Robert Habeck und Annalena Baerbock

Lockere Kulisse, ideologische Abgründe

Erschreckende Vorstellung: Die Grünen-Chefs und Medienlieblinge Annalena Baerbock und Robert Habeck könnten es sich schon bald in einem Regierungssessel bequem machen

Es wird ernst. Seit die Grünen vor anderthalb Jahren eine neue Parteiführung gewählt haben, arbeiten sich die etablierten Leitmedien daran ab, die Grünen zur neuen Volks- und demnächst auch Regierungspartei hochzujubeln. Schließlich bestand die »Doppelspitze« mal nicht aus zerknitterten Apo-Opas und -Omas aus der Gründergeneration, sondern aus zwei Vertretern der Generation danach, die sogar beide ein Studium abgeschlossen haben.

Seit ein paar Monaten zeigt der Dauer-Medienhype um die Grünen und ihr Propagandathema Nummer eins, der »Klimaschutz«, auch Wirkung. In den Umfragen eilen die Ökosozialisten von Rekord zu Rekord, bei der Europawahl Ende Mai haben sie die SPD überholt und sind zweitstärkste Kraft geworden.

Feuchte Träume

In allen Altersgruppen, außer den Rentnern, hatten die Grünen dabei sogar mehr Wähler als die Union. Die stellt sich mit ihrer neuen Vorsitzenden Kramp-Karrenbauer schon mal auf Schwarz-Grün als nächste Machtoption ein. Für Grün-Schwarz, wie in Baden-Württemberg, wird es im Bund wohl erst mal nicht reichen. Aber schon kursieren erste Umfragen, die signalisieren, dass der feuchte Traum so mancher Mainstream-Journalisten in Erfüllung gehen könnte: eine Mehrheit für eine grün-rot-rote Linkskoalition unter grüner Führung.

Gut möglich also, dass die beiden Grünen-Chefs es sich demnächst auch mal in einem Regierungssessel bequem machen dürfen: Robert Habeck womöglich sogar im Kanzleramt, als Regierungschef des Landes, mit dem er nach eigenem Bekunden »nichts anfangen« kann, weil er ja auch Vaterlandsliebe sowieso »zum Kotzen« findet. Einen Kanzler Habeck versuchen die Grünen-Groupies in den Redaktionsstuben schon seit geraumer Zeit herbeizuschreiben und hämmern uns mit allerlei Umfragen ein, er sei jetzt schon der »beliebteste Politiker«.

Und der Ehrgeiz seiner Vorsitzenden-Kollegin Annalena Baerbock dürfte kaum kleiner sein. Auch sie läuft sich schon mal warm für höhere Weihen. Warum sonst wohl reiste sie kürzlich im Nordirak herum, »auf den Spuren von Joschka Fischer«, wie die begleitenden Hofberichterstatter vom ›Spiegel‹ uns gleich unter die Nase reiben, die in Baerbock schon »die erste grüne Außenministerin« nach dem Frankfurter Polizistenverprügler erblicken.

Der Dauer-Medienhype um »Klimaschutz« ist Wasser auf die Mühlen der Verbotspartei: Demonstranten auf dem Balkon der Geschaeftszentrale der Grünen während einer »Klima-Demo«

Robert und Annalena, das Rosamunde-Pilcher-Traumpaar

Seit ihrer Wahl zum Vorsitzenden-Traumpaar der Grünen werden Habeck und Baerbock wie auf Daunendecken durch den Mediendschungel getragen. Im Jahr 2018 hatten sie mehr Talkshow-Auftritte im öffentlich-rechtlichen Zwangsgebührenfernsehen als jeder andere Politiker. Die nach Abgeordneten kleinste Oppositionspartei im Bundestag ist immer noch permanent und gnadenlos überrepräsentiert, den Vorlieben der grünlinken Redakteure entsprechend; die Vertreter von Oppositionsführer AfD kommen dagegen so gut wie gar nicht vor.

Zeitweise fielen im Mainstream alle Hemmungen, Habeck und Baerbock wurden im plattesten Boulevardton verherrlicht, als wären sie Hauptdarsteller in einem Rosamunde-Pilcher-Film: Wie schön sie harmonieren, die beiden, wie achtsam Annalena und Robert miteinander umgehen, wie ein Tanzpaar, was für ein feinfühliger Vegetarier er doch ist und wie sympathisch seine strubbeligen Haare sind, für die er auch gar nicht lange morgens im Bad braucht, und selbst die Löcher in seinen Socken, wenn er (igitt) im ICE-Restaurant die Schuhe auszieht, als wäre er zu Hause – haben Sie den Subtext bemerkt? Der klimabewusste Herr Habeck fährt natürlich Bahn, jedenfalls wenn er eine Hofreporterin dabeihat; am Fluggate, wo aufmerksame Mitreisende auch schon mal Fotos von ihm geschossen haben, gibt er natürlich keine Interviews.

