Seine Zeit ist um

Nun also doch! Friedrich Merz wirft seinen Hut in den Ring und will CDU-Chef werden. Ich habe ihn in den letzten drei Jahren zweimal erlebt. Beim ersten Mal, im Dezember 2015 im Saarland, fragte ich ihn nach der 2016 anstehenden US-Präsidentenwahl. Er versicherte mir – wortwörtlich – dass Trump keinerlei Chance habe und setzte, schon damals absurd, auf »Low Energy Jeb« Bush. Beim zweiten Mal, 2017 in Sachsen, verteidigte er das bereits gescheiterte Handelsabkommen TTIP und warnte vor Russland.

Merz war ein Superstar, dessen Ideen und Thesen zu seiner Zeit, also vor 20 Jahren, unser Land vorangebracht hätten.

Lauter Postulate der bürgerlichen Vernunft: einfache und niedrige Steuern, ein demografiesicheres Sozialsystem, Aufbruch in das Digitalzeitalter. Heute wirkt er wie ein Relikt. Er ist ein Transatlantiker der Vor-Trump-Ära, vertritt die Russophobie der West-CDU der 1980er und streitet für Old-School-Freihandel wie TTIP.

Mit diesem Retro-Programm mag er einige Retro-Bürgerliche erreichen. Ob es zur Mehrheit in der seit fast 20 Jahren von Merkel nach links geführten CDU reicht ist schon fraglich. Zur Rettung der Union reicht es aber sicher nicht. Denn dazu bedarf es Antworten auf die Fragen der Gegenwart, nicht die pfiffigen Ideen von gestern. Einwanderung, Identität, sozialer Friede, Digitalisierung und eine multipolare Welt sind die Herausforderungen von heute, für die Friedrich Merz zumindest nach dem, was er in den letzten Jahren bei seinen Vorträgen erzählt, keine Lösungen bietet.

Maximilian Krah

war bis 2016 Mitglied der CDU. Der promovierte Jurist ist seit 2018 stv. Landesvorsitzender der AfD Sachsen.

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