Sparer-Enteignung schreitet voran

Immer mehr Banken geben EZB-Negativzinsen auch an Privatkunden weiter!

Die nicht mehr nur schleichende Enteignung der deutschen Sparer und Anleger macht zügig weitere Fortschritte: Als nächste Bank reicht jetzt auch die »Berliner Sparkasse« die von der »Europäischen Zentralbank« (EZB) erhobenen Negativzinsen an Privatkunden durch.

Fürs Sparen bestraft: Immer mehr Banken erheben von ihren Kunden ein »Verwahrentgelt« für hohe Beträge auf Giro- und Tagesgeldkonten

Seit Anfang April berechnet jetzt auch die »Berliner Sparkasse« privaten Kunden Strafzinsen fürs Geldparken. Betroffen sind – vorerst – allerdings nur vermögende Kontoinhaber.

Obwohl die Hauptstadtsparkasse ihr Gewinnziel im vergangenen Jahr leicht übertroffen hat, führt sie auch für Privatkunden sogenannte Verwahrentgelte ein. Diese sind nichts Weiteres als Strafzinsen. Bisher wurden bei dem Geldinstitut Negativgebühren nur für Firmenkunden erhoben.

Wie bei vielen anderen Kreditinstituten sind die Einlagen der »Berliner Sparkasse« gewachsen. Einerseits wird das als ein Vertrauensbeweis der Kunden dargestellt. Andererseits, heißt es, seien die steigenden Einlagen aufgrund der von der EZB den Banken dafür in Rechnung gestellten Negativzinsen eine Belastung.

Denn: Die »Berliner Sparkasse« gehört zu den Instituten in Deutschland, die »passivlastig« sind. Das heißt, dass ihre Kundeneinlagen höher sind als die Summe der vergebenen Kredite. Rund 28,4 Milliarden Euro auf den Konten der Kunden standen 2018 eine Kreditvergabe von insgesamt 21,7 Milliarden Euro gegenüber. Für die überschüssige Liquidität, die sich aus dieser Differenz ergibt, muss die »Berliner Sparkasse« der EZB ein sogenanntes Verwahrentgelt von 0,4 Prozent zahlen.

Seit Anfang April reicht die Sparkasse jetzt also diese Strafzinsen für das Geldparken nicht nur an Firmen-, sondern auch an Privatkunden weiter. Wer als Privatkunde mehr als eine Million Euro anlegt, muss demnach mindestens 4.000 Euro/Jahr an Zinsen zahlen dafür, dass er (sie) Liquidität in dieser Höhe auf dem Girokonto oder dem Tagesgeldkonto vorhält. Bei Unternehmen liegt die Schwelle für den Negativzins bereits bei einer halben Million Euro. Man suche gemeinsam mit den Kunden »alternative Anlageformen«, erklärte die Bank.

Strafzins als »Verwahrentgelt« getarnt

Negativzinsen auch für Privatkunden sind längst keine Seltenheit mehr. Nach Untersuchungen des Verbraucherportals biallo.de erhoben zuvor schon mindestens 16 Banken und Sparkassen Negativzinsen oder ein »Verwahrentgelt« für Spareinlagen auf dem Tagesgeld- oder Girokonto. Die Geldinstitute schieben dafür den negativen Einlagezins der EZB vor, der angeblich die Ertragslage belaste. Für Einlagen bei der EZB müssen Banken und Sparkassen nämlich seit Mitte 2014 einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen, den immer mehr Geldinstitute auch an Privatkunden weiterreichen.

»Diese Argumentation ist aber mit Blick auf die aktuelle Ertragslage der Finanzinstitute nicht nachvollziehbar«, kritisiert Verbraucherschützer Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. »Tatsache ist, dass die Ergebnisse seit Jahren relativ konstant geblieben sind.«

Dass mittlerweile auch Genossenschaftsbanken nicht vor Negativzinsen für Privatkunden zurückschrecken, zeigt das Beispiel der »Sparda-Bank« Berlin – mit über 500.000 Teilhabern die mitgliederstärkste Genossenschaftsbank Deutschlands. Seit Anfang September 2017 berechnen die Berliner »Genossenschaftler« bei Beträgen ab 100.000 Euro aufs Tagesgeld ein sogenanntes »Verwahrentgelt« von minus 0,4 Prozent pro Jahr. Die Bank begründete den Schritt ebenfalls mit der Kostenbelastung durch den negativen Einlagezins der EZB. Betroffen sind laut »Sparda-Bank« Berlin rund ein Prozent der Kunden.

»Es ist völlig in Ordnung, einen Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto zu haben, aber ab 100.000 Euro kann von einem Notgroschen wirklich nicht die Rede sein«, erklärte die Sprecherin der Berliner »Sparda-Bank«. Das hörte sich bis vor Kurzem noch ganz anders an. 2014 tönte der damalige Chef des »Sparda-Banken-Verbandes«, Joachim Wuermeling: »Unseren Sparkunden sind Minuszinsen nicht begreiflich zu machen. Die schwäbische Hausfrau steht kopf, wenn sie fürs Sparen zahlen muss.« (hh)

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