SPD-Spott nach Wagenknecht-Rückzug von »Aufstehen«

Will nicht mehr Frontfrau von »Aufstehen« sein: Linken-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht

Nach der Bekanntgabe ihres Rückzugs aus der Führung der krachend gescheiterten linken Bewegung »Aufstehen« bekommt Sahra Wagenknecht nun den beißenden Spott der Genossen –aus den eigenen Reihen wie auch aus der artverwandten SPD – zu spüren.

Unter maximaler medialer Aufmerksamkeit verkündete Sahra Wagenknecht vor einem halben Jahr den Gründungsaufruf der linken Bewegung »Aufstehen«. Emsig trugen sich in kürzester Zeit 170.000 Menschen, die den Spielarten des Sozialismus etwas abgewinnen können, in die Verteilerliste der Bewegung ein. Am Wochenende nun teilte Wagenknecht in einem Interview mit, sich aus der Spitze der »Aufstehen«-Bewegung zurückziehen zu wollen. Nicht einmal die engsten Mitstreiter seien von ihr über ihren geplanten Rückzug unterrichtet worden, so die Klage.

Als Grund gab die Linken-Politikerin neben einer personellen Neuaufstellung gesundheitliche Gründe an. »Dass ich jetzt zwei Monate krankheitsbedingt ausgefallen bin, hatte auch mit dem extremen Stress die letzten Jahre zu tun«, so die hauptberufliche Sozialistin gegenüber der ›Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung‹. Sie werde aber weiterhin »Aufstehen« unterstützen. Es sei ein großartiges Projekt, das gebraucht werde. Zur Verbesserung der Strukturen der Bewegung sei es an der Zeit, dass sich die Berufspolitiker zurücknähmen, so ihr Statement.

Aus ihrer eigenen Fraktion erntete Wagenknecht stehenden Fußes Kritik. Ihr Parteigenosse Michel Brandt äußerte sich erstaunt über ihre Entscheidung. Nach ihrem Scheitern kehre sie wieder »in den Schoß der Partei« zurück.

Der ehemalige Schatzmeister der SED-Nachfolgepartei, Thomas Nord, äußerte sich über Wagenknechts gescheiterten Versuch ebenfalls wenig freundlich: »Die Art und Weise, wie sich Wagenknecht von ›Aufstehen‹ verabschiedet, zeigt, wie wenig Respekt sie vor Leuten hat, die ihr nicht mehr nützlich erscheinen. Wenn sie weiter ihr eigenes Süppchen kocht, dann werde ich sie auch weiter kritisieren. Das hat nichts mit Nachkarten zu tun. Die Partei muss sich selbst ernst nehmen.«

Massiv mit Spott überzogen wurde die 49-Jährige auch aus den Reihen der SPD-Genossen. In vorderster Front Johannes Kahrs, Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion im Haushaltsausschuss und mehrfach durch seine ausgemachten Hasstriaden gegen die AfD auffällig geworden. »Wagenknecht bleibt liegen. Will nicht mehr aufstehen. Die Arbeit sollen jetzt andere machen. Peinlich«, so das Gezwitschere des SPD-Politikers.

Parteigenosse Simon Vaut, SPD-Europakandidat aus Brandenburg, sprach von einer »guten Nachricht«. Wagenknecht sei mit ihrer Bewegung zu Recht sang- und klanglos gescheitert: »Ihr nationaler Sozialismus schadet.« Rot-Rot-Grün sei nun »wieder ein bisschen wahrscheinlicher geworden«, freut sich Vaut ebenfalls auf ›Twitter‹.

Einer glaubt jedoch nach wie vor fest an die Bewegung: Mitbegründer und Ehemann Oskar Lafontaine. Die Bewegung sei mit mehr als 160.000 Unterstützern »sehr gut gestartet«, sagte er der ›Bild am Sonntag‹. »Der Bedarf nach einer Politik, die das Soziale wieder in den Mittelpunkt rückt, ist groß.« Lafontaine sprach von »üblichen Anfangsschwierigkeiten«.

Die Sozialistin Wagenknecht hatte »Aufstehen« Anfang September 2018 zusammen mit ihrem Ehemann Oskar Lafontaine (Linke) gegründet, um ihrer Aussage nach linke Wähler zu erreichen, die sich von den Parteien abgewendet haben. Spekuliert wurde, ob Wagenknecht das Projekt »Aufstehen« zu einer eigenen Partei ausbauen werde. Wagenknecht wurde für ihre Kritik an der Flüchtlingspolitik und der offenen Grenzen, die sie als »weltfremd« einstufte, massiv von ihren Parteigenossen kritisiert. Jedoch blieb ein Erfolg von »Aufstehen« aus. Zuletzt machte die Bewegung eigentlich nur wegen interner Streitigkeiten aufgrund intransparenter Strukturen und nicht bezahlter Rechnungen Schlagzeilen.

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