Rezession

Mainstream-Medien wachen langsam auf

Dunkle Wolken über einem Containerschiff im Hamburger Hafen: Die deutschen Exporte gehen drastisch zurück

Die konjunkturelle Schönwetter-Zweckberichterstattung lässt deutlich nach. Die Rezession ist jetzt auch im Bewusstsein der Mainstream-Medien angekommen.

Bis vor Kurzem noch überschlugen sich die Mainstream-Medien mit Falschmeldungen über die, trotz aller weltpolitischen Unbill, angeblich gut laufende deutsche Wirtschaft. Jetzt zeichnet sich die kommende Rezession immer deutlicher in der medialen Berichterstattung ab. Dabei waren die Anzeichen für einen starken Abschwung seit Langem offenkundig. Sie wurden überwiegend schlichtweg ignoriert.

Jetzt kommen die Gesundbeter des Mainstreams an den harten Fakten einfach nicht mehr vorbei:

Sowohl Exporte als auch Produktion brachen im April angesichts von Handelskonflikten und schwacher Weltkonjunktur so stark ein wie seit vier Jahren nicht mehr, berichtet die Nachrichtenagentur ›Reuters‹. Das Bruttoinlandsprodukt könnte deshalb im zweiten Quartal deutlich schrumpfen, befürchten Ökonomen.

»Nach einer Phase der Hochkonjunktur kühlt sich die Wirtschaft in Deutschland gegenwärtig spürbar ab«, erklärte die Bundesbank am Freitag. Sie rechnet in diesem Jahr nur noch mit einem Wachstum von 0,6 Prozent, nachdem sie im Dezember noch 1,6 Prozent vorausgesagt hatte.

Die deutschen Exporte fielen im April um 3,7 Prozent niedriger aus als im Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt mit. Von ›Reuters‹ befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang von 0,9 Prozent gerechnet, nachdem es im März noch ein Wachstum von 1,6 Prozent gegeben hatte.

Die Unternehmen drosselten zugleich ihre Produktion: Industrie, Baubranche und Versorger stellten zusammen 1,9 Prozent weniger her als im Vormonat, wie aus Daten des Bundeswirtschaftsministeriums hervorgeht. Ökonomen hatten hier nur mit einem Rückgang von 0,4 Prozent gerechnet. Angesichts der schlechten Stimmung in den Unternehmen geht das Altmaier-Ministerium in seinem Schönsprech »weiterhin von einer gedämpften Industriekonjunktur in den kommenden Monaten« aus.

In der Übersetzung von Ökonomen hört sich das dann so an: »Die Produktions- und Außenhandelsdaten sind gruselig. Der Start in das zweite Quartal war ein Desaster«, konstatiert Andreas Scheuerle, Volkswirt der »DekaBank«.

Im ersten Jahresviertel war Europas größte Volkswirtschaft noch um 0,4 Prozent gewachsen, nun droht sogar ein Minus.

Dass Deutschland nicht noch tiefer in die Rezession schliddert, hängt einzig mit der expansiven Geldpolitik der »Europäischen Zentralbank« (EZB) zusammen. Sie stützt im Wesentlichen weiterhin die Inlandsnachfrage.

Die EZB hatte am Donnerstag beschlossen, ihren Leitzins bis mindestens Mitte 2020 bei null Prozent zu belassen, wodurch Kredite für Investitionen und Konsum sehr günstig bleiben dürften. Faktisch zeigt die seit Jahren massive geldpolitische Intervention der EZB, dass die 2008 verhinderte große bereinigende Krise »nur herausgezögert, aber nicht verhindert werden kann«, analysieren die ›Deutschen Wirtschafts Nachrichten‹.

Entlarvend sind in diesem Zusammenhang die Meldungen, wonach die Börsenkurse derzeit steigen, weil Investoren auf möglichst schnell eintretende Zinssenkungen durch die US-amerikanische Notenbank »Federal Reserve« und weitere Maßnahmen wie die TLTRO III-Stützungsdarlehen der EZB hoffen. (hh)

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