Tu felix Austria!

Als Österreichs ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz Mitte Januar Berlin besuchte, war bei einigen Deutschen ein leiser Anklang von Bewunderung vernehmbar. »Wir wollen auch einen wie Kurz«, lautete der Tenor in den sozialen Medien.

Viele Deutsche ließen ihrem Unmut über eine sich abzeichnende weitere Legislaturperiode mit Dauer-Kanzlerin Angela Merkel freien Lauf.

Denn der Kontrast blieb mehr als augenscheinlich: Auf der einen Seite überzeugte der frischgebackene, gerade einmal 31-jährige Neo-Kanzler mit seiner mutigen Positionierung gegen weitere illegale Masseneinwanderung. Auf der anderen Seite waren die immer gleichen Parolen der Asyl-Kanzlerin zu hören, die seit mehr als zwölf Jahren Deutschland eisern im Würgegriff hält. »Kurz-Festspiele mit Merkel-Treffen und TV-Talk«, titelte Österreichs meinungsbildende Boulevard-Zeitung ›Krone‹. Über den erfolgreichen Auftritt des Neo-Kanzlers in Berlin, der Merkel hinsichtlich der Asyl-Politik vor laufender Kamera die Meinung geigte, konnten auch nicht zwei mehr als zweifelhafte Interview-Verhöre mit Kurz im deutschen Zwangsgebühren-Rundfunk hinwegtäuschen.

Auch in der österreichischen Heimat überzeugt die schwarz-blaue Regierung derzeit viele Wähler. Zustimmung erhielt etwa die Ankündigung des FPÖ-Innenministers Herbert Kickl, Asylwerber zukünftig in zentralen Grundversorgungszentren unterzubringen. Die plausible Begründung: Dadurch könne nicht nur ein schnelleres Asylverfahren gewährleistet werden, sondern auch – endlich wieder – die Sicherheit der Einheimischen garantiert werden. Dass die Regierung bereit ist, gegen das von der rot-schwarzen Vorgängerregierung hinterlassene Asyl-Chaos vorzugehen, konnte teilweise schon im Kleinen bewiesen werden. So verweigerte Kickl etwa einem berüchtigten Islamisten aus Georgien die Einreise, da nach einer Einschätzung des Innenministeriums »eine große Gefahr für die innere Sicherheit« vorlag. Im Januar wurden allein mehr als 30 russische Staatsbürger – einige kamen aus dem islamisch geprägten Tschetschenien – aufgrund fehlender Asylgründe abgeschoben. Doch nicht nur innenpolitisch, auch außenpolitisch setzt die neue Regierung mutig Akzente: So überzeugte etwa die von der FPÖ nominierte Außenministerin Karin Kneissl mit einer deutlichen Stellungnahme gegen die Russland-Sanktionen der EU sowie freundlichen Besuchen bei den osteuropäischen, EU-kritischen Nachbarstaaten. Da kann Dauer-Kanzlerin Merkel nur verblassen.

Der Neid der Deutschen auf Österreich ist mehr als verständlich!


Johannes Schüller

ist Chefredakteur von wochenblick.at, dem Online-Portal der österreichischen Zeitung ›Wochenblick‹.

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