Sie alle wollen die SPD retten

Who the f… is Wallow?

Nicht eben ein Traumjob: Bis Ende August noch können sich Bewerber für den SPD-Vorsitz melden. Dann trifft die Basis eine Vorentscheidung. Die bisherige Kandidatenliste ist ernüchternd – um nicht zu sagen: erschütternd!

Erschütternd: Diese Herrschaften wollen die SPD zu alter Größe führen

Keine Frage: Die SPD ist in einer historischen Krise, die einst stolze deutsche Traditionspartei bewegt sich in den Umfragen stramm in Richtung 10 Prozent. INSA ermittelt aktuell nur noch klägliche 11,5 Prozent (Sonntagsfrage) für die Genossen bundesweit.

Noch bis zum 31. August können sich Einzelbewerber und Kandidaten-Duos um die Nachfolge so legendärer SPD-Chefs wie ehedem Erich Ollenhauer und Willy Brandt melden. Allzu groß ist das Interesse am Parteivorsitz bisher nicht. Und die, die sich bereits beworben haben, passen bis auf eine Ausnahme eher in ein Polit-Panoptikum.

Es spricht Bände über den Zustand der SPD, dass sich die sogenannte Parteiprominenz zurückhält. Vizekanzler Olaf Scholz sagte, er habe als Finanzminister »genug zu tun«. Manuela Schwesig will sich auf ihre Aufgabe als Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern konzentrieren. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil zögert noch, ist sich aber eigentlich so gut wie sicher, dass er nicht antritt. Die unter Plagiatsverdacht stehende Bundesfamilienministerin Franziska Giffey ist bis zur Klärung der Vorwürfe abgetaucht und spekuliert offenbar auf den Überraschungsfaktor.

 

Gesine Schwan

Und Gesine Schwan, ehemalige Kandidatin um das Amt der Bundespräsidentin und Mitglied der SPD-Grundwertekommission, sucht noch einen »geeigneten Partner«. Denn ein männlich-weibliches Duo gilt bei vielen an der Basis als Traumkonstellation.

Ausgemacht ist, dass die rund 400.000 Parteibuchinhaber per Mitgliederentscheid abstimmen sollen. Das formal letzte Wort hat dann der Parteitag, der nach jetziger Planung im Dezember stattfindet.

Bisherige Bewerber außer Schwan sind:

Nina Scheer und Karl Lauterbach

Karl Lauterbach, genannt »Karlchen«. Der 56-Jährige aus Düren (NRW) ist »Gesundheitsexperte« der SPD-Bundestagsfraktion und wird dem linken Parteiflügel zugerechnet. Der Medizinprofessor, der nach eigener Aussage seit Längerem für ein Eigenexperiment ohne Salz lebt (man sieht es ihm deutlich an), tritt im Tandem mit der linken »Umweltexpertin« Nina Scheer (47) aus Bremen an. Beide bewerben sich mit einer klaren Ansage: »Raus aus der großen Koalition, und zwar schnell!«

 

Michael Roth und Christina Kampmann

Christina Kampmann (38), »Europawissenschaftlerin«, Standesbeamtin und Ex-Familienministerin in Nordrhein-Westfalen, bewirbt sich im Team mit: dem hessischen SPD-Bundestagsabgeordneten Michael Roth (48), Staatsminister im Auswärtigen Amt, »Diplom-Politologe«. Beide haben sich bisher ambivalent zur Chaos-GroKo positioniert, stehen anders als Lauterbach/Scheer aber für einen eher moderaten Linkskurs, fordern mehr Bürgerbeteiligung. Allerdings: Beide stehen für uneingeschränkt noch mehr Masseneinwanderung.

 

Simone Lange und Alexander Ahrens

Simone Lange, 42 Jahre alt, Oberbürgermeisterin von Flensburg, Verwaltungswirtin. Ihr Traumpartner ist Alexander Ahrens (53), Oberbürgermeister von Bautzen, Jurist und Sinologe. Für Lange ist es bereits die zweite Bewerbung um den SPD-Vorsitz. Im April 2018 trat die bis dato weitgehend unbekannte Norddeutsche gegen Andrea Nahles an und erzielte ein Achtungsergebnis von immerhin 27 Prozent. Lange sieht sich als Kandidatin der SPD-Basis. Dieses Tandem will raus aus der Koalition mit der Union und die SPD ebenso wie Lauterbach/Scheer programmatisch deutlich nach links schieben. Beide vertreten u. a. die Auffassung, dass die SPD sich für ihre Hartz-IV-Reformen bei den Wählern »entschuldigen« sollte. Sozialpolitisch will dieses Tandem eine Umverteilung von »Reich nach Arm« – sprich: Sozialismus pur!

 

Robert Maier (Quelle: twitter.com/RobbiMaier)

Robert Maier, 39 Jahre alt, Internetunternehmer aus Berlin, Vizepräsident des SPD-»Wirtschaftsforums«. Immerhin, der Mann traut sich etwas: Während die SPD-Spitze für ein Team auf dem Parteivorsitz wirbt, tritt Meier als Einzelkandidat an und will die Partei eher wirtschaftsnah statt links positionieren. Er fordert von seiner SPD eine offene Diskussion über die Themen Sicherheit und Zuwanderung, Kritiker der Zuwanderung sollten nicht in die »rechte Ecke« gestellt werden, fordert er. Deutschland sei nur begrenzt aufnahmefähig. Bezüglich der Chaos-GroKo hat er sich nicht festgelegt. Trotzdem der bislang einzige vernünftige Bewerber!

 

Hans Wallow (Quelle: bundestag.de; 13. Wahlperiode)

Hans Wallow (79), Ex-Bundestagsabgeordneter und Beamter. Ob er allein oder im Tandem antritt, scheint noch nicht ganz klar zu sein. Der Rheinland-Pfälzer sieht die SPD als einen Tanker, der »fest im Treibsand« sitzt und den er gerne wieder herausziehen möchte. Dem ehemaligen Bundestagsabgeordneten liegt nach eigenen Angaben eine »humane Migrationspolitik sehr am Herzen«. Seine Logik lautet: Wenn die Koalition die Verteidigungsausgaben erhöhen wolle, müsse sie auch die Entwicklungshilfeausgaben erhöhen. Realistischerweise rechnet sich der nach eigenen Worten »lebenserfahrene Pensionär« nicht allzu große Chancen aus.

 

Kevin Kühnert

In der Parteiführung wird noch mit weiteren Kandidaturen bis Ende August gerechnet. Juso-Chef und Vergesellschaftungstheoretiker Kevin Kühnert (30) hält sich seine Entscheidung noch offen. Wer will, wer hat noch nicht? (oys)

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