Tierschutz

Neue Details im Allgäuer Tierskandal bekannt

Außenaufnahme eines Stalles im Unterallgäu, in dem Tierschutzorganisationen massive Verstöße gegen Tierschutzrechte entdeckt haben

Bei einem der größten Milchviehbetriebe in Bayern haben Behörden neben Verstößen gegen den Tierschutz auch solche gegen das Tierseuchen- und Arzneimittelrecht festgestellt. Nun sind weitere Details bekannt geworden.

Nach den nun bekannt gewordenen Angaben der Staatsregierung, die auf eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion erteilt wurden, stellten die Kontrollbehörden in den Ställen des Betriebs in der Gemeinde im Unterallgäu bereits seit Mitte 2018 Verstöße gegen den Tierschutz fest. An einem weiteren Standort in Heimertingen gab es sogar schon Ende 2016 protokollierte Verstöße. Demnach wurden bei den Kontrollen auf den Höfen des Milchviehbetriebs aus Bad Grönenbach im Landkreis Unterallgäu in den vergangenen fünf Jahren insgesamt 16 Verstöße gegen das Tierseuchenrecht und vier Verstöße gegen das Arzneimittelrecht verzeichnet.

Bad Grönenbach: Jedes fünfte Kalb starb in dem Großbetrieb

Auf dem Milchviehhof in Bad Grönenbach war die Kälbersterblichkeit von rund 20 Prozent etwa doppelt so hoch wie im bayerischen Durchschnitt. Laut dem Landratsamt Unterallgäu liegt der Grund an der Ausbreitung der Viruskrankheit Bovine Virus-Diarrhoe (BVD). Impfungen dagegen wurden laut Landratsamt vom Tierhalter nicht gründlich genug erledigt. Daher mussten der Behörde zufolge zahlreiche Kälber getötet werden, um weitere Ansteckungen zu verhindern.

Aus der Stellungnahme des Ministeriums gehen nun auch konkrete Details zu 14 Tierschutzverstößen hervor: Kühe litten unter Verletzungen, Haut- und Eutererkrankungen. Zudem stand nicht jedem Tier ein Liegeplatz zur Verfügung und in manchen Ställen gab es unzureichend Fressplätze. In einer der Betriebsstätten gab es »große Kot- und Urinansammlungen im Standbereich beim Futtertisch«. Lahmen Tieren wurde kein Futter oder Wasser in erreichbarer Nähe vorgelegt. Es sei nicht ausreichend, diese Tiere in die Krankenbucht zu separieren und sich selbst zu überlassen, hieß es in einer Anordnung des Veterinäramts.

Ministerium will jetzt eine Kontrollaktion starten

Das Ministerium gab an, noch in diesem Jahr »eine Kontrollaktion in sehr großen Rinderhaltungen mit bayernweit einheitlichen Kontrollvorgaben« starten zu wollen. Im Juli hatte Ressortchef Thorsten Glauber (Freie Wähler) in einer Sondersitzung des Umweltausschusses angekündigt, Kontrollen für landwirtschaftliche Großbetriebe neu organisieren zu wollen. Für 85 große Rinder- und Schweinezuchtbetriebe soll künftig dieselbe Spezialbehörde zuständig sein, die bisher schon große Lebensmittel- und Geflügelbetriebe kontrolliert. Sie soll dazu 25 neue Stellen und zwei neue Standorte bekommen.

Tierschützer hatten im Juli Aufnahmen der gequälten und vernachlässigten Tiere veröffentlicht. Gegen den Großbetrieb aus Bad Grönenbach wurden mittlerweile mehrere Strafanzeigen erstattet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Zur Aufklärung der Vorwürfe gründete die Polizei eine Sonderkommission. Zudem werde seit Anfang August gegen zwei weitere Großbauern mit Hauptstandort im Unterallgäu wegen Verstößen gegen den Tierschutz ermittelt.

Der Bayerische Bauernverband warnte indessen vor einer Verallgemeinerung und einem Generalverdacht gegen die gesamte Landwirtschaft. Schwarze Schafe gebe es in jeder Branche, so Bauernpräsident Walter Heidl. »Tierschutzverstöße müssen konsequent bestraft werden. Doch auf der überwältigenden Mehrheit der Höfe arbeiten die Bauernfamilien 365 Tage im Jahr hart dafür, dass hochwertige Lebensmittel entstehen können und dass es den Tieren gut geht.«

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