Serie: Die 10 Fehler der Klimaalarmisten

2. Die Klimaalarmisten führen die Erwärmung nur auf das CO2 zurück.

von Markus Schär

Ist CO2 wirklich hauptverantwortlich für die Erderwärmung? Die wissenschaftliche Faktenlage zu dieser Behauptung ist dünn

Kohlendioxid (CO2) gilt als Klimakiller. Der Ausstoß von CO2 müsse drastisch reduziert werden, so die Klimaalarmisten. Eine CO2-Steuer steht vor der Tür. Wissenschaftlich gesehen ist die Wirkung des Gases jedoch nicht annähernd so gut erforscht, wie die Klimagläubigen vorgeben.

Um gefährliche 0,2 Grad innerhalb von zehn Jahren ist die Temperatur gestiegen, als die Meteorologen 1988 Alarm schlagen: Sie fürchten jetzt eine drohende Erwärmung des Klimas – statt einer verheerenden Abkühlung bis hin zu einer neuen Eiszeit nur ein Jahrzehnt zuvor. Für jene Ängste gab es gute Gründe, denn die Temperatur war seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit einem menschenfreundlich günstigen Klima fast ein halbes Grad gesunken. Darum glaubten die Wissenschaftler, es komme zu Missernten und Hungersnöten (s. Folge 1 dieser Serie).

Die Uno setzt deshalb 1988 den Weltklimarat IPCC ein: Führende Experten sollten die wissenschaftliche Literatur zum Klimawandel sichten, um die Fragen zu beantworten, ob es ein Problem gebe und, wenn ja, mit welchen Maßnahmen es sich lösen ließe. Schon 1990 legt der IPCC seinen Bericht vor – und bereits da war alles klar: Die Erwärmung um 0,2 Grad sei unnatürlich, also menschengemacht, stellten die Klimaforscher in politischer Mission fest, und sie komme von den Treibhausgasen, zu mehr als der Hälfte vom CO2.

Das ist allerdings keine bahnbrechende Erkenntnis. Denn schon 1824 entdeckte der französische Physiker Joseph Fourier den Treibhauseffekt und 1896 berechnete der schwedische Chemiker Svante Arrhenius seine Wirkung. Das CO2 sorgt wie andere Gase in der Atmosphäre dafür, dass die Erde weniger Wärme abstrahlt, als von der Sonne einfällt. Ohne diesen segensreichen Effekt wäre das Klima 32 Grad kälter; höheres Leben hätte sich also nicht entwickeln können. Arrhenius hoffte denn auch, weil die Menschen zu seiner Zeit mit dem Verbrennen von Kohle und Gas mehr CO2 zu erzeugen begannen, auf »bessere klimatische Verhältnisse« und »um das Vielfache erhöhte Ernten«.

Mit dem Treibhauseffekt lässt sich allerdings nicht erklären, weshalb die Erwärmung menschengemacht sein soll. Denn CO2 allein heizt das Klima nicht gefährlich an – dazu kommt es, auch gemäß dem Dogma des IPCC, nur aufgrund der Rückkoppelung mit dem Wasserkreislauf der Erde. Diese Prozesse durchschauen die Wissenschaftler aber noch kaum, schon gar nicht die Wirkung des gasförmigen H2O, also der Wolken. Der Experte Bjorn Stevens gestand kürzlich im ›Spiegel‹, die Forscher verstünden zwar die Wechselwirkungen im kleinen Maßstab: »Auf der großen Skala des globalen Kontextes aber verstehen wir wenig.«

Vor allem kann der IPCC die wichtigste Frage kaum besser beantworten als Arrhenius, jene der Klimasensitivität: Um wie viel Grad steigt die Temperatur bei einer Verdoppelung des CO2-Anteils? Nach dreißig Jahren milliardenteurer Forschung weitete er die Unsicherheitsspanne im letzten Bericht sogar wieder aus, auf 1,5 bis 4,5 Grad. Und die meisten Studien der letzten Jahre zeigen, dass der Wert wohl im unteren Bereich oder sogar darunter liegt.

Nicht lösen kann der IPCC auch andere Probleme mit seiner Theorie. Weshalb sank die Temperatur nach dem Zweiten Weltkrieg markant, obwohl damals der CO2-Ausstoß wegen des Siegeszugs des Autos und des Konsums rasant stieg? Oder weshalb gab es in der Geschichte, zuletzt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, immer wieder Zeiten mit mindestens gleich hohen Temperaturen bei einem weit niedrigeren CO2-Anteil?

Die IPCC-Wissenschaftler lösen das unlösbare Problem auf einfache Art, wenn auch nicht nach den Regeln der Wissenschaft: Sie halten umso gläubiger an ihrer theoretischen Erklärung fest – und ändern die empirischen Fakten. Sie schreiben die Klimageschichte um.

Markus Schär

ist Historiker und Journalist (›NZZ‹, ›Weltwoche‹). Zur Klimadebatte gibt es mehr von ihm zu lesen auf www.cool-down-schweiz.ch.

Folge 1: Die Klimaalarmisten lernen nichts aus ihrem Fehlalarm

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