Studie:

Vier bis fünf Millionen »unautorisierte Migranten« in Europa

Die Zahl der Migranten ohne Aufenthaltsgenehmigung steigt in Europa rapide: Besonders betroffen sind Großbritannien und Deutschland

Die Zahl der Migranten ohne Aufenthaltsgenehmigung in Europa beläuft sich laut einer aktuellen US-amerikanischen Studie auf ca. vier bis fünf Millionen. Annähernd die Hälfte lebt demnach in Deutschland und Großbritannien.

In Europa lebten 2017 zwischen 3,9 und 4,8 Millionen Migranten ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung. Zu dieser Schätzung kommt das PEW-Institut (Pew Research Center) aus Washington in einer aktuellen Studie. Es beruft sich auf Zahlen aus den 28 EU-Staaten und den vier europäischen EFTA-Staaten Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz.

Als »unautorisierte Migranten« zählt das Institut alle Menschen, die in ihrem Aufenthaltsland leben, ohne eine entsprechende Genehmigung zu besitzen. Darunter fallen auch Asylbewerber, die noch auf eine Entscheidung über ihren Antrag warten und daher nur eine »Aufenthaltsgestattung« (vorübergehende Aufenthaltsgenehmigung) haben, da ihr künftiger Aufenthaltsstatus unklar ist. Ebenso fallen in die Kategorie Besucher, deren Visum abgelaufen ist, und Kinder unautorisierter Migranten, selbst wenn diese nie selbst migriert sind, weil sie in Europa geboren wurden, ohne dadurch aber eine hiesige Staatsbürgerschaft erlangt zu haben.

Für 2014 geht das Institut demnach noch von 3 bis 3,7 Millionen unautorisierter Migranten in Europa aus, für 2016 schätzt es eine Zahl zwischen 4,1 und 5,3 Millionen. Den Anstieg dieser Zahlen zwischen 2014 und 2016 führt die Studie vor allem auf den Flüchtlingsstrom von 2015 zurück, als mehr als 1,3 Millionen Menschen Asyl in den 28 EU- und den vier europäischen EFTA-Staaten beantragten.

Annähernd die Hälfte der unautorisierten Migranten lebt laut der Studie in Deutschland und Großbritannien: Für 2017 wird ihre Zahl in Deutschland zwischen 600.000 und 700.000 beziffert, für Großbritannien zwischen 800.000 und 1,2 Millionen. Es folgen Italien (300.000 bis 600.000), Frankreich (300.000 bis 400.000), Griechenland und die Tschechische Republik (jeweils 100.000 bis 200.000). Andere Institute schätzen die Zahlen wesentlich höher ein.

Auch auf Länderebene ist ein Anstieg der Zahl unautorisierter Migranten durch den Flüchtlingssommer 2015 deutlich erkennbar: Geht das Pew-Institut für 2014 in Deutschland noch von 300 bis 400.000 illegalen Migranten aus, so sind es 2015 schon 200.000 bis 800.000 und 2016 zwischen 500.000 und 800.000. Auch in Großbritannien war die Zahl der illegalen Migranten 2016, im Jahr nach der Flüchtlingskrise, mit 900.000 bis 1,3 Millionen demnach am höchsten und fiel danach nur geringfügig ab. (fjs)

Link zur Studie des PEW-Instituts

Drucken