Seehofers großer Asyl-Bluff

Die spitze Feder aus Sachsen

Johannes Schüller

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) schlägt Alarm! Eindringlich warnt er – angesichts der Zunahme illegaler Einwanderer auf den griechischen Inseln – vor einem neuen Asyl-Tsunami. Dieser könne sogar die Ausmaße des Jahres 2015 noch übersteigen. »Wir müssen unseren europäischen Partnern bei den Kontrollen an den EU-Außengrenzen mehr helfen. Wir haben sie zu lange allein gelassen«, erklärte Seehofer nun der ›Bild am Sonntag‹. »Wenn wir das nicht machen, werden wir eine Flüchtlingswelle wie 2015 erleben – vielleicht sogar noch eine größere als vor vier Jahren«, meint der »Heimatmuseums-Minister« nun plötzlich. Der »Situationsbericht« der Europäischen Kommission scheint sich mit den überraschenden Tönen Seehofers zu decken. Demnach gab es zwischen Januar und September hinsichtlich der Zahl der Migranten, die aus der Türkei in die EU eingewandert sind, einen Anstieg um 23 Prozent. Bereits jetzt pocht Seehofer auf eine größere Unterstützung für Türken und Griechen.

Politik für die Mittelmeer-Schlepper

Seine Warnung darf indes kein Anlass zur Vertrauensbildung sein. Denn bereits kurz nach der Aufkündigung der viel Hoffnung weckenden italienischen Regierungskoalition zwischen der »Fünf-Sterne-Bewegung« und der »Lega« von Matteo Salvini öffnete Seehofer alias »Drehhofer« illegalen Migranten erneut die Pforten gen Deutschland. Mitte September gab er bekannt, dass künftig jeder vierte Migrant, der nach einer sogenannten Seenotrettung in Italien landet, in Deutschland aufgenommen werden soll. Ein verheerendes Signal an die Mittelmeer-Schlepper! Der sich mitunter als vermeintlicher »innerparteilicher« Opponent der Masseneinwanderungskanzlerin Angela Merkel präsentierende bayerische Ex-Ministerpräsident hat damit unter anderem dafür gesorgt, dass der Asyl-Tsunami in Libyen mittelfristig wieder anschwellen wird. Die dramatischen Folgen: erneut zunehmende illegale Einwanderung und mehr Tote auf dem Mittelmeer!

Reichlich späte Warnung

Seehofers Warnung, ein erneuter Asyl-Ansturm im Stil von 2015 zeichne sich ab, ist indes mit höchster Vorsicht aufzunehmen. Bereits die Jahreszeit überrascht: Gewöhnlicherweise wagen sich illegale Migranten verstärkt in den wärmeren Monaten auf Schlepperboote beziehungsweise auf die Balkanroute gen Norden. Wie ein Blick auf die Zahl der illegalen Einreisen aus der Türkei nach Griechenland 2018 zeigt, nahm diese seit dem Oktober kontinuierlich ab, um erst im Frühjahr erneut anzuschwellen. Von jenem Anstieg, den es tatsächlich in den wärmeren Monaten dieses Jahres gegeben hat, dürfte Seehofer bereits seit geraumer Zeit wissen. Der Gedanke, dass der »Heimatmuseums-Minister« nun ein falsches Zukunftsszenario skizzieren will, um sich anschließend als vermeintlicher Retter zu gerieren und zugleich Steuergeld zu schröpfen, liegt nahe. Die Hoffnung, dass der bayerische Bettvorleger Merkels die Bürger ansatzweise vor Asyl-Chaos bewahrt, sollte sich indes spätestens 2015 erübrigt haben.

Johannes Schüller

ist Journalist und Publizist. Er baute zuletzt als Online-Chefredakteur die Netzausgabe der österreichischen Zeitung ›Wochenblick‹ auf. Nach einem längeren Aufenthalt in Österreich lebt er nun wieder in seiner sächsischen Heimat.

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