, für »den Papierkorb zu arbeiten«.

Auch das Dublin-System funktioniere nicht in der Praxis, kritisierte Künzler. Im Mai habe Deutschland rund 4.400 Anfragen an andere europäische Staaten, Asylbewerber abzunehmen, die nicht hier eingereist sind, gestellt. In rund 2.400 Fällen gab es Zustimmung, überstellt wurde aber nur in 750 Fällen, so Künzler weiter. Dieses Problem ziehe sich durch das ganze Asylrecht. Die Dinge müssen vollzogen werden. Wenn alles nur auf dem Papier stehe, sei es sinnlos. Das Thema werde in der Justiz besprochen, sei an die Politik herangetragen und dort auch erkannt worden. Aber in der Sache komme man nicht weiter.

»Wir haben uns auf extrem hohem Niveau eingependelt«

Künzlers Kollege, Gilbert Häfner, Präsident des Dresdner Oberlandesgerichts, hatte sich Anfang des Monats bereits kritisch über zu lange Strafverfahren und eine hohe Arbeitsbelastung von Strafrichtern geäußert. Asylverfahren würden immer noch den wesentlichen Teil der Arbeit an Sachsens Verwaltungsgerichten ausmachen. Die Zahl der Eingänge habe sich auf sehr hohem Niveau eingependelt, so Künzler laut der LTO weiter. Bis Ende April waren es nach seinen Angaben rund 2.500 neue Klagen und Eilverfahren, etwa 400 mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Bestand konnte seit Anfang 2018 von rund 8.800 auf knapp 7.600 abgebaut werden, auch dank der Schaffung von 40 zusätzlichen Stellen für Verwaltungsrichter seit 2015.

Laut Statistik waren Ende 2018 knapp 7.700 Asylverfahren an den Verwaltungsgerichten Dresden, Chemnitz und Leipzig anhängig – alles Klagen und Anträge auf Gewährung einstweiligen Rechtsschutzes. Das waren etwa 1.100 weniger als ein Jahr zuvor. Insgesamt gingen im vergangenen Jahr fast 6.400 Verfahren ein, darunter etwa 4.800 Klagen, die Zahl der Erledigungen lag bei knapp 7.900. »Wir haben uns auf extrem hohem Niveau eingependelt«, so die abschließende Bewertung der Situation durch Künzler.

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