CSU-Machtkampf geht weiter

Als Intrigenstadl hatte die CSU stets einen hohen Unterhaltungswert. Es spricht viel dafür, dass dies so bleibt. Hinter den Kulissen dürfte der Machtkampf zwischen den beiden Egomanen Horst Seehofer und Markus Söder munter weitergehen.

Jahrelang hat Bayerns Finanzminister Markus Söder darauf hingearbeitet. Er ließ kein Bierzelt, keinen Ortsverband, keine Talkshow aus. Er kommentierte noch so banale Einträge auf Facebook: »Spargel wächst sehr gut in Franken.«

Jetzt ist Söder am Ziel, zumindest vorläufig: Im Frühjahr muss der Oberbayer Seehofer seinen Posten als Ministerpräsident an den verhassten Erzfeind aus Franken abtreten. Mit dem Amtsbonus soll Söder die Christsozialen in die Landtagswahl im Herbst 2018 führen. Dafür sprach sich einstimmig die CSU-Landtagsfraktion aus. Die Zustimmung des Parteitages in dieser Woche gilt als sicher – denn: Seehofer soll Parteichef bleiben. Das ist der »Kompromiss«.

Allerdings: In der CSU liegen die Nerven blank wie Kupferdraht.

Nach dem 40-Prozent-Desaster bei der Bundestagswahl befindet sich die ehemalige »Staatspartei« weiter im freien Fall. Letzte Umfragen sehen die Christsozialen bei 37 Prozent. Mit diesem Wahlergebnis bei der Landtagswahl im Herbst würde es nicht einmal mehr für eine Koalition wie 2008 alleine mit der FDP reichen.

Die AfD verspürt indes ungebrochen Aufwind im Freistaat und liegt in den Umfragen bei 14 Prozent.

Seehofer, der sich »jedes Amt« zutraut, dürfte demnächst an Angela Merkels Kabinettstisch Platz nehmen. Als »Superminister«, wie aus der CSU zu hören ist.
Die spannende Frage allerdings lautet: Wird sich Seehofer als CSU-Chef halten können? Und wenn ja, wie lange?

Sollte es Söder gelingen, die CSU vor einem neuen Debakel bei der Landtagswahl zu bewahren, wird er spätestens im Herbst nach der ganzen Macht im Freistaat greifen. Und sollte Söder bei der Landtagswahl hingegen scheitern, also unter 40 Prozent landen – und dafür spricht einiges –, wird Seehofer auf Rache sinnen.

Spätestens dann heißt es: Vorhang auf zum nächsten Akt im CSU-Intrigenstadl.

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