Serie: Die 10 Fehler der Klimaalarmisten

4. Die Klimaalarmisten schließen natürliche Einflüsse aus

Auch wenn die Klimaalarmisten es nicht wahrhaben wollen: Die wechselnde Sonnenaktivität hat einen enormen Einfluss auf das Klima der Erde

von Markus Schär

Eigentlich gibt es eine ganz einfache Erklärung dafür, dass sich das Klima im 20. Jahrhundert erwärmte. »Die Aktivität der Sonne in den letzten siebzig Jahren war außergewöhnlich«, schreiben Forscher 2004 im weltführenden Wissenschaftsjournal ›Nature‹. Während der vergangenen 11.400 Jahre, stellen sie fest, hätten sie nur zu zehn Prozent der Zeit eine vergleichbare Aktivität und kaum eine andere so lange Periode wie im 20. Jahrhundert gefunden.

Es sind angesehene Forscher, die diese aufsehenerregenden Beobachtungen machten, unter ihnen Sami Solanki vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, Ilya Usoskin von der Universität Oulu in Finnland und Jürg Beer vom Institut Eawag der Schweizer ETH. Aber in den führenden Wissenschaftsjournalen kann niemand mehr zur Klimaforschung publizieren, der das Dogma des Weltklimarats IPCC infrage stellt. Deshalb müssen die Forscher in der Zusammenfassung ihrer Studie einen Rückzieher machen: »Obwohl die Seltenheit der gegenwärtigen Episode mit einer hohen Zahl von Sonnenflecken darauf schließen ließe, dass die Sonne zum außergewöhnlichen Klimawandel im 20. Jahrhundert beigetragen hat, zeigen wir, dass die Variabilität der Sonne kaum der dominante Grund für die starke Erwärmung der letzten drei Jahrzehnte sein dürfte.»

Zwar arbeiten die Forscher unverdrossen weiter: Sie stellen fest, dass es in der Kleinen Eiszeit, vor allem im Maunder-Minimum (1645–1715), kaum Sonnenflecken gab, jedoch außergewöhnlich viele in der hochmittelalterlichen Warmzeit, als die Wikinger in Grönland siedelten, was auf eine starke Sonnenaktivität schließen lässt. Und Ilya Usoskin zeigt in seinem Standardwerk ›History of Solar Activity over Millennia‹ Schwankungen der Sonnenstrahlung, die sich auffallend mit jenen der Temperatur decken.

Aber der Weltklimarat hält nichts von einer der ältesten Regeln der Wissenschaft, jener von Wilhelm von Ockham (1288–1347): Ein Wissenschaftler soll immer die einfachste Erklärung suchen. Der IPCC dekretiert: Die angeblich unnatürliche Erwärmung im ausgehenden 20. Jahrhundert kommt allein vom menschengemachten CO2. Diskussion geschlossen, bevor sie begonnen hat. Und die meisten Forscher fügen sich brav – sie wollen ja ihre Karrieren nicht gefährden.

Fritz Vahrenholt erntete denn auch nur Hohn und Wut, als er 2012 mit dem Geologen Sebastian Lüning das Buch ›Die kalte Sonne‹ herausgab. Der Umweltpolitiker der ersten Stunde hat als Manager einer Windkraftfirma erfahren, dass natürliche Faktoren wie die Strömungen in den Ozeanen das Klima stark beeinflussen. Gestützt auf den Forschungsstand vertreten Vahrenholt und Lüning deshalb die Auffassung, »dass ein großer Teil der Erderwärmung der letzten 150 Jahre durch einen natürlichen Zyklus bedingt ist, der von der Sonne geprägt wird«.

Die IPCC-Dogmatiker, die früher die deckungsgleiche Entwicklung von Sonnenaktivität und Temperaturen geflissentlich übersahen, höhnen jetzt, diese These könne nicht stimmen: Die Temperaturen stiegen in den letzten Jahren weiter auf Rekordwerte (zumindest gemäß den offiziellen Messungen), die Sonnenaktivität aber nahm ab und könnte gar auf einen Tiefstwert wie im bitterkalten Maunder-Minimum sinken. Aber der Hohn ist verfrüht: Klimahistoriker zeigen, dass die Temperatur mit einer Verzögerung von zehn bis zwanzig Jahren auf die Sonnenaktivität reagiert – ob eine neue Eiszeit anbricht, erfahren wir also erst im nächsten Jahrzehnt.

Markus Schär

ist Historiker und Journalist (›NZZ‹, ›Weltwoche‹). Zur Klimadebatte gibt es mehr von ihm zu lesen auf www.cool-down-schweiz.ch.

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