Triumphator der Woche:

Sebastian Kurz

Bundeskanzler müssen nicht zwangsläufig griesgrämig daherkommen und auf Kriegsfuß mit der deutschen Sprache stehen. Österreichs Regierungschef Sebastian Kurz von der CDU-Schwesterpartei ÖVP ist in vielerlei Hinsicht ein Gegenentwurf zum Merkel-Muff. Er kommuniziert mit den Bürgern wie mit Erwachsenen, und in heiklen Situationen kann er führen und entscheiden.

In der Corona-Krise gibt der Chef am Wiener Ballhausplatz den europäischen Schrittmacher. Was immer die deutsche Bundesregierung, meist verspätet und zögerlich, zur Eindämmung der Pandemie beschlossen hat, von der Sperrung der Grenzen bis zur Schließung von Restaurants und Geschäften – der südliche Nachbar war stets deutlich früher dran und wirkte dabei planvoller und entschlossener. Ein Viertel des 38-Milliarden-Hilfspakets für die Wirtschaft ist für Steuererlasse vorgesehen; das kommt direkt bei den Betroffenen an und schafft echte Entlastung.

Fehler sind trotzdem passiert: In einigen Tiroler Skiorten wurden trotz Corona-Infektion Partys nicht unterbunden, und man versäumte es, nach Hause geschickte Urlauber vor der Abreise auch zu isolieren. Auf der anderen Seite wurden frühzeitig Quarantänen über gefährdete Gemeinden verhängt und der Transit-Reiseverkehr beizeiten unterbunden.

Kurz‘ größter Fehler im Rückblick war wohl, die erfolgreiche Koalition mit der FPÖ wegen der Ibiza-Affäre in die Luft zu jagen. Das machte die Grünen erst groß, mit denen er jetzt regiert. Der Klima-Hype, auf dem die vorher außerparlamentarischen Alpen-Grünen dabei geritten sind, ist allerdings schon wieder am Abklingen.

Und während die Merkel-Regierung nach der Pfeife der Grünen tanzt, obwohl die gar nicht an der Koalition beteiligt sind, hindert Sebastian Kurz das Bündnis mit den Grünen nicht daran, auch in der Migrationspolitik klare Ansagen zu machen.

Kurz bezeichnete als einer der ersten das türkische Vorgehen an der griechischen Grenze als »Angriff« auf Europa, Österreich widersetzte sich konsequent allen Planspielen, der Erpressung nachzugeben und Erdoğans Migrantenarmee irgendwie in die EU aufzunehmen und zu verteilen; die Regierung Kurz schickte sogar eine Einheit der Elitetruppe »Cobra« mit schwerem Gerät und moderner Technik nach Griechenland zur Verstärkung der Grenzabwehr. Aus Berlin kam zur gleichen Zeit – außer wohlfeilen Phrasen – nichts.

Kurzum, der österreichische Bundeskanzler macht vielleicht nicht alles richtig, aber vieles besser. Und während die europäischen Nachbarn über Berlin mehr oder minder offen den Kopf schütteln, schaut man mit Respekt nach Wien. Sein Krisenmanagement qualifiziert Sebastian Kurz zu unserem Triumphator der Woche.

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