»Saubere Elektromobilität ist ein Mythos«

Toyota-Deutschlandchef warnt vor zu hohen Erwartungen an E-Autos

“Es ist ein Mythos, dass diese Technologie eine 100 Prozent nachhaltige ist“: Toyota-Deutschlandchef Alain Uyttenhoven warnt vor zu hohen Erwartungen an E-Autos

Toyota-Deutschlandchef Alain Uyttenhoven hat vor zu hohen Erwartungen an die Umweltfreundlichkeit batteriebetriebener Fahrzeuge gewarnt. »Jetzt werden große Hoffnungen in die Elektromobilität gesetzt, aber es ist ein Mythos, dass diese Technologie eine 100 Prozent nachhaltige ist«, sagte Uyttenhoven dem ›Kölner Stadt-Anzeiger‹.

»Elektromobilität wäre sauber, wenn der Strom aus nachhaltigen Energiequellen käme. Das beste Beispiel ist hier Norwegen – der überwiegende Teil des Stroms kommt aus Wasserkraft«, so der Deutschlandchef des japanischen Autobauers. Auch die Produktion der Batterien sei kritisch zu betrachten.

»Heute fährt weltweit nur ein Prozent der Autos mit reinem Batterie-Antrieb. Wenn die Zahl nun deutlich erhöht werden soll, wird man auch deutlich mehr Rohstoffe für den Bau der Batterien brauchen als derzeit. Man benötigt etwa 15 Kilo Kobalt pro Auto«, sagte Uyttenhoven.

Hauptabbaugebiet sei der Kongo mit all den politischen und ökologischen Problemen, die dort herrschten. »Auch das muss man immer berücksichtigen, wenn man über die Umweltfreundlichkeit spricht«, so der Automanager.

Toyota setzt auf die Brennstoffzelle auf Basis von Wasserstoff

»Wasserstoff ist ein nahezu unendliches Speichermedium, denn Wasser gibt es fast unbegrenzt auf unserem Planeten«, sagte Uyttenhoven dem ›Kölner Stadt-Anzeiger‹. Im Gegensatz zu anderen alternativen Energien wie Wind und Sonne sei es immer verfügbar. »Wasserstoffbetriebene Fahrzeuge stoßen kein CO2 aus und auch keine anderen schädlichen Gase wie Kohlenmonoxid und Stickoxide. Wasserstoff ist zudem transportierbar – im Gegensatz zu Strom, der etwa wegen fehlender Trassen nicht von der Nordsee nach Bayern gebracht werden kann«, so der Toyota-Deutschlandchef.

In wenigen Jahren wollen die Japaner mit Wasserstoff betriebene Pkws massenmarkttauglich machen. Die Fahrzeuge sind mit Brennstoffzellen ausgerüstet, die aus Sauerstoff und Wasserstoff Strom zum Antrieb von Elektromotoren produzieren. Als Abgas entsteht im Betrieb Wasserdampf. Japan insgesamt will in Zukunft mehr denn je auf Wasserstoff als Energieträger setzen. Die sogenannte Basic Hydrogen Strategy (Grundlegende Wasserstoffstrategie) formulierte dieses Ziel bereits vor zwei Jahren. Umgesetzt werden soll es in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Beteiligt sind einige der großen Konzerne wie JX Nippon Oil & Energy, Kawasaki Heavy Industries (KHI), Panasonic und Toyota. Bis 2020 sollen 40.000 Brennstoffzellenautos auf japanischen Straßen rollen, bis 2030 etwa 800.000 Stück. Zurzeit lässt sich die Regierung im Land der aufgehenden Sonne das mit Zuschüssen von umgerechnet rund 20.000 Euro pro Auto kosten.

Derweilen ist der Toyota-Konkurrent VW damit beschäftigt, die Ideologie getriebene Elektromobilität der Merkel-Regierung zuzusetzen. Volkswagen-Chef Herbert Diess erklärte die Wasserstoff-Strategie seiner Konkurrenz Ende Oktober für »Unsinn«.

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