Weil sie sich nicht vergewaltigen lassen wollte:

Der Fall erschüttert die Menschen weltweit: Im Sudan wartet eine junge Frau auf ihre Hinrichtung. Zwangsverheiratet hatte sie ihren Ehemann in Notwehr erstochen, um einer erneuten Vergewaltigung zu entgehen.

Mit 15 musste Noura Hussein einen 35 Jahre alten Cousin heiraten, mit 18 erstach sie ihn bei einer Vergewaltigung. Nach der im Sudan geltenden Scharia steht darauf die Todesstrafe.

Die Todeskandidatin hofft auf die EU.

Vielleicht vergeblich. Denn der Sudan gilt als zentraler Partner im Kampf gegen die Migration.

Die Leidensgeschichte der Noura Hussein: Ein Bruder, ein Onkel und ein Cousin ihres Ehemanns fragten das Mädchen, ob sie ihre Tage habe. Als Noura Hussein verneinte, drückten sie das Mädchen auf das Bett, hielten die Sudanesin fest, bis ihr Mann mit der Vergewaltigung fertig war. Noura Hussein drückte den Vergewaltiger von sich und stach mit einem Messer zu.

Mehr als ein Jahr ist vergangen. Noura Hussein wartet in einem Gefängnis der sudanesischen Großstadt Omdurman auf den Vollzug der Todesstrafe. Sie wurde Anfang Mai verhängt. Der Ehemann war seinen Verletzungen erlegen. Das Urteil des Richters lautete Mord ersten Grades – nach sudanesischem Recht bedeutet das Mord in einem besonders schweren Fall.

Dem US-Sender CNN erzählte die junge Frau ihre Geschichte. Auf einem Foto vom Hochzeitstag sieht man eine todunglückliche Braut weinend neben ihrem Ehemann sitzen: »Ich wollte ihn nicht heiraten. Ich wollte studieren. Mein Traum ist, Richterin zu werden.«

In den sozialen Medien haben weltweit 1,4 Millionen Menschen eine Petition für Noura Hussein unterschrieben. Ihre Anwälte legten Revision ein.

Im Gefängnis wartet sie jetzt auf die Wiederaufnahme des Verfahrens und hofft darauf, der Hinrichtung doch noch zu entgehen.

Der Islam ist in dem ostafrikanischen Land Staatsreligion, die Scharia Staatsrecht. Mädchen dürfen ab zehn Jahren verheiratet werden. Auch die Vergewaltigung in der Ehe gilt nicht als Verbrechen. (oys)

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