Welpenschutz vorbei?

So sehr haben sich die beiden Grünen-Vorsitzenden an diese angenehm einlullende Wattebäuschchen-Hofberichterstattung gewöhnt, bei der ergebene »Journalisten« ihnen bei jedem noch so weltfremden Unfug gläubig an den Lippen hängen, dass sie regelrecht ungehalten werden, wenn doch mal einer kritische Fragen stellt. So wie neulich der Nachtgeplauder-Strahlemann Markus Lanz, der die beiden gleich im Doppelpack eingeladen hatte und nicht nur selbst plötzlich unbequem wurde und der »Oberlehrerin« Annalena ins Wort fiel, sondern auch noch kritische Gäste eingeladen hatte, die nicht einfach bloß zu allem mit dem Kopf nickten. Wie kann er nur!

Allerdings scheint in dem Maße, wie eine mögliche grüne Regierungsbeteiligung näher rückt, auch der Welpenschutz für die Wünsch-Dir-Was-Partei und ihre Vorturner zu Ende zu gehen. Selbst im sonst so linksgrünen Wiener ›Standard‹ spießen zwei SPD-nahe Publizisten die grüne Weltenretter-Partei mit ihrem apokalyptischen Dauergeraune als »Wunschmaschine« und »Projektionsfläche« ihrer Anhänger auf. Eine miesepetrige Verbotspartei bleibt halt eine solche, auch wenn sie plötzlich mit jüngeren Gesichtern und fröhlicherer Verpackung daherkommt. Kratzt man nur ein wenig an der Fassade der »schrägen grünen Öko-Welt der Annalena Baerbock«, hagelt es gleich wieder Verbotsdrohungen, vom Geländewagen bis zur Fernflugreise.

Saturierte Grünspießer

Verbote sind natürlich immer nur für die anderen da, selbst gehört man ja schon zu den Guten. Robert Habeck und Annalena Baerbock sind typische Vertreter des saturierten Grünspießertums, das sich in seiner komfortablen Filterblase von den Sorgen und Nöten der einfachen Leute und Malocher, auf die man herablassend distanziert herunterschaut, selbstgefällig abkapselt und den typischen Spießertraum lebt, die eigenen Vorlieben für alle anderen verbindlich zu machen, am besten natürlich mit staatlichem Zwang. Das macht sie in diesem ihrem Milieu, dem auch das Gros des Medientrosses angehört, so populär.

Nur kann halt nicht jeder, wie Annalena Baerbock, die Kindheit auf einem alten Bauernhof mit Schwestern und Cousinen verbringen wie die Kinder von Bullerbü, Auslandsaufenthalt in England – mit Flieger zu erreichen, nehmen wir mal an – und Master in Rechtswissenschaften inklusive, und dann eine lupenreine Kreißsaal-Hörsaal-Plenarsaal-Karriere hinlegen: erst Mitarbeiterin in einem Europaabgeordnetenbüro, dann selbst in die Politik. Oder, wie Robert Habeck, als freischaffender Autor mit Schriftstellergattin nach dem Philosophiestudium Kinderbücher und Romane schreiben, bis man es zum Grünen-Spitzenkandidaten und Landesminister in Schleswig-Holstein bringt, um von dort in die Bundespolitik zu wechseln.

Diesel-Fahrverbote wie hier in Stuttgart sind erst der Anfang: Hinter der freundlichen Maske bleiben die Grünen die ideologische Verbotspartei, die sie immer waren

Linke Ideologen

Wer näher mit solchen Leuten zu tun hat, durchschaut die aufgesetzte Fassade bald. SPD-Mann Reinhard Meyer zum Beispiel, seinerzeit Wirtschaftsminister und heute Finanzminister in Kiel, der seinen damaligen Kabinettskollegen Habeck als »der größte Schauspieler, den ich in der Politik kennengelernt habe«, charakterisiert.

Bei genauerem Hinschauen merkt man schnell: Unter dem freundlichen Kostüm des lockeren sogenannten »Realo« steckt ein lupenreiner linker Ideologe. Einer, der sich für Verbote begeistern kann und für Enteignungen, der kein »Volk« kennt und damit auch keinen »Volksverräter«, und der mit freundlichen Worten knallharte Zumutungen gefällig verpackt. Und schaut man bei Frau Baerbock genauer hin, zerplatzen die ganzen »sozialen« Verzierungen – zum Beispiel der Ausgleichs-Hunderter, der den kleinen Leuten die Ausplünderung mit CO2-Steuer, Flugpreis- und Benzinerhöhungen und andere Zwangsmaßnahmen schmackhaft machen soll – wie Seifenblasen.

Lässt man die sanfte Verkaufsverpackung weg, bleibt von der als »Klimaschutz« getarnten grünen Ökodiktatur eben nur die Diktatur übrig. Bei diesen Widersprüchen gilt es, die grünen Schaumschläger zu stellen.

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