Rezession

Auch in der Elektrobranche brechen die Aufträge weg

Düstere Aussichten: Mit der Elektrobranche ist eine weitere deutsche Schlüsselindustrie in den Strudel der Rezession geraten

Nach der Automobilwirtschaft und dem Maschinenbau bekommt eine weitere deutsche Schlüsselindustrie die sich abzeichnende Rezession zu spüren: Die Elektrohersteller mussten in der ersten Jahreshälfte deutliche Umsatzrückgänge sowie sinkende Aufträge hinnehmen. Die Aussichten für die zweite Jahreshälfte sind wenig ermutigend.

Laut einer Pressemitteilung des »Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie« (ZVEI) haben sich die relevanten Kennzahlen der Branche in den ersten sechs Monaten des Jahres fast durchgehend verschlechtert. Die Umsatzerlöse gingen im Vergleich zum Vorjahr um 0,7 Prozent auf 94,1 Millionen Euro zurück. Die Produktion ging sogar um 3,9 Prozent zurück. Bei den Auftragseingängen steht ein Minus von 1,6 Prozent. Die Kapazitätsauslastung fiel um 1,5 Prozent auf derzeit 84,2 Prozent. Die Reichweite der Auftragsbestände verringerte sich von 3,4 auf nur noch 3,1 Monate.

Die negative Entwicklung hat sich im Juni noch einmal deutlich verstärkt. »Allein Großaufträge aus dem nicht zur Eurozone zählenden Ausland verhinderten einen wesentlich stärkeren Rückgang«, sagte ZVEI-Chefvolkswirt Andreas Gontermann.

Vor allem der Rückgang der Inlandsbestellungen mit minus 8,7 Prozent schlug regelrecht ins Kontor. Das ist aus Sicht von Ökonomen ein deutliches Anzeichen dafür, dass sich die Konjunktur in Deutschland auf Talfahrt befindet.

Im Juli sank das Geschäftsklima innerhalb der Elektrobranche auf den schlechtesten Stand seit fast fünf Jahren.

Die Elektroindustrie ist die nach Umsatz sechstgrößte Branche in Deutschland und gehört zu den Schlüsselindustrien des Landes. Nach Angaben des ZVEI erzielte die Branche im Jahr 2018 einen Gesamtumsatz von 193,5 Milliarden Euro, was 11 Prozent der deutschen Industrieproduktion entspricht.

Im Inland arbeiten 887.000 Mitarbeiter in dieser deutschen Vorzeigeindustrie. Hinzu kommen 766.000 Beschäftigte in ausländischen Standorten.

Auch andere deutsche Kernindustrien wie die Automobilwirtschaft sowie der Maschinenbau haben mit großen Problemen zu kämpfen. Der Deutschland Kurier berichtete hier und hier.

ZEW-Konjunkturerwartungen weiter deutlich im negativen Bereich

Die mittelfristigen Konjunkturerwartungen von Finanzanalysten und institutionellen Investoren haben sich im August deutlich verschlechtert: Der entsprechende Index sank von –24,5 Zählern im Juli auf nun –44,1 Punkte. Das teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag in Mannheim mit.

Der Indikator befindet sich damit auf dem niedrigsten Stand seit Dezember 2011 und weiterhin deutlich unterhalb seines langfristigen Durchschnitts von 21,6 Punkten. Die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage für Deutschland verschlechterte sich im August deutlich. Sie beträgt aktuell –13,5 Punkte, 12,4 Punkte weniger als im Vormonat. Die Erwartungen der Finanzmarktexperten an die Konjunkturentwicklung in der Eurozone sanken um 23,3 Punkte auf einen neuen Wert von –43,6 Punkten.

Auch der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Eurogebiet ging zurück. Der aktuelle Wert der Lageeinschätzung beträgt –14,5 Punkte und liegt damit 3,9 Punkte unterhalb des Wertes vom Vormonat. »Die ZEW-Konjunkturerwartungen zeigen einen erheblich verschlechterten Ausblick für die deutsche Konjunktur«, sagte ZEW-Präsident Achim Wambach. Die erneute Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China, »das damit verbundene Risiko eines globalen Abwertungswettlaufs sowie die gestiegene Wahrscheinlichkeit für einen No-Deal-Brexit« träfen auf ein »ohnehin abgeschwächtes Wirtschaftswachstum. Die Entwicklung der deutschen Exporte und der Industrieproduktion dürfte sich weiter verschlechtern«, so der ZEW-Präsident weiter. (hh)

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