Studie: Jede fünfte Region in Deutschland verliert den Anschluss an den Wohlstand

Merkel-Land ist abgebrannt

19 Regionen in Deutschland haben bei den Themen Wirtschaft, Demografie und Infrastruktur teils mit massiven Problemen zu kämpfen. Längst nicht alle liegen in Ostdeutschland oder auf dem platten Land.

Blanker Hohn: Der Slogan von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) aus dem Bundestagswahlkampf 2017

Während Deutschlands Metropolregionen wie München oder Hamburg boomen, drohen auf der anderen Seite zahlreiche Regionen, den Anschluss zu verlieren. In 19 von insgesamt 96 Regionen gibt es »akuten Handlungsbedarf« in Sachen Wirtschaft, Demografie und/oder Infrastruktur. So lautet ein zentrales Ergebnis der umfassenden Regionalstudie Deutschlands Regionen im Vergleich des »Instituts der deutschen Wirtschaft« (IW) in Kooperation mit Wissenschaftlern von vier deutschen Hochschulen. »Die betroffenen Länder sollten Schuldenerlasse für die Kommunen in Betracht ziehen, damit diese wieder handlungsfähig werden«, so IW-Direktor Michael Hüther.

Zu den insgesamt 19 Gebieten gehören sowohl ländlich geprägte und dünn besiedelte Regionen als auch dicht besiedelte, urbane Industriereviere. Darunter sind 11 in den ostdeutschen Bundesländern, 4 Regionen in Nordrhein-Westfalen entlang der Ruhr sowie Bremerhaven, das Saarland, Schleswig-Holstein Ost und die Westpfalz.

In drei Kategorien mit je vier Indikatoren haben die Wissenschaftler die Regionen bewertet: Die wirtschaftlichen Indikatoren berücksichtigen beispielsweise die Arbeitslosenquote oder die Überschuldung privater Haushalte. Die demografischen Indikatoren erfassen unter anderem die Entwicklung der Einwohnerzahl und das Durchschnittsalter der Bevölkerung. Die Infrastrukturindikatoren weisen auf die Leistungsfähigkeit der öffentlichen Hand hin, liefern mit Blick auf die Breitbandausstattung aber auch Indizien für die Modernität und Innovationsfähigkeit einer Region. Die Immobilienpreise zählen ebenfalls zu dieser Kategorie, da sie die Attraktivität eines Standorts widerspiegeln.

Problemregion im Westen, Beispiel Duisburg: Die Ruhrmetropole ist zum abgehängten Multi-Kulti-Schmelztiegel verkommen

Schlusslichter im Bereich Wirtschaft liegen im Westen

Mit Blick auf die Wirtschaft liegen die Schlusslichter demnach in Westdeutschland: Besonders düster sieht es in Duisburg-Essen, Emscher-Lippe und Bremerhaven aus. Die Region Duisburg/Essen gehört in den Dimensionen »Wirtschaft« und »Infrastruktur« sogar zu den mehrfach gefährdeten Regionen Deutschlands. Der Deutschland Kurier berichtete schon vor über einem halben Jahr, wie die einstige Perle des Ruhrgebiets zum abgehängten Multi-Kulti-Schmelztiegel verkommen ist.

Die Verschuldung der Kommunen nahmen die Forscher ebenfalls unter die Lupe. Denn Kreise und Gemeinden, die wenig oder gar keinen finanziellen Handlungsspielraum haben, werden sich nur schwer für die Zukunft rüsten können. Auch hier liegen die Problemregionen im Westen: Besonders tief in den roten Zahlen stecken Emscher-Lippe, Trier und die Westpfalz.

Problemregion im Osten, Beispiel Oberlausitz (aufgegebene Landbäckerei in Melaune): Die neuen Bundesländer haben mit Landflucht und Bevölkerungsschwund zu kämpfen

In Ostdeutschland sehen die Studienautoren vor allem bei der Demografie »eindeutigen Handlungsbedarf«. Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg, Lausitz-Spreewald, Oberlausitz-Niederschlesien sowie Ost- und Südthüringen weisen laut Studienersteller ein hohes Durchschnittsalter der Bevölkerung auf, das in den vergangenen Jahren auch noch überproportional gestiegen sei (vgl. mit dem Bericht des Deutschland Kurier vom 15. April).

Infrastrukturprobleme gibt es der Studie zufolge hingegen deutschlandweit. Ganz besonders im Hinblick auf die von der deutschen Politik sträflich vernachlässigte digitale Infrastruktur. Jens Südekum, Volkswirtschaftler und Co-Autor der Studie, empfiehlt daher einen flächendeckenden Ausbau mit dem superschnellen Mobilfunkstandard 5G. »Ohne 5G wird es die vollautomatische Fabrik in der Provinz nicht geben«, betonte er. Auch hier müsste vor allem Ostdeutschland stärker als bisher in den Fokus rücken: In Sachsen-Anhalt, in den Regionen Altmark, Magdeburg und Halle/Saale, steht die digitale Infrastruktur noch ganz am Anfang.

»Gefährliche Abwärtsspiralen« drohen

Als Gegenmaßnahme müssen gefährdete Regionen attraktive Bildungsangebote schaffen – am besten eng verzahnt mit der Wirtschaft. Selbstverständlich könne der Staat nicht flächendeckend in neue Hochschulen investieren, aber in einigen Regionen sollte das Angebot erweitert werden, so die Empfehlung. Zudem müsste der Schienenverkehr ausgebaut werden, um ländliche Regionen besser an Metropolen anzuschließen. Die Regionalpolitik müsse jetzt dringend gegensteuern, sonst würden die gesellschaftlichen Spannungen zunehmen und es könne zu »gefährlichen Abwärtsspiralen« kommen, warnten die Forscher.

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