»Sachsen ist das neue Bayern«

Mein Großvater war Jahrgang 1906 und sein Vater Soldat im Ersten Weltkrieg. Immer wenn die sächsischen Verbände nicht mehr weiterkamen, so berichtete er mir von seinem Vater, habe es geheißen: Da müssen wir die Bayern rufen!

 

Die wären dann ohne Rücksicht auf Verluste durchgebrochen, so dass die sächsische Infanterie nachziehen konnte.

Wo sind die todesmutigen Bayern 2018? Die Sachsen demonstrieren, protestieren und wählen die AfD zur stärksten Partei in ihrem Land. Sie nehmen in Kauf, verspottet, verleumdet und verhasst zu werden. Unter großen Opfern bewegen sie damit Deutschland. Sie brechen durch die Front von politischer Korrektheit, Multikulti-­Wahn und Deutschenhass. Dadurch ist es in ganz Deutschland einfacher geworden, offen zu diskutieren, Opposition zu Merkels antideutscher Politik zu äußern und sich dem Willkommensunsinn entgegen zu stellen.

Sind die Sachsen nun die neuen Bayern? In der Tat, es gibt einige Gemeinsamkeiten. Der sächsische Protest speist sich aus drei klaren Quellen: Gesundem Menschenverstand, einem ererbten Gefühl für Recht und Unrecht sowie ehrlicher Heimat­liebe. Identität, Traditions­bewusstsein und Sinn fürs Praktische – das prägt doch auch Bayern! In Franken, der Oberpfalz, Schwaben, Nieder- oder Oberbayern schert man sich um die Meinung der Preußen im Berliner Regierungsviertel oder Hamburger Medienhochhäusern ebenso wenig wie in Vogtland, Erzgebirge, Lausitz oder Elbland. Und doch sind die Bayern erstaunlich angepasst.

Bayern leidet wie kein zweites Bundesland unter Merkels Bevölkerungs­austausch. Es ist für die überwiegende Anzahl der illegalen Einwanderer das Land der Erstaufnahme. Die damit einhergehenden Probleme sind nicht geringer als in Chemnitz. Die desaströse Währungspolitik der Regierung vernichtet die bayerischen Spareinlagen wie die sächsischen, die Bürokratisierung trifft die bayerischen wie die sächsischen Unternehmer, die Energiepolitik verteuert den Strom. Die sozialistische Merkel-Gesellschaftspolitik mit »Ehe für alle« und Gender-Unsinn bedroht die katholische bayerische Identität gar weit mehr als die des agnostisch-liberalen Sachsen. Bayern hat mehr Grund aufzubegehren als das rebellische Sachsen.

Bayern ist erfolgreich, wenn es bayerisch ist: unangepasst, eigensinnig, stolz, mutig, traditionsbewusst, herzlich und direkt. Diese Eigenschaften haben einen sächsischen Unteroffizier im Ersten Weltkrieg so begeistert, dass er seinem Sohn davon berichtete, der es bis an seinen Enkel weitergab. Ein Land von echten, authentischen und willensstarken Menschen in einer von Gott geküssten Natur, der Himmel weiß und blau. Was kann es Größeres geben, als an dieses Selbst anzuknüpfen? Bayern sein und bleiben statt geduckt und gedrückt eine Politik hinzunehmen, die daran arbeitet, alles, was bayerisch ist, zu verwässern und zu zerstören – das ist das Gebot der Zeit!

Die CSU war immer der Garant, dass Bayern bayerisch war und damit die Bundespolitik aufmischte.

Franz Josef Strauss hat es verkörpert. Bayern war das Texas der Bundesrepublik, das einzige Bundesland mit eigener Identität. Die heutige CSU ist nicht mal mehr ein Abklatsch der Strauss´schen, sie ist ein Globuli: der alten CSU bestenfalls ähnlich, allerdings bis zur Unkenntlichkeit verwässert. Horst Seehofer ist seit 2015 regelmäßig nach Berlin zum Bellen gegangen, gebissen hat er nie. Als traurige Gestalt geendet, vermag er es nicht einmal, geltendes Recht an den Grenzen anzuwenden, sondern muss sich Merkels Willkommenswahn beugen. Für Markus Söder gehört der Islam zu Bayern. Zu einem Aufstand gegen die linksradikale Berliner Politik taugt keiner von denen, schließlich könnte das ihre Posten und Pöstchen gefährden.

Wenn die Bayern den Sachsen nicht den Ehrenplatz als heimattreue Rebellen Deutschlands abgeben wollen, werden sie nicht umhin kommen, sich von der CSU zu lösen. Die Sachsen wählten in den 1990ern zu fast 60% CDU, sie mussten es auch und haben es geschafft. Im Ersten Weltkrieg schlugen die Bayern die Bresche und die Sachsen strömten nach. Im Kampf um Deutschlands Rettung haben die Sachsen die Bresche geschlagen, nun müssen die Bayern nachströmen und damit alles klarmachen.

Verliert die CSU bei der Bayernwahl ihre absolute Mehrheit und wird die AfD zweitstärkste Kraft, besteht die große Chance auf Merkels schnelles Ende.

Dann wäre den Bayern der Triumph gelungen, sie hätten durch ihre Wahlentscheidung den Wendepunkt geschaffen.

Ich garantiere, dass die Sachsen nicht neidisch sein werden: Es zählt der gemeinsam errungene Sieg. Damit auch unsere Enkel und Urenkel noch Gründe haben, sich stolz an uns zu erinnern.


Maximilian Krah

ist Rechtsanwalt und ehemaliges Mitglied der CDU. Seit 2016 engagiert er sich in der AfD.

QUELLEBilder: imago
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