Subventioniertes »Team Pferdeschwanz«

Boris T. Kaiser

Am Montag spielen die deutschen Frauen im letzten Gruppenspiel der Fußball-WM in Frankreich gegen Südafrika. Die Partie ist nur noch reine Formsache. Deutschland ist nach zwei Siegen bereits sicher fürs Achtelfinale qualifiziert. Während ein Ausscheiden in der Vorrunde bei den deutschen Frauen also nicht mehr zur Debatte steht, wird über ein anderes Thema rund um das DFB-Damen-Team und den Profifußball weiter heiß diskutiert. Viele linksgrüne Medien haben eine angeblich ungerechte, weil ungleiche, Bezahlung der Frauen und Männer auf dem Rasen ausgemacht. Die Debatte zeigt einmal mehr, was das wohl grundlegendste Missverständnis in der Systemkritik der politisch Linken ist: Die Verwechslung von Gleichheit mit Gerechtigkeit. Werden Frauen und Männer im Fußball ungleich bezahlt? Ganz klar: Ja. Ist diese ungleiche Bezahlung ungerecht? Sicherlich nicht.

Jedenfalls nicht in der Weise, in der es uns das feministische Narrativ einzureden versucht. Denn in Wahrheit sind die Frauen im Fußball nicht unterbezahlt, sondern überbezahlt. Zumindest dann, wenn man an sie, ganz im Sinne der Gleichberechtigung, die gleichen Maßstäbe ansetzt, wie an die Männer. Denn Ronaldo, Messi und Co., bekommen ihre Millionengehälter von den Vereinen und ihre hohen Prämien von den Verbänden ja nicht, weil sie in der Mannschaftsdusche bewiesen haben, dass sie dem männlichen Geschlecht angehören, sondern weil sie für ihre Geldgeber ein Vielfaches ihres Lohnes an Einnahmen generieren.

Die Männer sorgen für volle Stadien, hohe Zahlungen der Fernsehsender, Unsummen aus dem Verkauf von Trikots und anderen Fan-Artikeln sowie etlichen Werbe-Deals, von denen nicht nur die Spieler selbst, sondern eben auch immer ihre Vereine und Nationalmannschaften und damit die Verbände profitieren. Nicht bloß während der WM, sondern die ganze Saison über. Superstar Cristiano Ronaldo gilt nicht nur als Fußballgott, er ist auch eine regelrechte Werbe-Ikone. Der Portugiese macht für so ziemlich alles Werbung; vom Sportartikel-Hersteller, über Autos und Luxusuhren, bis hin zu Kosmetikprodukten. Außerdem verdient er gutes Geld mit seiner eigenen Unterwäschekollektion. Er stört sich noch nicht einmal daran, wenn er dabei zum »Sexobjekt abgestempelt« wird.

Der Frauenfußball und seine Protagonistinnen leben dagegen in erster Linie von Subventionen. Auch und gerade von dem Geld, das die Männer, im wahrsten Sinne des Wortes, für sie einspielen. Die, die von Lohngerechtigkeit sprechen, wollen also in Wahrheit, wie so oft, nichts anderes als Umverteilung. Sie bedienen sich dabei gerne dem Mittel der moralischen und emotionalen Erpressung. Nachdem die Gewinnerin des Ballon d’Or 2018, Ada Hegerberg, nach einem Prämienstreit aus der Nationalmannschaft von Norwegen zurückgetreten ist, hat der norwegische Verband die Prämie der Frauen für die WM von 316.000 auf 612.000 Euro nahezu verdoppelt. Möglich war dies freilich nur, durch einen Verzicht der Männer auf Teile ihrer Prämien.

Die deutschen Spielerinnen würden für den WM-Titel in diesem Jahr jeweils 75.000 Euro vom DFB bekommen. Eigespielt werden muss das Geld fürs »Team Pferdeschwanz« von den Männern, die die Eier haben und deren Namen jeder Fußballfan kennt.

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