Staatsanwaltschaft ermittelt

Half ›Bild‹ bei Börsenmanipulation?

Welches Interesse hat Ex-›Bild‹-Chef Kai Diekmann an einem chinesischen Pharmaunternehmen?

Was hat ein ›Bild‹-Bericht mit dem Aktienkurs eines chinesischen Unternehmens zu tun? Und welches Interesse hatte Ex-›Bild‹-Chef Kai Diekmann an diesem Unternehmen? Die Staatsanwaltschaft ermittelt hinsichtlich »aller rechtlicher Belange«.

Im Februar dieses Jahres bejubelte ›Bild‹ wieder einmal eine »Weltsensation«: »Erster Bluttest erkennt zuverlässig Brustkrebs«, lautete die Schlagzeile auf der Titelseite. Der Beitrag ist noch heute auf dem Onlineportal des »Springer«-Blattes zu finden. Die Uniklinik Heidelberg habe diesen Test entwickelt.

Mit der Sensation und der Zuverlässigkeit des Tests ist es, wie der Fortgang der Geschichte zeigen sollte, offenbar nicht so weit her, wie ›Bild‹ seinen Lesern glauben machen wollte. Zunächst griffen in den Folgetagen mehrere Medien die Geschichte eher unkritisch auf. Wie das medienkritische Portal ›Bildblog.de‹ akribisch nachzeichnet, folgte bereits eine Woche nach der Veröffentlichung eine deutliche Relativierung von fachlicher Seite: Sieben Verbände, etwa die Deutsche Krebsgesellschaft oder die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, gaben eine gemeinsame Stellungnahme heraus, in der sie die Berichterstattung kritisierten: Sie sei »ohne Evidenzgrundlage«, sei »kritisch zu bewerten« und vor allem sei die Studie »nicht abgeschlossen«, die Ergebnisse »nicht publiziert« und »der Test noch nicht zugelassen«.

Das Klinikum Heidelberg ruderte denn auch schnell zurück. Es bedauerte, dass es zu »Irritationen« gekommen sei. Und es erklärte, dass für die PR-Strategie zum Bluttest die Firma »Heiscreen GmbH« zuständig gewesen sei. Die Firma ist eine Ausgründung der Klinik.

Aus der »Weltsensation« wurde jedenfalls inzwischen ein Börsenthema, für das sich auch die Staatsanwaltschaft interessiert. Dazu folgender Hintergrund:

An der Firma Heiscreen ist laut ›Bildblog.de‹ der Unternehmer Jürgen Harder beteiligt. Und Partner des Uniklinikums ist eine chinesische Pharmafirma, deren Aktienkurs nach der ›Bild‹-Berichterstattung regelrecht durch die Decke ging. Der Kurs der »NKY Medical« erreichte Ende März seinen bisherigen Höhepunkt. Wer am 30. Januar 2019 Aktien der Firma gekauft hatte – am Tag, an dem der Fakultätsrat entschied, mit dem Krebstest an die Öffentlichkeit zu gehen – kann diese nun mit gewaltigen 82 Prozent Gewinn verkaufen. Binnen weniger Tag sprang der Kurs von »NKY Medical« um 60 Prozent in die Höhe. Das ist nachvollziehbar: Wäre der Test wirklich ein Erfolg, würde ein Milliardengeschäft winken.

Was aber hat Ex-›Bild‹-Chef Kai Diekmann damit zu tun?

Die ›Rhein-Neckar-Zeitung‹ will erfahren haben, dass Diekmann bei mehreren »Treffen in Sachen Brustkrebs« dabei gewesen sein soll. Diekmann bestreitet dies, bezeichnet Jürgen Harder der seit 14 Jahren der Lebensgefährte von Ex-Schwimmstar »Goldfisch« Franziska van Almsick und Vater zweier gemeinsamer Kinder ist,aber als einen »persönlichen Freund«.

Pikant: Diekmann betreibt seit 2017 mit dem umstrittenen Investmentbanker Lenny Fischer den »Zukunftsfonds« (der Deutschland Kurier berichtete), bei dem Diekmann offiziell als Leiter Kommunikation firmiert. Der Fonds, mit dem Anleger »clever investieren« sollen, ist allerdings ein vergleichsweise eher bescheidener Multi-Asset-Fonds, der in verschiedene Anlageklassen investiert, und bislang eine Negativ-Rendite ausweisen soll.

20 Milliarden Euro Anlagevermögen hatte der Fonds bei seiner Gründung als Zielmarke ausgegeben –  dem Vernehmen nach sollen es heute gerade einmal rund 15 Millionen Euro sein.

Fakt ist: Die Staatsanwaltschaft Mannheim ermittelt seit Anfang April wegen Verdachts auf Kursmanipulation und Insiderhandel mit Aktien. Und es heißt: Diekmann habe noch immer einen guten Draht zur Chefredaktion seines früheren Blattes und in den Verlag »Axel Springer«. Die ›Rhein-Neckar-Zeitung‹ spekuliert, dass die ›Bild‹-Schlagzeile »Weltsensation aus Heidelberg« in diesem Szenario eine wichtige Rolle spielen könnte, weil sie womöglich den Kurs einer Aktie in China beflügelt hat. Zwar gebe man sich bei der Justiz bedeckt und verweise lediglich auf erste Erkenntnisse durch die Berichterstattung der ›RNZ‹ — ermittelt werde »in allen rechtlichen Belangen«.  (hh)

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