Triumphator der Woche:

Papa emeritus Benedikt XVI.

Er fehlt auf dem Stuhl Petri. Vor sieben Jahren, am 11. Februar 2013, erklärte Benedikt XVI. nach knapp acht Jahren im Amte als erster Papst der Neuzeit seinen Rücktritt. Am 16. April feierte er – in häuslicher Corona-»Quarantäne« wie so viele andere – seinen 93. Geburtstag.

Und in dieser Woche erschien die fast zwölfhundert Seiten starke Biografie des Mannes, der wie kaum ein zweiter in unserer Zeit die katholische Kirche und das Papsttum geprägt hat, aus der Feder seines bayerischen Landsmannes Peter Seewald.

Sein Leib ist vom Alter geschwächt, aber sein Geist ist stark. Man wolle seine Stimme zum Verstummen bringen, zitiert ihn sein Biograf. Beherzt wie eh und je äußert sich der Mann, der als Joseph Kardinal Ratzinger viele Jahre die Glaubenskongregation im Vatikan geleitet hatte, zur Krise der von Linksruck und Zeitgeist verwirrten Kirche in seinem Heimatland Deutschland an.

Die Reaktionen von deutschen Theologen auf manche seiner Aussagen seien »töricht und bösartig« gewesen. Von seinem festen Glaubensstandpunkt aus kritisiert er die Befürworter einer »Ehe« zwischen Homosexuellen; und erst vor Kurzem hat er zum Buch des nicht minder glaubensfesten afrikanischen Kurienkardinals Robert Sarah über Priestertum und Zölibat einen Beitrag verfasst.

Sein Pontifikat sah eine Reihe von Sternstunden. Unvergessen seine große Rede vor dem Deutschen Bundestag am 22. September 2011, als Papst Benedikt der deutschen Politikerkaste die Leviten las: »Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat noch anderes als eine große Räuberbande«, zitierte er den heiligen Augustinus – die Aussage ist aktueller denn je.

Und in seiner legendären Regensburger Rede vom 12. September 2006 markierte er so sachlich wie klar die Trennlinie zum Islam: Die Vernunft, und nicht die Gewalt, ist Grundlage des Glaubens. Die Begeisterung, die Benedikt als Papst gerade unter jungen Leuten auszulösen vermochte, zeigt eindrucksvoll: Nicht die Anpassung an ideologische Moden, sondern der klare Standpunkt ist es, der andere von einer Sache überzeugen kann.

Die »Diktatur des Relativismus« hat Benedikt XVI. hellsichtig als die eigentliche Gefahr unserer Zeit erkannt. Welche Intrigen und Kräftespiele tatsächlich zu seinem Rücktritt geführt haben, werden wir wohl erst in künftigen Zeiten erfahren. Dass er einer der ganz Großen unserer Zeit ist, das wissen wir schon jetzt.

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