Uni Kiel:

Muslimische Studentin will gegen Schleierverbot klagen

Schleswig-Holstein/Kiel – Nachdem die staatliche Christian-Albrechts-Universität (CAU) ein Verbot der Vollverschleierung in Lehrveranstaltung ausgesprochen hat, kündigt die zum Islam konvertierte Studentin an, juristisch dagegen vorgehen zu wollen.

Muslimische Frau mit Niqab: Bald auch bei Uni-Lehrveranstaltungen und Prüfungen?

Nachdem die staatliche Universität Kiel das Tragen von Burka und Niqab während Lehrveranstaltungen in der vergangenen Woche verboten hatte, will die betroffene Studentin, eine zum Islam konvertierte Deutsche, »auf alle Fälle« juristisch gegen diesen Verbotserlass vorgehen. Dies sagte die Konvertitin den Kieler Nachrichten (KN).

Das »Schleierverbot« der CAU stelle nach Ansicht der Muslima einen Eingriff in die persönliche Entfaltung dar und verstoße gegen das Grundgesetz. Außerdem hindere es sie an der ungestörten Religionsausübung. Die Studentin betrachte das Tragen eines Gesichtsschleiers »in allererster Linie als Gottesdienst, durch den ich mich Gott nähere«. Die 21 Jahre alte Studentin der Ernährungswissenschaften gab gegenüber den KN an, vor drei Jahren zum Islam konvertiert zu sein. Zuvor sei sie evangelikale Christin gewesen. Durch die Beschäftigung mit dem Islam habe sie festgestellt, »dass der Koran nicht von einem Menschen erfunden werden konnte und der Prophet Mohammed ebenso nur die Wahrheit gesprochen haben muss«.

Bezüglich ihres juristischen Schrittes gegen die CAU hätten sich bereits »mehrere Anwälte« des Falles angenommen, so die Studentin. Finanzielle Unterstützung komme von einem Verein, »der sich für religiös Diskriminierte« einsetze.

Wie der Deutschland-Kurier berichtete, hatte in der vergangen Woche ein CAU-Dozent die islamisch korrekt verhüllte Studentin, die in diesem Aufzug zu seinem Tutorium erschienen war, zur Abnahme aufgefordert und den Fall dann zur Entscheidung an die Hochschulleitung weitergegeben. Das Präsidium erließ daraufhin das Verbot der Gesichtsverschleierung mit der Begründung: Kommunikation in Forschung und Lehre beruhe nicht nur auf dem gesprochenen Wort, sondern auch auf Mimik und Gestik. Deshalb dürften Gesichtsschleier in Lehrveranstaltungen, Prüfungen und Gesprächen, die sich auf Studium, Lehre und Beratung beziehen, nicht getragen werden.

Der immer wieder unter Islamismusverdacht stehende Verein » Zentralrat der Muslime in Deutschland« (ZDM) hat bereits seine Einschätzung zum »Schleierstreit« abgegeben: Die Vollverschleierung von Frauen sei »kein einheitlich religiöses Gebot«. Das Gesichtzeigen sei pädagogisch und lerntechnisch unverzichtbar.

Anders sieht dies der grüne schleswig-holsteinische Landtagsabgeordnete Lasse Petersdotter (Grüne). Pettersdotter, der kurz vor Weihnachten eine sogenannte Argumentationshilfe gegen rechtspopulistische Aussagen am Weihnachtstisch herausbrachte, bewertet die Entscheidung der Universität als Fehler. Eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft dürfe Menschen nicht aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen und Ausdrucksweise von staatlichen Bildungseinrichtungen ausschließen. Bezeichnend sei zudem, dass diese Diskussionen immer dann aufkommen, wenn verschleierte Frauen in akademische Kreise vordringen. »Als Reinigungskräfte und in anderen Dienstleistungsbereichen hat sich die Mehrheitsgesellschaft bislang nicht daran gestört«, so der studierte Politologe und Islamwissenschaftler. »Dozierende und Professor*innen sind weder in der Lage noch beauftragt, die Mimik und Gestik der Studierenden zu bewerten«, so das grüne Statement.

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