Schulschwänzerei

Stadt rudert zurück und hebt Bußgeld gegen »Fridays for Future«-Teilnehmer auf

Schulschwänzer auf der Straße: Mit Bußgeldern dürfte dank öffentlicher Empörung auf absehbare Zeit nicht zu rechnen sein

Die Stadt Mannheim zieht das Bußgeld gegen vier Schüler zurück, die unentschuldigt mehrfach an einer »Fridays for Future«-Demo teilgenommen hatten. Die »Besonderheit« im Vergleich zum »klassischen Schulschwänzen« sei erst jetzt aufgefallen.

Die Stadt Mannheim hat vier Bußgeldbescheide gegen Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums wieder aufgehoben, die während der Schulzeit unentschuldigt dem Unterricht mehrfach ferngeblieben sind, um an den sogenannten Klimaprotesten teilzunehmen. Ihre Eltern müssen die zuvor verkündete Summe von je 88,50 Euro nun doch nicht zahlen. Die Bußgeldbescheide hatten in den Mainstreammedien sowie den »Fridays für Future«-Bewegungen viel Kritik hervorgerufen.

Die Bewegung sprach von einem »nicht nachvollziehbaren« Verhalten der Behörden. Sie versuchten, »legitimen Aktionismus mittels Bußgeldbescheiden zu unterbinden«, so die Klage eines Sprechers der Mannheimer Ortsgruppe. Diese hätten »anscheinend« nicht verstanden, »dass die Klimafrage immer mehr zur Existenzfrage der jüngeren Generationen wird«. Nach Angaben eines Vertreters der Bewegung gab es noch am Donnerstag an der betroffenen Schule Kundgebungen anderer Schüler gegen die Bußgelder.

Die Stadt Mannheim bemüht sich nun um Schadensbegrenzung: Die Bußgeldbescheide seien routinemäßig bearbeitet worden, »die Besonderheit dieser Fälle im Vergleich zum klassischen Schulschwänzen« sei deshalb nicht aufgefallen, heißt es in einer Mitteilung der Stadt Mannheim. Die Bußgelder seien nur ein letztes Mittel in einer Reihe von möglichen Sanktionen. Das Regierungspräsidium Karlsruhe hatte die Bußgelder damit gerechtfertigt, dass diese nicht unmittelbar nach einmaligem Fehlen erteilt worden seien, sondern das Ende einer Kette mit Gesprächen und Alternativangeboten gewesen seien. Die Schule habe nicht alle Mittel genutzt, die ihr zur Verfügung stehen, heißt es in der Mitteilung weiter. Die Schule selbst wollte am Donnerstag keine Auskünfte erteilen.

Die Organisation »Fridays for Future« hatte zudem »weitere Betroffene« bundesweit aufgerufen, sich im Fall von Bußgeldbescheiden zu melden, und versprach Hilfe – unter anderem durch ein eingerichtetes Rechtshilfekonto. Weitere Fälle müssten öffentlich gemacht werden.

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