Umfrage-Desaster für Union und SPD kurz vor EU-Wahl

Haarsträubend sind die Zahlen, welche die sogenannten Volksparteien CDU/CSU und SPD aktuell präsentiert bekommen. Befürworteten 2014 noch über 60 Prozent der Wähler die Arbeit der Groko-Parteien als positiv, dürften sie dieses Mal zusammen nicht mal mehr jedes zweite Wählerkreuz bekommen. Darauf deuten die neuesten Umfragen hin.

CDU/CSU kommen auf 28 Prozent. Bündnis90/Die Grünen landen mit 18 Prozent klar vor der SPD mit 15,5 Prozent. Die AfD kommt auf zwölf Prozent, die FDP auf acht Prozent und die Linke auf sieben Prozent.

Die Prognosen für kleine Parteien, die für den Einzug ins EU-Parlament keine Fünf-Prozent-Hürde brauchen, zeigen: Sonstige Parteien erreichen zusammen 11,5 Prozent. Darunter haben insbesondere die Freien Wähler (drei Prozent), die Satire-Partei »Die Partei« (2,5 Prozent), die Tierschutzpartei (zwei Prozent) und die Piratenpartei (ein Prozent) Chancen auf Abgeordnetenmandate. Weitere sonstige Parteien kommen zusammen auf drei Prozent.

Bei der anstehenden EU-Wahl zeigt sich laut einer Civey-Erhebung ein manifestiertes Problem der Groko-Parteien: Die Wähler können kaum einen Unterschied – trotz der Sozialismusthesen des Jusos-Chefs Kevin Kühnert – zwischen den beiden Koalitionspartnern ausmachen. 46,1 Prozent der Unions-Sympathisanten und 47,4 Prozent der SPD-Anhänger finden, dass sich ihre Parteien in ihren Inhalten vor der EU-Wahl »weniger stark« voneinander unterscheiden. Weitere 7,7 beziehungsweise 6,8 Prozent der CDU/CSU- und SPD-Unterstützer erklärten gar, die Koalitionäre unterschieden sich »gar nicht«. Dies bedeutet: Eine Mehrheit der Anhänger erkennt nur noch geringe Unterschiede zwischen den Parteien. Wenig überraschend fällt das Urteil bei den Freunden der Oppositionsparteien noch deutlicher aus – insbesondere in Unterstützerkreisen der AfD. Von den befragten AfD-Anhängern konnten 55,2 Prozent keine Unterschiede zwischen Union und SPD ausmachen. Aber auch jeweils gut zwei Drittel der Grünen-, FDP- und Linke-Sympathisanten erkennen »weniger starke« oder »gar keine« Unterschiede.

Der Vergleich mit dem Ergebnis der vergangenen EU-Wahl zeigt: Die SPD sackt deutlich ab – ihr gaben damals noch mehr als 27 Prozent der Wähler ihre Stimme.

Spitzenkandidat Manfred Weber: Am kommenden Sonntag könnte CDU/CSU auf 28 Prozent abstürzen

Auch die CDU und CSU mit dem Spitzenkandidaten Manfred Weber verlieren Zustimmung: Sie erreichten zuletzt zusammen etwa 35 Prozent. Hoffnung können sich die Grünen machen: 2014 entfielen knapp 11 Prozent der Wählerstimmen auf sie, in den aktuellen Umfragen stimmten bis zu 20 Prozent für sie.

Geht es nach der aktuellen INSA-Umfrage im Auftrag von Bild.de verliert die FDP (8 Prozent) im Vergleich zur letzten Umfrage vor einem Monat eineinhalb Prozentpunkte. Die Linke (8 Prozent) verliert einen Punkt. Die Grünen (16 Prozent) legen einen Punkt zu. CDU/CSU (29 Prozent), SPD (16 Prozent) und die AfD (12 Prozent) halten ihre Werte.

Im Gegensatz zu anderen Umfragen verlieren vor allem die GroKo-Parteien – aber auch die Grünen – klar.

Bei den jüngsten Wahlen in den EU-Mitgliedsstaaten konnten rechts-konservative Parteien stark zulegen: Der Front National in Frankreich, die Lega Nord in Italien, die FPÖ in Österreich, die AfD in Deutschland. Viele erwarten deshalb, dass sie auch bei der anstehenden EU-Wahl stark abschneiden.

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