Serie: Die 10 Fehler der Klimaalarmisten

3. Die Klimaalarmisten leugnen den Wandel in der Geschichte

Statue des Wikinger-Anführers Erik des Roten in Qassiarsuk, Grönland: Eine Warmzeit vor 1000 Jahren erlaubte den Nordmännern auch dort zu siedeln, wo heute Permafrost vorherrscht

von Markus Schär

Auf ihren wilden Fahrten nach Westen verschlägt es die Wikinger ans Ufer einer riesigen Insel, die sie »grünes Land« nennen: Grönland. Die Seefahrer aus Norwegen bauen hier Siedlungen, fischen im eisfreien Meer Unmengen von Kabeljau und legen ihre Verstorbenen in Gräber, die danach bis heute im Permafrost bleiben. Das heißt: Um das Jahr 1000 herrschen in Grönland so günstige Bedingungen wie danach ein Jahrtausend lang nicht mehr.

Solche Beobachtungen sammelt der englische Klimatologe Hubert Lamb seit den 1960er-Jahren. So stellt er auch fest, dass um das Jahr 1000 die Engländer mit ihrem Wein den Franzosen Konkurrenz machen und die Walser in den Alpen ihre Siedlungen in Höhenlagen gründen, wo heute – trotz bedeutend fortgeschrittener Technologien – Menschen kaum überleben könnten. Den »anhaltenden Energieausbruch der europäischen Völker«, der auch zum Bau der Kathedralen führte, erklärt Hubert Lamb mit dem »nachweisbaren Wärmemaximum« im Hochmittelalter.

Was der Pionier der Klimageschichte lehrt, wissen auch seine Kollegen: Die Geschichte prägten starke und teils auch schnelle Klimaschwankungen, und die Menschen litten oft unter diesem ewigen Wandel – immer, wenn sich das Klima abkühlte, nie, wenn es sich erwärmte. So blühte das Römische Reich dank dem Klimaoptimum zu Beginn unserer Zeitrechnung und ging auch wegen einer Kaltzeit im 5. Jahrhundert unter. Und so kämpften die Europäer mit der Kleinen Eiszeit, die vom 16. bis weit ins 19. Jahrhundert herrschte und zu Missernten und Seuchenzügen führte.

Noch der erste Bericht des Weltklimarats IPCC von 1990 zeigt denn auch diesen Wandel, wie ihn Hubert Lamb sah: seit dem Spätmittelalter eine scharfe Abkühlung bis hin zur Kleinen Eiszeit, dann seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert eine schnelle Erwärmung mit dem Höhepunkt im denkwürdigen Dürresommer 1947 – aber zuvor im Hochmittelalter höhere Temperaturen als heute!

Das darf aber nicht sein, merken die IPCC-Leute schnell: Wenn es in der Geschichte wärmere Zeiten gab, kann ihre These nicht stimmen, dass nur das menschengemachte CO2 zur Klimaerwärmung führt. Vor allem der amerikanische Forscher Michael Mann will deshalb die mittelalterliche Warmzeit zum Verschwinden bringen. Er bastelt mit den Jahrringen von Bäumen eine Grafik, die aussieht wie ein Hockeyschläger: Seit dem Jahr 1000 schwanken die Temperaturen kaum, dann steigen sie im 20. Jahrhundert steil an – weil die Jahrringe da nicht die gewünschten Werte zeigten, hat Michael Mann einfach die Daten der Thermometer angehängt.

Kritiker zerzausen das Machwerk, aber es kommt prominent im IPCC-Bericht von 2001 und in Al Gores Film »Eine unbequeme Wahrheit« von 2006 vor, prägt also bis heute, wie sich die Laien die Klimageschichte vorstellen. Michael Mann steht im Zentrum des Climategate-Skandals von 2009, als gehackte Mails zeigen, wie die Klimaforscher tricksten – darunter ausgerechnet jene der University of East Anglia, wo Hubert Lamb als Pionier lehrte. Der umstrittene Forscher legt bis heute seine Daten und Methoden nicht offen und zieht Kritiker vor Gericht: Wissenschaft geht anders.

Inzwischen belegen zahllose Studien, dass es die mittelalterliche Warmzeit und die Kleine Eiszeit gab, und zwar rund um den Globus. Aber der IPCC kämpft immer noch darum, die Sicht von Michael Mann zu bestätigen, nach seinem Motto: Wenn die Daten nicht zur Theorie passen, dann passen wir halt die Daten an.

Markus Schär

ist Historiker und Journalist (›NZZ‹, ›Weltwoche‹). Zur Klimadebatte gibt es mehr von ihm zu lesen auf www.cool-down-schweiz.ch.

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