Rezessionsängste nehmen zu!

Exporterwartungen der deutschen Industrie brechen zusammen

Die Wirtschaft rechnet mit einer massiven Verschlechterung der Exportsituation deutscher Unternehmen. Vor allem die Autobauer und die Industrie sehen schwarz.

Die Automobilindustrie, einst Motor der deutschen Wirtschaft, steckt in einer ernsthaften Krise

Die Stimmung unter den deutschen Exporteuren ist wegen der schwächelnden Weltwirtschaft so schlecht wie seit sechseinhalb Jahren nicht mehr. Das Barometer für die Exporterwartungen der Industrie sackte im März von 7,2 auf 1,4 Punkte ab, so das Münchner Ifo-Institut. Das ist der niedrigste Wert seit Oktober 2012. »Die abkühlende Weltkonjunktur macht der deutschen Exportindustrie zu schaffen«, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest zu der Umfrage unter 2.300 Unternehmen. Besonders in der Autoindustrie seien die Aussichten trüb. Nicht viel besser sehe es in der Metallindustrie aus. Noch vergleichsweise gut stünden lediglich die Chemiebranche und die Elektroindustrie da.

Weltweit rutscht die Konjunktur in Richtung Rezession – in der Folge werden die Auftragsbücher deutscher Firmen immer dünner. Zusätzlich schürt der Handelsstreit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften USA und China die Sorge vor einem weltweiten Abschwung. Die Konjunkturerwartungen internationaler Finanzmarktexperten für China – den wichtigsten deutschen Handelspartner – stürzten regelrecht ab.

Das Barometer fiel um 11,5 auf minus 25,0 Punkte, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und die Fudan-Universität Shanghai mitteilte.

Hinzu kommen wieder zunehmende Sorgen, es könne doch zu einem harten Brexit kommen, der den freien Warenverkehr empfindlich stören würde. Großbritannien ist einer der wichtigsten Abnehmer von Produkten »Made in Germany«: 2018 wurden Waren im Wert von 82 Milliarden Euro dorthin verkauft.

Das Ifo-Institut rechnet wegen des schwierigen Umfelds für die Exportwirtschaft in diesem Jahr nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent, nachdem es 2018 noch 1,4 Prozent gewesen waren.

Dass die Wirtschaft überhaupt noch minimal wächst und nicht real schrumpft, ist einzig einer noch relativ starken Binnenkonjunktur zu verdanken. Bei Dienstleistern, im Handel und am Bau hellte sich das Geschäftsklima im Gegensatz zur exportabhängigen Industrie zuletzt auf. Hauptgrund sind die niedrigen Kreditzinsen. (hh)

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