»Seenotrettung«

Salvini verweigert NGO-Schiff »Alan Kurdi« die Einfahrt

»Flüchtlinge« gehen von Bord der »Alan Kurdi« (Archivfoto von Anfang Juli im Hafen von Floriana, Malta)

Italiens Innenminister Matteo Salvini untersagt dem NGO-Schiff »Alan Kurdi«, das kurz vor der libyschen Küste 40 Immigranten an Bord genommen hat, die Einfahrt in italienische Hoheitsgewässer. An Bord angeblich traumatisierte Männer, die sich psychologische Hilfe in Europa versprechen.

Das Schiff der Nichtregierungsorganisation (NGO) »Sea-Eye« hatte am Mittwoch nur 30 Seemeilen vor der libyschen Küste 40 Immigranten an Bord genommen. Die Immigranten seien, nachdem ihre Schlepper mit rund 1.200 Euro pro Kopf bezahlt wurden, von diesen in der Nacht zum Mittwoch in einem Schlauchboot auf das Meer geschleppt worden. Dort nahm das private Seenotrettungsschiff »Alan Kurdi« die 40 mehrheitlich muslimischen Migranten, welche laut ›Bild‹-Zeitung aus Nigeria, der Elfenbeinküste, Ghana, Sierra Leone, Mali, dem Kongo und Kamerun stammen, an Bord. »Die Männer tanzen und singen ausgelassen, als ihnen klar wird, dass sie es geschafft haben«, berichtet ein ›Bild‹-Reporter, der sich an Bord befunden hat.

Unter den »Geretteten« befinden sich Menschen mit massiven psychischen Problemen. Das zumindest berichtet die ›Bild‹-Zeitung weiter und zitiert einen 30-jährigen Mann aus Kamerun: »Ich lebte vier Jahre in Libyen und bin traumatisiert. Ich habe zu viel Blut gesehen, Macheten, Massaker. Ich brauche psychologische Hilfe.« Wenn er in Europa ist, wolle er sich behandeln lassen, berichtet die ›Bild‹ dazu weiter.

Die »Einsatzleiterin« des NGO-Schiffes teilte am Mittwoch mit, in Italien, Malta, Tunesien und Libyen um einen sicheren Hafen angefragt, jedoch keine Antwort erhalten zu haben. Man werde nun entscheiden, ob nach weiteren »Flüchtlingsbooten« Ausschau gehalten werde – oder ob die »Alan Kurdi« Kurs auf Europa nimmt.

»Fortlaufende Provokation«

Innenminister Matteo Salvini indes hat bereits angekündigt, der »Alan Kurdi« die Einfahrt in italienische Hoheitsgewässer und somit das Anlegen in Lampedusa zu verweigern. Am Mittwoch teilte Salvini via ›Twitter‹ mit:

»In den nächsten Minuten werde ich das Verbot der Einreise und des Transits in italienische Hoheitsgewässer für das Schiff Alan Kurdi unterzeichnen.« Den privaten Seenotrettern warf er eine »fortlaufende Provokation« vor.

Link zum Tweet

Mehr als 110 Immigranten, die tagelang an Bord eines Schiffs der italienischen Küstenwache auf Anlandung warteten, konnten am Mittwoch in Italien an Land gehen, nachdem Salvini die Zusage von sechs EU-Staaten für die Aufnahme der Afrikaner erhalten hatte. An vorderster Front erklärte sich Deutschland dazu bereit.

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