Der Deutschland Kurier sprach mit Thilo Sarrazin über seinen neuen Bestseller

In seiner eigenen Partei gilt er als der leibhaftige Gottseibeiuns. Für das linksgrüne Kartell in Politik und Medien ist er eine Hassfigur. Sein Hausverlag kündigte ihm den Vertrag. Mainstream und Staatsfunk verrissen sein neues Buch bereits vor dem Erscheinen – ohne auch nur eine Zeile gelesen zu haben. »Hetze«, »Spaltung«, »Hass«, zischte es in den deutschen Feuilletons. Und doch verkaufen sich die Bücher des früheren Bundesbankers und Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin (SPD) zu Hunderttausenden.

Berlin, Tag der deutschen Einheit, Maritim Hotel: Vor vollbesetztem Saal tritt Roger Köppel, Herausgeber und Chefredakteur des Schweizer Traditionsblatts ›Weltwoche‹, ans Mikrofon und kündigt seinen Gast an: Thilo Sarrazin.

Es war die erste von drei Stationen des »Gipfeltreffens für freie Rede« (Zürich und Wien folgten am 4. und 5. Oktober), auf denen der Autor sein neues islamkritisches Werk »Feindliche Übernahme – Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht« präsentierte und sich den Fragen der Zuhörer stellte. Köppel hatte die Veranstaltungsreihe süffisant als »eine Art Schweizer Entwicklungshilfe in Sachen Demokratie« für deutsche Journalisten angekündigt.

Thilo Sarrazin:
Feindliche Übernahme
Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht

FinanzBuch Verlag, 2018
ISBN-13: 978-3959721622
Gebundene Ausgabe: 450 Seiten
Preis: 24,99 EUR

Sarrazins Ende August veröffentlichtes Buch war ein Politikum bereits vor Erscheinen: Sein Verlag ›Random House‹ weigerte sich, das Werk zu publizieren, Teile der SPD-Führung drohten Sarrazin, wie schon bei seinem Erstwerk »Deutschland schafft sich ab«, mit einem Parteiausschluss-Verfahren. Mehr Werbung ging nicht: Schon in der ersten Woche nach Erscheinen schoss das Buch an die Spitze der ›Spiegel‹-­Bestsellerliste.

Roger Köppel möchte der Einheitsfront von Vorverurteilungen die »Kraft der freien Rede und der offenen Auseinandersetzung über das Thema Islam und Zuwanderung« entgegensetzen. Dem Eidgenossen Köppel fällt vor allem der verkrampfte Umgang mit Sarrazins Buch in Deutschland auf. Weshalb dies so sei, will er von Sarrazin wissen. »Ein Teil der Medienvertreter ahnt, dass sie auf dem falschen Trip sind«, so die Erklärung Sarrazins. Die Debattenkultur habe sich zum Negativen entwickelt. »Verdrängung« stehe an Stelle von »Auseinander­setzung«.

Im Laufe des Vortrags argumentierte der frühere Berliner Finanzsenator, wie man es von ihm gewohnt ist: Nüchtern, mit vielen Zahlen, Statistiken und demographischen Hochrechnungen. Doch die haben es in sich: Zuwanderung und anhaltend hohe Geburtenrate würden Europa schon in wenigen Jahrzehnten zu einem islamischen Kontinent machen. Die einzige Lösung, um dies zu verhindern, sei ein weitgehender Stopp der Einwanderung aus islamischen Ländern und eine Erhöhung des Anpassungsdrucks auf die hier lebenden Muslime. Es sei eine »gefährliche Grundidee« zu unterstellen, dass alle Menschen auf der Welt »genauso ticken wie wir«, gab der Bestseller-Autor seinem Publikum mit auf den Weg.

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Vor der Veranstaltung befragte DK-Chefredakteur David Bendels den Bestseller-Autor zu seinem Buch, den Gefahren des Islams und den Vorwürfen, denen sich Sarrazin ausgesetzt sieht:

Deutschland Kurier: Herr Sarrazin, nach der Lektüre Ihres Buches stelle ich fest: Es gibt kaum eine Seite, auf der zumindest ich nicht neue, nach abendländischen Wertmaßstäben abstoßende und erschreckende Merkmale des Islam erfahren habe. Ihr selbst gesetzter Anspruch war, als sie das Buchprojekt »Feindliche Übernahme« angingen, dass Sie ein Werk »ohne Zorn und Eifer« schreiben wollten. Können Sie guten Gewissens sagen, diesem Anspruch gerecht geworden zu sein?

