Spekulationen nach Selbstmord:

Warum nahm sich Hessens Finanzminister wirklich das Leben?

Der Freitod des hessischen Finanzministers ist Gegenstand von Spekulationen

Der mutmaßliche Selbstmord des hessischen Finanzministers Thomas Schäfer hat Betroffenheit über die Parteigrenzen hinweg ausgelöst. In einem Abschiedsbrief soll der CDU-Politiker von einer »Aussichtslosigkeit« der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lage geschrieben haben, die ihm »zu schaffen gemacht« habe. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sprach von einer Verzweiflungstat im Hinblick auch auf Corona: »Ich muss davon ausgehen, dass ihn diese Sorgen erdrückt haben. Er fand offensichtlich keinen Ausweg mehr.«

Oder hat der 54-Jährige Informationen mit ins Grab genommen, die geeignet sein könnten, das Vertrauen in die politische Führung des Bundeslandes insgesamt zu erschüttern?

In mehreren Medien wird über Verwerfungen im hessischen Staatshaushalt spekuliert. Hintergrund sind teure Derivate (hochspekulative Finanzwetten) mit jahrzehntelangen Laufzeiten, mit denen sich das Land Hessen nach der Weltfinanzkrise 2008 gegen wieder steigende Zinsen absichern wollte. Das Problem: Die Zinsen stiegen nicht – sie fielen und fielen und fielen. Weshalb die Derivate zum teuren Ladenhüter für die hessischen Steuerzahler werden könnten. Mit anderen Worten: Hessen hat sich offenbar gründlich zulasten der Steuerzahler verzockt!

Hinzu kommt: Der CDU in Hessen drohen hohe Strafzahlungen. Dabei geht es nach ›Spiegel‹-Informationen um lückenhafte Rechenschaftsberichte im Zusammenhang mit einer lange verheimlichten Immobilie. Konkret handelt es sich um eine Gründerzeitvilla in Marburg, in der sich auch das Wahlkreisbüro von Schäfer befand. Die Immobilie, die mehr als 700.000 Euro wert ist, hatte demnach jahrzehntelang in den Vermögensbilanzen der Partei gefehlt.

Schäfer war am Wochenende an einer ICE-Strecke im Main-Taunus-Kreis tot aufgefunden worden. Er soll einen Abschiedsbrief hinterlassen haben. Dennoch drängen sich im Zusammenhang mit seinem mutmaßlichen Freitod Fragen auf. Doch wie sagt der Lateiner: de mortuis nil nisi bene – über die Toten soll man nur Gutes reden.

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