SPD ehrt Abtreibungsärzte mit Auszeichnung

Abtreibungspartei SPD: Unter dem Druck der Sozialdemokraten wurde das Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche gelockert, jetzt ehrt die SPD-Ostallgäu zwei prominente Abtreiber

Bayern – Anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März ehrt der SPD-Unterbezirk Ostallgäu zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen zwei Abtreibungsärzte für ihre »besondere Verdienste um die Gleichstellung«. Die Träger der »Roten ASF-Rose« sind den SPD-Frauen ein »leuchtendes Vorbild«. Lebensschutzorganisationen kritisieren die Ehrung scharf.

Der SPD-Unterbezirk Ostallgäu hatte zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen angekündigt, den beiden Medizinern Kristina Hänel und Friedrich Stapf anlässlich des Weltfrauentags am 8. März in Füssen die »Rote ASF-Rose« zu verleihen. In der Begründung heißt es: »Beide haben entscheidend dazu beigetragen, dass Frauen in Deutschland, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden, nach einer persönlichen Beratung diesen Eingriff in der Obhut qualifizierter ÄrztInnen durchführen lassen können.«

Hänel wurde überregional bekannt, weil sie seit 2009 – unter anderem auf ihrer Homepage – für Abtreibungen geworben hatte. Infolge des dritten Ermittlungsverfahrens wurde Hänel von dem Amtsgericht Gießen Ende 2017 zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen verurteilt. Aktuell läuft noch ein Revisionsverfahren. Als Konsequenz ihres Falles machten sich Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und die FDP für die Abschaffung beziehungsweise Einschränkung des Straftatbestandes stark. Die Bundesregierung leitete 2018 die Reform des Paragraphen 219a ein, der Werbung für vorgeburtliche Kindstötungen unter Strafe stellte.

Hänel erhielt erst am vergangenen Freitag den mit 10.000 Euro dotierten Anne-Klein-Frauenpreis der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung. Hänel gab ihrer Freude über die SPD-Ehrung auf ›Twitter‹ mit den Worten Ausdruck: »Während in Berlin Gesetze gemacht werden, die mich meiner Freiheit berauben wollen, werde ich weiter geehrt: am 1.3. Anne-Klein-Frauenpreis in Berlin mit Nora Szasz und Natascha Nicklaus, am 8.3. die ASF Rose im Ostallgäu mit Friedrich Stapf zusammen. #219a.«

Ihr Kollege, Friedrich Stapf, ist ein Münchner Abtreibungsarzt, der an der Entstehung der 1993 eingeführten Fristenlösung mit beteiligt war. Nach eigenen Angaben und wie die ›Münchner Abendzeitung‹ berichtet, nimmt der 72-Jährige rund 3.000 Abtreibungen jährlich in seiner Praxis vor und gilt als einer der bekanntesten Ärzte in Deutschland, die Abtreibungen durchführen.

Kritik an der Preisvergabe kommt von Lebensschützern: Die »Christdemokraten für das Leben« (CDL) in Bayern teilten mit, die Preisverleihung sei kein Festakt, »sondern die Beerdigung von Menschlichkeit, Gleichberechtigung und Gleichstellung«. Die bayerische CDL-Landesvorsitzende Christiane Lambrecht bezeichnete die Auszeichnung weiter als »erschreckende Botschaft« und sprach sich für einen gesellschaftlichen Wandel aus, damit ungeplante Kinder als »Zukunft und Lebensbereicherung« betrachtet werden.

Die CDL war bis zum vergangenen Jahr eine Sonderorganisation der Unionsparteien, im August des vergangenen Jahres wurde ihr von Präsidium und Bundesvorstand der CDU dieser Status aber entzogen, gemeinsam mit dem »Wirtschaftsrat der CDU« und der »WerteUnion«.

Alexandra Maria Linder, Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle e. V. (ALfA), zeigte sich schockiert, dass »Menschen, die an der Not von Frauen und am Tod ihrer vorgeburtlichen Kinder Geld verdienen«, bejubelt und mit Preisen bedacht würden. »Stattdessen sollten all die Menschen Preise erhalten, die sich Tag und Nacht für Frauen im Schwangerschaftskonflikt und ihre Kinder einsetzen«, so die Forderung. Beide Organisationen rufen für Freitag zu einer Protestkundgebung vor der Geschäftsstelle der bayerischen Sozialdemokraten in München auf.

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