Thilo Sarrazin: Ja, das kann ich. Die Tonalität des Buches ist bewusst sehr nüchtern gewählt. Aber die Summe der Fakten ist in ihrer Wirkung natürlich dramatisch. Das will ich nicht bestreiten.

DK: In Ihrem Buch findet man auf fast 500 Seiten praktisch keine einzige positive Zeile über den Islam. Hand aufs Herz: Sind Sie islamophob?

Sarrazin: Nein, ich referiere und interpretiere Fakten. Am Islam als Religion kann ich tatsächlich nichts Positives entdecken. Ich bin aber weder ein gläubiger Christ noch Hindu oder Buddhist. Was ich untersuche, ist die Wirkung des Islams auf die Menschen islamischen Glaubens und ihre Kultur. Hier bin ich zu dem Schluss gekommen, dass man die Wirkung des Islams auf den Fortschritt einer Gesellschaft in der Summe als negativ sehen muss.

DK: Zu den Vorwürfen, die Ihnen gemacht werden, gehört, dass Sie der Integration von Muslimen schaden wollten …

Sarrazin: Das weise ich zurück. Muslime sind seit 50 Jahren in Deutschland und Österreich. Mein Buch ist gerade einmal sechs Wochen auf dem Markt. Das Scheitern der Integration kann man nicht mit meinem Buch in Verbindung bringen.

›Weltwoche‹-Chefredakteur Roger Köppel (links) mit Bestseller-Autor Thilo Sarrazin auf dem »Gipfeltreffen für freie Rede« in Berlin

DK: Warum eigentlich der provokative Titel »Feindliche Übernahme«?

Sarrazin: Der Titel meines Buches ist das Resultat einer Abwägung. Zur Wahl stand »Feindliche Übernahme« oder »Zeitbombe Islam«. Die Variante »Feindliche Übernahme« fand ich besser, weil es sich um einen schleichenden Prozess handelt und nicht um eine einmalige Explosion wie bei einer Bombe. Der Prozess ergibt sich daraus, dass die Mehrheit der Muslime in Europa der westlichen Kultur distanziert bis ablehnend gegenüberstehen. Diese Haltung praktizieren sie auch in ihrem täglichen Leben. Durch die Einwanderung und durch die besondere Rolle der Frau im Islam – ihre abhängige Stellung, ihre relative Unbildung, die frühe Heirat und die hohe Kinderzahl – wird der Islam allmählich zu einer dominanten Macht in Europa aufsteigen. Wenn die Muslime in Deutschland und in Österreich die Mehrheit sind und sich entscheiden, hier eine islamische Gesellschaft zu machen – dann ist die feindliche Übernahme vollzogen. Bis dahin geht sie schleichend von Stadtviertel zu Stadtviertel voran.

DK: Wird es irgendwann die »Isla­mische Bundesrepublik Deutschland? geben?

Sarrazin:
Lassen Sie es mich so sagen: Bei unveränderter Einwanderung und unveränderten Geburtentrends wird die Gesellschaft in 40 bis 60 Jahren »kippen«. Blicken wir nach Schweden: Malmö ist de facto eine arabische Stadt geworden. Blicken wir nach Frankreich: In den Pariser Banlieues herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände.

DK: Warum ist der Islam aus Ihrer Sicht so gefährlich?

Sarrazin: Der Koran vermittelt Abneigung gegenüber den Nichtgläubigen. Das Gefühl, auserwählt und überlegen zu sein, führt zu ungerechtfertigter Arroganz. Die im Koran angelegte Feindseligkeit gegenüber selbstständigem Denken führt zu geringerer geistiger Neugier und zu geistiger Trägheit. Das erklärt die technisch-zivilisatorische Rückständigkeit der Muslime. Gepaart mit der überdurchschnittlichen Fruchtbarkeit der islamischen Welt und ihrer demogra­fischen Expansion ist das eine Bedrohung für die Stabilität der westlichen Welt.

DK: Sie fordern, die Einwanderung von Muslimen nach Europa drastisch zu reduzieren …

Sarrazin: Mehr noch: Die unkontrollierte Einwanderung muss grundsätzlich unterbunden werden. Das bedeutet an sich totaler Stopp, aber es kann Ausnahmen geben, wie etwa das politische Asyl. Solange wir glauben, dass wir Einwanderung aus wirtschaftlichen Gründen brauchen, sollten wir uns Einwanderer aussuchen, die mit unserer Gesellschaft kompatibel sind.
Grundsätzlich müssen wir uns die Frage stellen: Wollen wir etwas ändern oder wollen wir alles so weiterlaufen lassen? Wenn wir etwas ändern wollen, müssen wir Flüchtlings- und Einwanderungspolitik streng voneinander trennen.

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