Triumphator der Woche:

Kyriakos Mitsotakis

Mit der Abwehr von Invasionen aus dem Orient kennen die Griechen sich seit der Antike aus. 490 vor Christus schlugen die Athener bei Marathon die Expeditionsstreitmacht des Perserkönigs Dareios und verteidigten so ihre Freiheit. Zehn Jahre später versuchte wieder ein Perserkönig, Xerxes, die Griechen seinem Reich einzuverleiben.

Unter ihrem König Leonidas hielten dreihundert Spartaner, die bis auf den letzten Mann aufgerieben wurden, das vielfach überlegene Invasionsheer des Xerxes an den Thermopylen auf. Der athenische Kommandeur Themistokles schlug die persische Flotte in der Seeschlacht bei Salamis. Im Jahr darauf, 479, siegte das Heer der verbündeten Griechen bei Plataiai in Böotien über die Perser. Griechenland blieb frei, bis Jahrhunderte später erst die Makedonier und dann die Römer kamen.

Die Invasionstruppen, die der neo-osmanische Sultan Erdoğan derzeit gegen Griechenland wirft, sind nicht ganz so eindrucksvoll wie die Heeresmassen von Dareios und Xerxes: Zehntausende aggressive junge Männer aus Afghanistan, Iran, Nordafrika und dem ganzen Mittleren Osten, die, von den türkischen Behörden ausgerüstet, munitioniert und an die griechische Grenze transportiert, Einlass und Versorgung in Europa fordern.

Nerven braucht es trotzdem, um eine solche Invasion abzuwehren. Die Griechen haben sie in den vergangenen Wochen gezeigt. Bislang haben die griechischen Sicherheitskräfte jeden Durchbruchsversuch abgewehrt. Polizei und Militär verstärken die Grenzer am Fluss Evros und auf den ägäischen Inseln, griechische Bürger unterstützen sie freiwillig mit Grenzkontrollen und Traktoren, blockieren die Küsten ihrer Inseln und verhindern die Landung von Migrantenbooten. Die griechische Marine verstärkt ihre Einheiten in der Ägäis, um die erwartete Zunahme der illegalen Migration über See abzuwehren.

Was für ein Unterschied zum Asylansturm vor fünf Jahren. Damals stellte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Blankoscheck für angebliche »Syrer« aus, und die griechischen Behörden winkten illegale Migranten, die sich als solche ausgaben, einfach durch. Das könnten sie auch heute tun; in Griechenland will kaum einer von Erdoğans Migrantentruppen bleiben. Stattdessen nehmen sie die unschönen Bilder von der Zurückweisung illegaler Migranten auf sich, für die die Merkel-Regierung damals wie heute zu feige war und ist.

Für die klare Haltung der griechischen Regierung trägt Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis die Verantwortung. Von ihm kommen eindeutige Ansagen, wie wir sie gerne auch einmal von unserer Regierung hören würden: »Die Moral ist groß, wir machen unsere Arbeit, angesichts der nationalen Anstrengung ist das ganze Volk vereint. Es wird niemand illegal passieren«, versicherte Mitsotakis in der nordostgriechischen Hafenstadt Alexandroupolis, bevor er die EU-Kommissionspräsidentin traf. »Griechenland kann nicht erpresst werden und lässt sich nicht erpressen.«

Denn »Griechenlands Grenzen sind auch Europas Grenzen«, sagt Mitsotakis selbstbewusst und wendet sich auch direkt an die Eindringlinge: »Ich schicke eine klare Nachricht an diejenigen, die wissen, dass sie keinen Anspruch auf Asyl haben: Kommt nicht!« Auch nicht über das Mittelmeer: »Diese Route endet auf den Inseln der Ägäis und danach geht es zurück (in die Türkei).«

Natürlich steht Mitsotakis auch innenpolitisch unter Druck. Nicht nur, weil dem griechischen Nationalbewusstsein immer noch vier Jahrhunderte türkische Fremdherrschaft in den Knochen stecken und schon deswegen Erdoğans Erpressung unpopulär ist. Im Wahlkampf hatte er versprochen, die Migrantenlager auf den Inseln zu räumen. Seit seinem Amtsantritt hat sich aber die Zahl der Illegalen auf Lesbos verdreifacht.

Jetzt setzt seine Regierung auf Abschreckung. Keine kostenlose Krankenversorgung mehr, keine Verlegungen aufs Festland, seit der Erdoğan-Invasion ist auch das Asylrecht erst mal ausgesetzt. Neue Unterkünfte sollen als geschlossene Lager auf unbewohnten Inseln eingerichtet werden. Der Vizechef der Regierungspartei, Georgiadis, droht an, es werde »lebenslange Haft für alle geben, die nicht zurückwollen«.

So funktioniert eben Demokratie, die die Griechen nebenbei ja auch erfunden haben: Wer im Namen des Volkes regiert, muss auch so handeln, wie es für das Volk und das Land am besten ist, und nicht, um es sich selbst bequem zu machen und gut dazustehen.

Mitsotakis‘ konsequente Haltung scheint ansteckend zu wirken. Auch andere europäische Regierungen, Österreich und Frankreich zum Beispiel, wollen keine zusätzlichen Migranten aufnehmen und schicken Unterstützung nach Griechenland. Nur die deutsche Bundesregierung laviert wie üblich noch herum. Da muss der Druck wohl noch größer werden, auch von den deutschen Bürgern selbst.

Kyriakos Mitsotakis zeigt jedenfalls, dass es sehr wohl möglich ist, die eigenen und die europäischen Grenzen zu schützen. Merkel und ihre törichten Sprüche hat er damit Lügen gestraft. Schon deshalb ist der griechische Ministerpräsident unser Triumphator der Woche.

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