Serie: Die 10 Fehler der Klimaalarmisten: Folge 1

Die Klimaalarmisten lernen nichts aus ihrem Fehlalarm

Kälte und Feuchtigkeit prägen das Klima während der sogenannten kleinen Eiszeit vom 16. bis ins 19. Jahrhundert: Dies führte in den 1970ern zu Warnungen vor einer erneuten Abkühlung und zu einem ersten Klima-Fehlalarm

von Markus Schär

Mit diesem Artikel startet der Deutschland Kurier eine zehnteilige Serie zur Klimathematik. Eine nüchterne und wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung anstelle von Panikmache und Alarmismus ist überfällig. Der Deutschland Kurier sieht diese Serie als Beitrag zur Versachlichung der Klimadebatte.

Vor einer »Katastrophe auf Raten« warnt der ›Spiegel‹. Das Wetter spiele verrückt; die Extremsituationen nähmen seit einigen Jahren zu; ja das irdische Klima schlage offenbar um. Das Nachrichtenmagazin mit den angeblich härtesten Fakten sieht deshalb schwarz für die Welt: In seiner Ausgabe vom 12. August 1974 fürchtet es, wegen einer scharfen Abkühlung des Klimas komme es zu Hungerkrisen, wenn nicht gar zu einer neuen Eiszeit.

»Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?«, fragt Rudi Carrell auch ein Jahr darauf, 1975. Mit seinem Schlager feiert er einen Hit, denn die Menschen denken wie er wehmütig an bessere, also wärmere Zeiten zurück: »Was wir da für Hitzewellen hatten, Pulloverfabrikanten gingen ein. Dann gab es bis zu 40 Grad im Schatten, wir mussten mit dem Wasser sparsam sein.«

Und der holländische Entertainer stimmt damit nicht einfach in den Chor der Nostalgiker ein, die immer glauben, dass früher alles besser war. Weltweit erkennen die Wissenschaftler, dass in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein außerordentlich günstiges Klima herrschte. Vorher litten die Menschen seit dem 16. Jahrhundert unter einer kleinen Eiszeit, die Missernten und Seuchenzüge brachte und, weil man nach Sündenböcken suchte, zur Hexenjagd führte. Diese garstige Zeit endete um 1860, nach der «ausgeprägtesten Kaltperiode seit 1520», wie der Schweizer Klimahistoriker Christian Pfister feststellt.

Danach stiegen die Temperaturen schnell an, besonders nach dem Ersten Weltkrieg: Zwischen 1943 und 1952 sah Christian Pfister einen »Wärmegipfel«, mit einem denkwürdigen Dürresommer im Jahr 1947, als das Bauernland zur Steppe verödete und der Rhein zum Rinnsal verkam. Die Klimaforscher stellten fest, dass die Menschen in diesem halben Jahrhundert so günstige Bedingungen genossen wie kaum je in den letzten tausend Jahren. Ähnlich hohe Temperaturen gab es nur zwischen 1080 und 1200, als die Briten Wein anbauten und die Wikinger in Grönland (»Grünland«) siedelten. Dies übrigens, wie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, bei deutlich niedrigerem CO2-Gehalt der Atmosphäre.

»Der Klimawandel ist eine Bedrohung für die Menschheit«, warnen deshalb die führenden Forscher 1974 im Konsens: Wenn die scharfe Abkühlung seit den 1960er-Jahren anhalte, drohten weltweit Hungersnöte. Der aufstrebende Klimaforscher Stephen Schneider wählt das Zitat als Motto seines Bestsellers »The Genesis Strategy«, in dem er sich auch auf den Umweltwissenschaftler Reid Bryson beruft: Eine Milliarde Menschen werde verhungern.

Doch der Weltuntergang findet nicht statt, wie alle anderen, die zu dieser Zeit ausgerufen worden sind: das Ausplündern aller wichtigen Rohstoffe, vor dem der Club of Rome 1972 mit »Die Grenzen des Wachstums« warnte, das Waldsterben oder die Zerstörung der Ozonschicht. Die Klimaforscher, auch Stephen Schneider, aber lernen nichts aus ihrer Pleite. Nach wenigen wieder etwas wärmeren Jahren, 1988, warnt der NASA-Forscher James Hansen im US-Kongress erneut vor dem Klimawandel und die UNO setzt den Weltklimarat IPCC ein, um die wissenschaftlichen Beweise dafür zu liefern: Missernten und Seuchenzüge, Dürren, Fluten und andere Wetterextreme kommen jetzt nicht mehr von einer Abkühlung des Klimas – sondern von einer Erwärmung.

Markus Schär

ist Historiker und Journalist (›NZZ‹, ›Weltwoche‹). Zur Klimadebatte gibt es mehr von ihm zu lesen auf www.cool-down-schweiz.ch.

Folge 2: Die Klimaalarmisten führen die Erwärmung nur auf das CO2 zurück.

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