»Entweder et es am secke, mer sin mööd oder de Bajeere is eronger.« Alteingesessene Bonner lieben ihre Stadt wegen ihrer wohltuenden Unaufgeregtheit. Entweder es regnet, wir sind müde oder die Schranke ist herunter. Denn: Die linksrheinische Nord-Süd-Trasse, eine der meistbefahrenen Bahnstrecken Europas, verläuft mitten durch die Stadt am Rhein.

Knapp 320.000 Einwohner zählt Bonn, das sich »Bundesstadt« nennen darf. Nach dem Berlin-Umzug von Bundesregierung und Bundestag wurde das alte (westdeutsche) Hauptstadt-Provisorium Sitz des größten europäischen Telekommunikationsunternehmens (Telekom). Im alten Regierungsviertel wurden zum Ausgleich UN-Organisationen und die Deutsche Welle angesiedelt. Die rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität zählt zu den 100 besten Universitäten weltweit. Der berühmteste Sohn Bonns ist Ludwig van Beethoven. Er wurde im Hinterhaus der Bonngasse 20 geboren.
Den Bonnern ist es deshalb »drissejal« (scheißegal), dass ein amerikanischer Journalist über ihre geliebte Stadt einmal in maßloser Übertreibung schrieb: »Halb so groß wie der Zentralfriedhof von Chicago, aber doppelt so tot.«

Was allein schon deshalb nicht zutrifft, weil in Bonn auf der »schäl Sick« (falschen Seite) – so heißt der rechtsrheinische Stadtteil Beuel – die Weiberfastnacht erfunden wurde. Das kam so: Anfang des 19. Jahrhunderts war Beuel noch ein Wäscherdorf, in dem reiche Leute aus Köln ihre Kleider reinigen ließen. 1824 gründete sich das Beueler Damenkomitee, eine der ersten Frauenbewegungen überhaupt. Die Beueler Wäscherinnen und Bleicherinnen lehnten sich gegen die Vorherrschaft der Männer und ihre Ausbeutung auf. Was heute in karnevalistisch-spaßiger Art mit Rathaus-Sturm und Sitzungen gefeiert wird, hat also einen ernsten Hintergrund. Die Frauen am Rhein wehrten sich gegen körperliche und seelische Belastungen.
Inzwischen gibt es ein anderes, seelisch belastendes Ereignis. Damit macht Bonn einmal im Jahr zum Ende des Ramadan auf zweifelhafte Weise von sich reden. Dies zunehmend zum Ärger und Verdruss der alteingesessenen Einwohner und Geschäftswelt.

Es ist das sogenannte Ashura-Fest, das zu den Höhepunkten einer blutigen islamischen Subkultur in Deutschland gehört. Am 25. Juni zogen in diesem Jahr zum sechsten Mal rund 150 Schiiten wie in Trance durch die Wenzelgasse in der Bonner Fußgängerzone.

Für Passanten, darunter viele amerikanische und japanische Beethoven-Touristen, ein verstörender Anblick.

Immer wieder trommeln sich wohlgenährte Männer unter hysterischen Schreien mit voller Wucht entzückt auf den nackten Oberkörper. Viele haben schon nach kurzer Zeit heftige Hämatome auf der vernarbten Haut. Hunderte Hände schlagen dazu im Takt: klatsch, klatsch. klatsch. Immer auf die nackte Brust. Jeder Schlag ein Zeichen der Trauer über den Tod des geliebten Imams Ali, der vor rund 1.350 Jahren ermordet worden sein soll und damit das erste Schisma (Spaltung) im Islam auslöste. Unter wehklagenden Gesängen wird dazu symbolisch ein Sarg auf den Schultern getragen.
Es ist jedes Jahr das gleiche bizarre Schauspiel: Verängstigte Kinder weinen, Touristen schütteln entsetzt den Kopf, während linksgrüne Multikulti-­Verblendete diesem Ritual der Selbstgeißelung begeistert Beifall spenden.

Die Bonner Polizei hat resigniert. »Wir haben so gut wie keine Handhabe, eine solche Veranstaltung zu untersagen, und das wollen wir auch nicht«, so ein Sprecher. Demonstrationsfreiheit und Religionsfreiheit seien wichtige Freiheitsrechte – auch solche Umzüge müsse »eine Gesellschaft ertragen.«

Wenigstens Peitschen müssen die Bonner bei diesem schauerlichen Ritual nicht mehr dulden. Die sind inzwischen behördlich verboten.

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