Taten statt Theater

Es war ein idyllisches Bild: Mitte Juli erklomm Österreichs junger Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) mit seinen Fans, interessierten Bürgern und ÖVP-Parteigranden den Grazer Hausberg Schöckl. Mit einer beinahe symbolhaften Kleidungskombination – schwarzer Wanderhose und blauem T-Shirt – eröffnete der 31-jährige Kurz unter großer Medienpräsenz seine »Bergauf, Österreich«-Wanderungen. Rund 2.500 Bürger nahmen teil.

Zweifelsohne: Es handelt sich bei der vielbeachteten »Kanzler-Wanderung« in erster Linie um eine geschickt eingefädelte PR-Aktion. Doch diese Szenen können durchaus auch als exemplarisch für die nun seit mehr als einem halben Jahr in Österreich regierende schwarz-blaue Koalition gelten: Gegenüber der Öffentlichkeit vermitteln ÖVP und FPÖ ein harmonisches Bild, Mitte Juli zeigten sich laut einer Umfrage der Tageszeitung »Österreich« 61 Prozent der Bürger mit der Regierungspolitik zufrieden, freuen sich über die Regierungs-Harmonie. Unterstrichen wurde dieses Bild bei einer gemeinsamen Pressekonferenz zur österreichischen Reaktion auf den sogenannten »Asyl-Kompromiss« zwischen CDU und CSU. Kurz, Vizekanzler Heinz-Christian Strache und Innenminister Herbert Kickl (beide FPÖ) demonstrierten eine keineswegs nur gespielte Einigkeit, indem sie klipp und klar hervorhoben, dass man sich die gegen Österreich gerichtete Folgen von Merkels Masseneinwanderungs-Politik keinesfalls gefallen lassen werde. Soviel beinahe überraschende Geschlossenheit sind auch die Österreicher nicht mehr gewohnt: Vor Schwarz-Blau regierte der Dauerkrach innerhalb der Regierungskoalition aus SPÖ und ÖVP – ähnlich wie aktuell in Deutschland, wo Heimatmuseums-Minister Horst Seehofer (CSU) bereits in endloser Wiederholung, den scheinbaren Politkrach mit der Masseneinwanderungskanzlerin Merkel inszeniert. Da können sich Kurz und Strache in Wien nur verwundert die Augen reiben: Sie wissen längst, dass ihre Wähler keine schlecht inszenierten Theaterstücke, sondern endlich Taten sehen wollen!


Johannes Schüller

Es war ein idyllisches Bild: Mitte Juli erklomm Österreichs junger Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) mit seinen Fans, interessierten Bürgern und ÖVP-Parteigranden den Grazer Hausberg Schöckl. Mit einer beinahe symbolhaften Kleidungskombination – schwarzer Wanderhose und blauem T-Shirt – eröffnete der 31-jährige Kurz unter großer Medienpräsenz seine »Bergauf, Österreich«-Wanderungen. Rund 2.500 Bürger nahmen teil.

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