Schadet Weihnachten dem Klima?

Die spitze Feder aus Sachsen

Johannes Schüller

Kaum eine Überraschung bleibt aus: Von Jahr zu Jahr scheinen die Varianten, die Vorweihnachtszeit sowie das Weihnachtsfest selbst zu begehen, bunter und vielfältiger zu werden. So gibt es bei einer sehr bekannten deutschen Einzelhandelskette neue Blumen, die »Winterstern« getauft wurden und stark an den traditionellen »Weihnachtsstern« erinnern. Auf Einladung des Bayerischen Roten Kreuzes werden in Augsburg Adventskränze gemeinsam mit Musliminnen gebunden. Bezeichnet wird die bunte, offenbar ganz vom vorweihnachtlichen Geist getragene Veranstaltung jedoch ganz unchristlich als »Winterfest«. In einer Volksschule in Oberösterreich wird sogleich die Segnung des Adventskranzes aus dem Schulgebäude verbannt – mutmaßlich aus Rücksicht auf Muslime. Im englischsprachigen Raum hört man seit geraumer Zeit häufig den religiös neutralen Wunsch »Happy Holidays« anstelle von »Merry Christmas«.

Immer radikaler: Für die Klima-Hysteriker ist nun sogar der Weihnachtsbaum ein »Klima-Killer«

»Alle Jahre wieder kommt das ›Winterfest‹«, ließe es sich inzwischen singen. In übereifrigem, vorauseilendem Gehorsam wollen sich Traditionswilderer des eigenen kulturellen Erbes entledigen, um ja keinen Fremden zu verärgern. Von der pathologischen Verneinung des Eigenen bleibt das Weihnachtsfest in Deutschland nicht verschont. Auch andere Trends des Zeitgeists hinterlassen ihre Spuren am traditionellen Jahresausklang – insbesondere die Angst vor dem menschengemachten Klimawandel. »So schlecht ist Weihnachten für das Klima«, informiert die ›Westdeutsche Zeitung‹ ihre Leser. Eine sogenannte Nachhaltigkeitsforscherin warnt im Artikel eindringlich vor den jahrhundertealten, klassischen Symptomen des Weihnachtsfestes – nämlich Plastikmüll und Konsumwahn. Die grüne Haus- und Hofpostille, die ›Tageszeitung‹, verbindet das Weihnachtsfest offenbar gar mit einem Massenmord. »Baumleiche im Wohnzimmer«, lautet dort der Titel eines aktuellen Artikels, in dem in schaurig bildhafter Sprache vor einem »arborischen« – zu Deutsch »baumartigen« – »Weihnachtshorror« gewarnt wird. »Anstatt mit dem Finger auf Brasilien oder Indonesien zu zeigen, sollten die Deutschen selbst nachdenken, wie sie diese Untat verhindern können, dieses nahezu sinnfreie Massaker an wehrlosen Lebewesen, die keiner Fliege etwas zuleide tun«, warnt Autor Malte Göbel eindringlich vor dem alljährlichen Tannen-Mord.

Rund 27 Millionen Weihnachtsbäume, insbesondere Nordmanntannen, sollen gemäß Angaben des »Bundesverbands der Weihnachtsbaumerzeuger« jährlich allein in Deutschland gefällt werden. »Schämen Sie sich für Ihren Weihnachtsbaum?«, fragt folgerichtig das linksliberale Blatt ›Die Zeit‹ seine Leser und listet die mitunter äußerst negativen CO2-Bilanzen der festlich geschmückten Nadelbäume auf. Zweifelsohne: Aus Sicht linker Multikulti- und Klima-Fanatiker bleibt das Weihnachtsfest ein ganz und gar besinnungsloses Fest voller kultureller Fallstricke und Sünden. Gerade deshalb sollten wir es uns nicht vermiesen lassen.

Johannes Schüller

ist Journalist und Publizist. Er baute zuletzt als Online-Chefredakteur die Netzausgabe der österreichischen Zeitung ›Wochenblick‹ auf. Nach einem längeren Aufenthalt in Österreich lebt er nun wieder in seiner sächsischen Heimat.

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