Traditionsreiches Parteiorgan vor dem Aus:

CSU stellt den ›Bayernkurier‹ ein

Einst konservativ, jetzt zeitgeistkonform, bald Geschichte: Der ›Bayernkurier‹ soll eingestellt werden

Die erste Ausgabe des ›Bayernkurier, Parteiorgan der CSU‹, erschien 1950. Gründungsherausgeber und gleichzeitig erster Chefredakteur war Franz Josef Strauß. Ende dieses Jahres könnte die letzte Auflage folgen, denn die Christsozialen suchen mehr Reichweite und sehen die Zukunft in der Digitalisierung. Man wolle besser werden, auch bei ›Youtube‹, heißt es jetzt aus der CSU-Zentrale.

Noch in diesem Jahr soll das traditionsreiche Parteiorgan ›Bayernkurier‹ eingestellt werden. Das kündigte CSU-Generalsekretär Markus Blume nach einer CSU-Vorstandssitzung an. Grund sei, dass die CSU ihre Ressourcen künftig voll auf die digitale Kommunikation legen will. Das CSU-Präsidium solle ausarbeiten, »wie wir unsere analoge Kommunikation, den ›Bayernkurier‹, in diesem Jahr noch einstellen können und die neuen Möglichkeiten im Digitalen dafür umso stärker nutzen können«, so Blume, dessen Partei – wie die Altparteienlandschaft insgesamt – vom politischen Konkurrenten AfD digital abgehängt wurden.

Ende April hatte CSU-Parteichef Markus Söder bereits angekündigt, den großen digitalen Abstand zur AfD verringern und das »digitale Monopol der AfD« brechen zu wollen (der Deutschland Kurier berichtete). Die jüngste EU-Wahl hatte insbesondere bei den Volksparteien massiven Nachholbedarf im digitalen Bereich offengelegt.

Eine Möglichkeit, um an die digitale Medienkompetenz des Konkurrenten anschließen zu können, scheint nun, die von Franz Josef Strauß 1950 gegründete und von Chefredakteur Wilfried Scharnagl über drei Jahrzehnte erfolgreich geführte CSU-Parteizeitung einzustellen. Strauß sagte einst über den Chefredakteur des ›Bayernkuriers‹, seinen Vertrauten Scharnagl: »Er schreibt, was ich denke, und ich denke, was Scharnagl schreibt.«

Vor vier Jahren wurde der ›Bayernkurier‹ noch von einer Wochen- auf eine Monatszeitung umstrukturiert. Ob es ein digitales Format des »Sprachrohrs der Konservativen« geben wird, ist unklar.

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