Serie: Die 10 Fehler der Klimaalarmisten

9. Die Klimaalarmisten kämpfen nicht gegen die wahren Probleme

Hochsubventioniert und nicht effektiv: Das Geld, welches die Staaten in unwirtschaftliche er-neuerbare Energien stecken wäre in Forschung und Entwicklung besser investiert

von Markus Schär

Er sagt: »Ja, die Klimaerwärmung ist ein Problem.« Er glaubt an die Erkenntnisse des Weltklimarats IPCC. Und er hält sich an die Modelle der Klimaforscher. Dennoch hassen die Klimaalarmisten kaum jemanden so, wie den dänischen Politologen Björn Lomborg. Denn er nimmt die Erkenntnisse der Wissenschaftler, im Gegensatz zu ihnen selbst, ernst.

Der Querdenker aus Kopenhagen erregte erstmals 1998 Aufsehen: Als Statistikdozent beschrieb er in einem Buch »der Welt wahren Zustand« (auf Deutsch: »Apocalypse No! Wie sich die menschlichen Lebensgrundlagen wirklich entwickeln«). Und er bekräftigte damit die unbequeme, vor allem von den Medien geleugnete Wahrheit, dass es der Menschheit immer besser geht.

Seit seinem Buch »Cool it« von 2007 vertritt er diese Haltung auch in der Klimapolitik. Er stellt fest: Ja, die gemäß dem Dogma menschengemachte Klimaerwärmung ist ein Problem für die Menschheit – doch bei Weitem nicht ihr größtes. Deshalb hat er zwei grundsätzliche Einwände. Erstens: Das viele Geld, das die Klimapolitiker einsetzen, bringt kaum etwas zur Lösung des Problems. Zweitens: Das viele Geld, oder auch nur ein Bruchteil davon, brächte viel mehr zum Lösen der wahren Probleme der Menschheit.

Die Klimaalarmisten machen es sich einfach, wenn sie die Wahrheiten von Björn Lomborg diskussionslos abtun: Der Politikwissenschaftler habe ja keine Studien mit Peer-Review publiziert, also wissenschaftliche Arbeiten, die vom Klüngel der Klimaforscher auf ihre Konformität überprüft worden sind (was das Gegenteil von Wissenschaft ist). Das ist wahr und doch verräterisch dumm. Denn Björn Lomborg stützt sich auf die beste Wissenschaft.

Der Kritiker hält sich daran, was der IPCC selbst publiziert. Davon ausgehend stellt er fest: Die Umsetzung des Pariser Abkommens würde bis 2030 mindestens eine Billion Dollar pro Jahr kosten – selbst wenn jedes Land sich an seine Verpflichtungen hielte, würde dies aber nur zu einem Prozent der CO2-Einsparungen führen, die gemäß IPCC nötig wären, um den Temperaturanstieg auf 2 Grad Celsius zu beschränken. Diese Politik macht die Welt ärmer, das sagt nicht Björn Lomborg, sondern der Amerikaner William Nordhaus, der für die Erfindung der Klimaökonomie den Nobelpreis bekam (siehe Folge 7).

Und der Kritiker fragt die gescheitesten Köpfe, was sich gegen die wahren Probleme der Menschen machen ließe. Bei der Online-Umfrage »My World 2015« der Uno stimmten weltweit fast zehn Millionen ab. Sie sollten unter sechzehn großen Problemen der Menschheit die größten wählen – der Klimawandel, der zuoberst auf der Liste stand, landete zuunterst. Wie sich das Leben der Menschen wirklich verbessern ließe, erforscht Björn Lomborg mit dem Copenhagen Consensus Center mit einigen der angesehensten Ökonomen der Welt, darunter mehrere Nobelpreisträger.

Dessen Studien zeigen: Den größten Nutzen für die Menschen brächten der Zugang zu Verhütungsmitteln, die Entwicklung von gesünderen Nahrungsmitteln, der Kampf gegen die Tuberkulose und vor allem, praktisch kostenlos, der Freihandel. Die Welt gibt, wie Björn Lomborg vorrechnet, derzeit jährlich 162 Milliarden Dollar für das Subventionieren ineffizienter erneuerbarer Energien aus. Die Maßnahmen, die seine Experten vorschlagen, würden dagegen nur 78 Milliarden kosten – es blieben also 84 Milliarden, um bessere Energieträger zu entwickeln. Aber den Klimaalarmisten geht es nicht darum, dass die Menschheit ihre Probleme löst, sondern darum, dass niemand an ihrem Dogma zweifelt.

Markus Schär ist Historiker und Journalist (›NZZ‹, ›Weltwoche‹). Zur Klimadebatte gibt es mehr von ihm zu lesen auf www.cool-down-schweiz.ch.

Folge 1
Folge 2
Folge 3
Folge 4
Folge 5
Folge 6
Folge 7
Folge 8

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