Serie: Die 10 Fehler der Klimaalarmisten

7. Die Klimaalarmisten machen die Welt ärmer.

von Markus Schär

Auch ökonomisch liegen die Klimaalarmisten daneben: Wer eine hohe Klimasteuer will, nimmt der Welt die Wachstumschancen, also gerade auch die Möglichkeiten, sich gegen Katastrophen zu schützen

Der 8. Oktober 2018 ist ein denkwürdiger Tag für die Klimapolitik. Einerseits stellt in Seoul der Weltklimarat IPCC einen Sonderbericht vor, der fordert, die Welt müsse den Temperaturanstieg nicht nur auf 2 Grad, sondern zur Sicherheit besser auf 1,5 Grad begrenzen. Anderseits gibt in Stockholm die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften bekannt, der Nobelpreis für Ökonomie gehe an den Amerikaner William Nordhaus, den Erfinder der Klimaökonomie. »Ein Statement für den Klimaschutz!«, jubeln die Medien weltweit – dabei vertragen sich die Forderungen des IPCC und die Erkenntnisse von Nordhaus nicht.

Denn der deutschstämmige 78-jährige Professor, der an der Yale University lehrt, ist ein brillanter Ökonom. Er wandte seit 1979 ein wichtiges Prinzip der Wirtschaftswissenschaften auf den Klimawandel an: die Internalisierung von Externalitäten. Dieses Prinzip soll eine Schwäche der Marktwirtschaft, die zum Fortschritt der letzten zwei Jahrhunderte geführt hat, korrigieren. Wer zum Beispiel das Abwasser seiner Fabrik ungereinigt in einen Fluss leitet, der zahlt für seine Produkte nicht die wahren Kosten – diese tragen die Menschen, die weiter unten am Fluss leben. Deshalb muss der Schaden, den das Abwasser verursacht (die Externalität), dem Fabrikanten in Rechnung gestellt (internalisiert) werden. Er kann seine Aktivitäten weiterführen, wenn er damit unter dem Strich für alle mehr Wert schafft. Oder er kann sie einstellen, wenn die Rechnung für ihn nicht mehr aufgeht.

Wenn die Theorie des IPCC stimmt, dass der menschengemachte Ausstoß von Treibhausgasen zu einer gefährlichen Klimaerwärmung führt, dann ist das CO2 die gegenwärtig größte Externalität. Die Weltgemeinschaft muss sie also internalisieren, indem sie einen Preis für das Ausstoßen von Treibhausgasen erhebt: eine CO2-Steuer. Welchen Schaden richtet aber eine Klimaerwärmung an? Und welchen Nutzen bringen die Maßnahmen, die der IPCC dagegen empfiehlt? Diese Fragen untersuchte William Nordhaus seit den 1990er-Jahren mit seinen Modellen – mit einem Ergebnis, das den Klimaalarmisten widerspricht.

Der Weltklimarat droht in seinem Sonderbericht von 2018 der Menschheit schlimmste Folgen an, wenn sie den Temperaturanstieg nicht auf 1,5 Grad Celsius begrenze, also ihren CO2-Ausstoss bis 2050 auf null zurückfahre. Diese Forderung ist aber nirgends ökonomisch hergeleitet. Dabei hätten die Alarmisten bei William Nordhaus nachlesen können: Er rechnet vor, dass die Politik, die der IPCC fordert, zu mehr Belastungen und vor allem Ertragsausfällen führen würde, als die Schäden der Klimaerwärmung im schlimmsten Fall kosten. Das heißt: Diese Politik würde die Welt ärmer machen.

Der Nobelpreisträger empfiehlt – gestützt auf die Modelle des IPCC mit all ihren Fragwürdigkeiten – dagegen eine Politik als optimal, die zu einer Erwärmung von 3,5 Grad führen würde. Diese ließe sich gemäß seinen Berechnungen mit einer moderaten CO2-Steuer erreichen. Wer ein strengeres Ziel anstrebe, der nehme der Welt die Wachstumschancen, also gerade auch die Möglichkeiten, sich gegen Katastrophen zu schützen. Die Klimaalarmisten, die die Menschheit mit apokalyptischen Szenarien blind zur Umkehr drängen, leugnen also auch die Wirtschaftswissenschaft.

Markus Schär

ist Historiker und Journalist (›NZZ‹, ›Weltwoche‹). Zur Klimadebatte gibt es mehr von ihm zu lesen auf www.cool-down-schweiz.ch

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